Formel 1 - Halbzeitbilanz: Ferrari

Alonso und dann lange nichts

Sommerpause in der Formel 1. Zeit für eine erste Bestandsaufnahme - Motorsport-Magazin.com analysiert die Leistungen der Fahrer und Teams 2012. Heute: Ferrari.
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Das Auto

Der F2012. Eine schwere Geburt mit rasantem Wachstum. So lässt sich die bisherige Saison des Ferrari-Boliden zusammenfassen. Bereits die Präsentation wurde vom Schnee verweht und die Testfahrten ließen alle WM-Träume zunächst zerplatzen. Um das volle Ausmaß nicht sofort deutlich zu machen, bekamen die Piloten während der Testfahrten sogar ein Redeverbot - angeblich, um die Konzentration nicht zu stören. Während eines Fußballspiels brach Fernando Alonso aber sein Schweigen: "Wir werden bei den ersten Rennen ganz schön leiden, denn wir haben nicht den Speed von Iniesta und Messi."

Wir werden bei den ersten Rennen ganz schön leiden, denn wir haben nicht den Speed von Iniesta und Messi
Fernando Alonso

Wenn der Ferrari zu Beginn der Saison vielleicht nicht mit Schnelligkeit glänzte - Zuverlässigkeit war in jedem Fall sein Stecken-'Pferd'. Nur ein einziges Mal sah Felipe Massa nicht das Ziel, Schuld war aber eine Kollision. Alonsos Durchhaltevermögen ist sogar Saisonübergreifend. "Es kommt nicht von Ungefähr, dass du 23 aufeinanderfolgende Punkteankünfte hast", lobte er sein Arbeitsgerät. Tatsächlich brachte der F2012 den Spanier nie schlechter als auf Rang neun über die Linie.

Die ersten Rennen litt Ferrari aber wirklich - trotz des Regensieges in Malaysia - und Alonso vertröstete die Öffentlichkeit immer wieder auf den Europaauftakt, wo die neuen Teile, beziehungsweise der F2012-B kommen sollte. Und er kam. Ausgestattet mit einem runderneuerten Frontflügel, Diffusor, Heckflügel, veränderten Leitblechen und Bremskanälen. Für Alonso aber nicht der größte Schritt: "Wir hatten bereits in Spanien Verbesserungen am Auto, aber den größten Schritt haben wir wohl in Kanada gemacht." In Montreal setzte die Scuderia unter anderem ein robusteres und einfacheres Auspuff-System ein. Bis zum Ungarn GP gelangen Alonso zwei weitere Siege und das auch ohne Wetterkapriolen. Dafür gibt es Lob und Respekt von der Konkurrenz - auch vom ehemaligen Ferrari-Weltmeister Michael Schumacher: "Ferrari hat sich sukzessive gesteigert und das erarbeitet, Hut ab. So wird es für die Herausforderer schwierig."

Team & Fahrer

Felipe Massa und Fernando Alonso könnten unterschiedlicher kaum sein - Foto: sutton

Die Fahrer der Scuderia erscheinen wie ein Unterschied zwischen Tag und Nacht. Alonso siegte - als einziger Pilot - 2012 bereits drei Mal und führt die Weltmeisterschaft mit 40 Punkten Vorsprung an. Wer seinen Teamkollegen sucht, muss mit dem Finger die Gesamtwertung erst weit nach unten rutschen. Auf Rang 14 - zwischen Paul di Resta und Bruno Senna - ist endlich der Name Felipe Massa zu lesen. Als bestes Saisonergebnis steht Rang vier in Silverstone zu Buche, jedoch reichte es für den Vizeweltmeister von 2008 in zehn beendeten Rennen nur zu fünf Punkteankünften.

Alonso ist die deutliche Nummer eins und Massa selbst räumte ein, in bestimmten Situationen teamdienlich handeln zu wollen - sprich Alonso in Zweifelsfall überholen zu lassen. Vielleicht ist dieses Angebot schon einer der letzten Versuche des Brasilianers, doch noch einen Fuß in der Maranello-Tür zu behalten - wollten die meisten Experten ihn doch bereits nach zwei Saisonrennen gegen den aufstrebenden Sergio Perez austauschen.

Alonso hingegen sitzt fest im Sattel und die Scuderia konnte ihr bestes Pferd im Stall bereits vor längerem bis 2015 binden. Welchen riesigen Anteil der Spanier am Erfolg von Ferrari 2012 hat, darüber sind sich die meisten Experten einig. "Alonso hat sich nicht gesteigert. Er war bereits zu Saisonbeginn sensationell", verriet Alexander Wurz im Interview mit Motorsport-Magazin.com. "Bei ihm machte ich mir nie Sorgen, bei Ferrari haben wir das sicherlich alle getan."

Ausblick auf zweite Saisonhälfte

40 Punkte Vorsprung, noch neun Rennen zu fahren...eigentlich eine Situation, in der der Puls zumindest ein wenig nach unten geht - nicht so bei Ferrari. Alonso gewann drei Rennen und war der konstanteste Pilot der Saison. Der F2012 ist aber nach wie vor nicht das schnellste Auto und Alonso muss bei einem normalen Rennverlauf - ohne Regen - kämpfen, ein gutes Ergebnis zu erreichen. Das letzte Rennen vor der Pause in Ungarn machte genau das deutlich.

Was wir momentan haben, ist auf lange Sicht nicht genug
Fernando Alonso

Aus diesem Grund schlug Alonso Alarm: "Nun müssen wir in Bezug auf die Leistung einen guten Satz nach vorne machen, um unseren Vorsprung in der WM auch zu halten. Was wir momentan haben, ist auf lange Sicht nicht genug." Das ist allen beteiligten in Maranello wohl bewusst, daher wurden in der letzten Woche vor dem Urlaub nochmals alle Kapazitäten mobilisiert und im Windkanal einige Teile für Spa entwickelt. Ein weiterer Fortschritt ist auch für Singapur geplant. Dort konnte Alonso bereits zwei Mal gewinnen und würde seine Ambitionen auf den dritten WM-Titel mit einem dritten Erfolg deutlich untermauern.


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