Formel 1 - Halbzeitbilanz: Force India

Knapp daneben ist auch vorbei

Sommerpause in der Formel 1. Zeit für eine erste Bestandsaufnahme - Motorsport-Magazin.com analysiert die Leistungen der Fahrer und Teams. Heute: Force India.
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Das Auto

Der VJM05 hat seine Konkurrenzfähigkeit noch nicht nachhaltig unter Beweis stellen können. Nach dem besten Saisonergebnis für Force India mit den Platzierungen fünf und sieben in Valencia brachten die Updates für Silverstone nicht den gewünschten Effekt. Im letzten Rennen vor der Sommerpause, dem Ungarn GP, bemängelte Nico Hülkenberg vor allem Probleme mit der Balance des Autos. Diese wiederum führten zu gesteigertem Reifenverschleiß, ebenso wie die im Vergleich zur Konkurrenz geringerer Traktion des VJM05.

Der VJM05 kann mit Zuverlässigkeit glänzen - Foto: Sutton

Das Team hat diese Probleme offenbar noch nicht in den Griff bekommen. Es zeichnet sich ein ähnliches Bild wie in der Saison 2011 ab. "Wenn wir zu Beginn das Auto gehabt hätten, das wir am Ende des Jahres hatten, dann hätten wir Fünfter in der Konstrukteurs-Weltmeisterschaft sein können", hatte Paul di Resta vor Beginn der aktuellen Saison festgestellt. Das Problem scheint sich dieses Jahr zu wiederholen. Das Ziel, gleich zu Beginn der Saison ein konkurrenzfähiges Auto zu konstruieren, ist jedenfalls nicht geglückt.

Dabei sind die Voraussetzungen mit dem leistungsstarken Mercedes-Motor sowie Getriebe und Hydraulik von McLaren denkbar gut. Auch mit Zuverlässigkeit kann der VJM05 glänzen: Hülkenberg und di Resta schieden jeweils ein Mal in Folge eines Kollisionsschadens aus. Die Basis stimmt also, doch es hapert offensichtlich an der Abstimmung des Boliden. Die Piloten bemängelten immer wieder fehlenden Abtrieb und mangelnde Traktion. Diese Baustellen muss das Team in der zweiten Saisonhälfte in den Griff bekommen, um nicht den Anschluss zu verlieren.

Team & Fahrer

Die Ansprüche, die vor allem von Teamchef Vijay Mallya vor und während der Saison vorgegeben wurden, muss das Team herunterschrauben. Von Platz fünf in der Herstellerwertung ist Force India derzeit ebenso weit entfernt wie von einem Podiumsergebnis. Deshalb ist seit einigen Wochen nur noch von Platz sechs die Rede - und selbst dieses Ziel zu erreichen, könnte zur Mammutaufgabe werden.

Was die eingefahrenen Punkte betrifft, hatten wir einen der besten Saisonstarts in unserer Geschichte, doch die Teams um uns herum waren auch sehr gut.
Vijay Mallya

Was Force India fehlt, sind die Big Points. Sauber fuhr mehrfach zweistellige Punkte ein, Williams profitierte enorm vom Überraschungssieg Pastor Maldonados in Barcelona. Auf die Schweizer weisen die Mannen von Vijay Mallya inzwischen 34 Punkte Rückstand auf, von Williams trennen sie immerhin nur sieben Zähler. "Was die eingefahrenen Punkte betrifft, hatten wir einen der besten Saisonstarts in unserer Geschichte, doch die Teams um uns herum waren auch sehr gut", bemerkte Mallya treffend.

Eine Ursache für die hinter den Erwartungen zurückgebliebene Leistung von Force India könnte man in der Unerfahrenheit der beiden Piloten suchen. Doch das greift zu kurz, denn Pastor Maldonado und Sergio Perez sowie mehr oder weniger auch Bruno Senna absolvieren wie die Schützlinge von Mallya erst ihre zweite Formel-1-Saison. Auch Kamui Kobayashi kann noch nicht allzu viel Erfahrung in der Königsklasse vorweisen.

Nach der einjährigen Pause war mir klar, dass ich Startschwierigkeiten haben würde.
Nico Hülkenberg

Die fehlenden Punkte sind eher suboptimalen Rennstrategien zuzuschreiben. Entweder setzte das Team auf die falsche Anzahl von Boxenstopps oder schickte die Piloten mitten im Verkehr wieder auf die Strecke. Eine weitere Baustelle ist das Qualifying. Nur zwei Mal konnten sich beide Force-India-Piloten bis in Q3 vorarbeiten. Das beste Ergebnis im Zeittraining erzielten sie in Deutschland, als Hülkenberg als Vierter startete und di Resta als Neunter ins Rennen ging. Doch selbst diese gute Ausgangsposition münzte das Team nicht in ein gutes Resultat um, zwei Punkte von Hülkenberg sind angesichts der Ausgangslage eine magere Bilanz.

Dementsprechend mager ist auch die Bilanz in der Fahrerwertung. Paul di Resta belegt mit 27 Punkten Rang 13, Nico Hülkenberg rangiert mit 19 Zählern auf Platz 16. Letzterem ist trotz des derzeitigen Rückstands auf di Resta das stärkere Finish zuzutrauen, da er zwar ein paar Rennen benötigte, um wieder in den Rennmodus zu finden, in den vergangenen vier Rennen jedoch doppelt so viele Punkte einfuhr wie sein schottischer Teamkollege. "Nach der einjährigen Pause war mir klar, dass ich Startschwierigkeiten haben würde. Seit Barcelona geht es gut nach oben. Ich habe auch in den Statistiken aufgeholt. Es geht definitiv in die richtige Richtung", sagte der Deutsche vor dem Ungarn GP.

Ausblick auf zweite Saisonhälfte

In den verbleibenden neun Rennen wird Force India alle Hände voll zu tun haben, wenn das bereits nach unten korrigierte Saisonziel, Platz sechs in der Konstrukteurs-Wertung, erreicht werden soll. Zumal das Team in Person von Technikdirektor Andy Green nach dem Ungarn GP klarstellte, dass der Fokus nun auf dem Boliden für die Saison 2013 liege. "Für ein Team unserer Größe ist es kaum machbar, das Auto über diesen Punkt der Saison hinaus weiterzuentwickeln. Es geht nur noch darum, zu optimieren, was wir haben", erklärte Green, der ankündigte, bis zum Saisonende wie verrückt kämpfen zu wollen.

Force India muss noch eine Schippe drauflegen - Foto: Sutton

"Wir sind konstant in den Top-10. Ich hoffe, dass wir in der zweiten Saisonhälfte im Feld sogar noch ein bisschen weiter nach vorne kommen", meinte Nico Hülkenberg vor der Sommerpause. "Wir müssen versuchen, das Beste aus unseren Möglichkeiten zu machen, dann haben wir uns nichts vorzuwerfen." Force India müsste allerdings eine ähnlich starke zweite Saisonhälfte wie im vergangenen Jahr hinlegen, um Williams zu überholen und Sauber gefährlich zu werden. Beide Teams sind laut Hülkenberg von der reinen Performance nach wie vor leicht vor Force India. "Wir müssen eine weitere Schippe drauflegen, wenn wir sie aus eigener Kraft kontrollieren wollen", sagte der 24-Jährige.

Ein Hoffnungsschimmer ist da ein Gerücht, dass in den italienischen Medien auftauchte. Ex-Ferrari-Mann Chris Dyer, der Michael Schumacher und Kimi Räikkönen als Renningenieur zu insgesamt drei Weltmeistertiteln führte, soll sich in Verhandlungen mit Force India befinden. Welche Funktion er im Team einnehmen soll, ist noch nicht klar. Mit seiner Erfahrung bei einem Top-Team könnte er bei Force India jedoch in Zukunft zu einer Schlüsselfigur werden.


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