Formel 1 - Halbzeitbilanz: Caterham

Potential nicht ausgeschöpft

Sommerpause in der Formel 1. Zeit für eine erste Bestandsaufnahme - Motorsport-Magazin.com analysiert die Leistungen der Fahrer und Teams 2012. Heute: Caterham.
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Das Auto

"Die Leute sehen Fortschritte nur in den Ergebnissen und die fehlen uns momentan noch", stellte Technikdirektor Mark Smith fest und fasst damit das Hauptproblem bei der Beurteilung der Leistung des britisch-malaysischen Teams in den ersten elf Rennen zusammen. Denn Caterham selbst sieht im CT-01 einen großen Schritt nach vorne, das Team habe nur noch nicht das Maximum aus dem grünen Renner herausgeholt.

Der Weg ins Mittelfeld ist für Caterham nach wie vor weit. - Foto: Sutton

Vorhandenes Potential optimal zu nutzen, scheint in der Tat eines der Kernprobleme von Caterham zu sein. Schon der Saisonbeginn brachte nicht die erwünschten Ergebnisse, von den Testfahrten in Mugello reiste das Team konsterniert ab, weil sich keines der Updates bewährte. Das Zwischenhoch in Valencia, als Heikki Kovalainen und Vitaly Petrov in der Lage waren, sich mit den Toro Rosso zu duellieren, konnte das Team nicht in einen dauerhaften Formanstieg ummünzen. Beim folgenden Rennen in Silverstone sollte der Durchbruch kommen, doch aufgrund des verregneten Freitagstrainings konnte der Rennstall erneut nicht alles aus dem Upgrade-Paket herausholen.

So ganz scheint das Team nicht verstanden zu haben, wie es das Auto schneller machen und das volle Potential der neuen Teile ausschöpfen kann. Die Truppe von Tony Fernandes musste bisweilen feststellen, dass sich die Performance zwischen den Longruns am Freitag und dem Rennen am Sonntag stark veränderte - ohne jedoch zu wissen, warum. "Es ist ein bisschen merkwürdig, dass wir uns über das Wochenende definitiv verbessert haben, es sich im Rennen aber nicht so anfühlte", konstatierte Vitaly Petrov nach dem Ungarn GP, dem letzten Rennen vor der Sommerpause.

Team & Fahrer

Caterham konnte in der Saison 2012 noch keine Punkte einfahren, belegt jedoch Rang zehn in der Konstrukteurs-Wertung vor Marussia und HRT, weil Heikki Kovalainen in Monaco auf Rang 13 nach vorne fuhr und beide Piloten in Valencia auf den Rängen 13 und 14 ins Ziel kamen. "An einem guten Tag kann ich den Punkten nahe kommen", hatte Kovalainen vor der Saison angekündigt. Das hat sich in der ersten Saisonhälfte bewahrheitet, doch vor dem Team liegt noch reichlich Arbeit, wenn man sich den Punkten nicht nur nähern, sondern sie auch einfahren will.

Im Qualifying hatte Petrov bislang meist das Nachsehen. - Foto: Sutton

Um in die Punkteränge vorzustoßen, muss Caterham das Qualifying verbessern. Die Maßgabe vor der Saison, jedes Mal den Sprung in Q2 zu schaffen, hat das Team weit verfehlt. Zwar konnte sich Kovalainen drei Mal in den zweiten Qualifyingabschnitt vorarbeiten und bereitete damit Top-Piloten wie Michael Schumacher und Mark Webber einen frühen Feierabend am Samstag, doch der letzte Vorstoß ins Mittefeld liegt vier Rennen zurück. Petrov gelang gar kein einziges Mal der Sprung in Q2.

In den Rennen kam der Russe fünf Mal vor Kovalainen ins Ziel, der seinen Teamkollegen ebenfalls fünf Mal im Rennen schlug, dabei jedoch von dessen Ausfällen profitierte. Drei Mal ereilte den Russen ein vorzeitiges Aus aufgrund von Defekten - in Großbritannien konnte er aufgrund eines Öldruckverlusts gar nicht erst starten. Beim Blick auf die Ergebnisse hinterlässt Petrov einen stärkeren Eindruck als sein erfahrener Teamkollege. Kovalainen spielte zuletzt öffentlich mit dem Gedanken, das Team nach der Saison zu verlassen und obwohl auch Petrov Caterham vermutlich nicht als seinen Traumarbeitsplatz bezeichnen würde, wirkt er dennoch motivierter, das Team weiterzubringen.

Ausblick auf zweite Saisonhälfte

In die zweite Saisonhälfte startet Caterham mit einem neuen Firmensitz. Die Truppe um Teamchef Tony Fernandes packte nach dem Ungarn GP seine Sachen und zog von Hingham nach Leafield in die ehemaligen Hallen von Arrows und Super Aguri.

Bis zum Saisonende ist es unser Ziel, mindestens einen Punkt zu holen.
Mark Smith

Ein realistisches Ziel für die Dunkelgrünen ist es, den zehnten Platz bis zum Saisonende zu halten, da HRT und Marussia wohl nur in einem ungewöhnlichen Rennen die Chance hätten, die Ergebnisse von Caterham zu toppen. Die ersten Punkte liegen nach dem derzeitigen Leistungsstand noch in weiter Ferne, ein verbessertes Qualifying mit regelmäßigen Auftritten in Q2 wäre jedoch bereits der erste Schritt in die richtige Richtung.

"Wir wollen konstant mit Toro Rosso und zwei, drei anderen Teams kämpfen. Bis zum Saisonende ist es unser Ziel, mindestens einen Punkt zu holen", gab Technikdirektor Mark Smith nach dem Ungarn GP als Ziel aus. Das nächste größere Update ist für den Grand Prix in Singapur am vierten Septemberwochenende geplant. Um mit den Updates aber auch eine deutliche Leistungssteigerung zu erzielen, muss das Team sie besser zu nutzen wissen, als dies in der ersten Saisonhälfte der Fall war. Nur dann können die ehrgeizigen Ziele, die ersten Punkte einzufahren und (dauerhaft) ins Mittelfeld vorzustoßen, erreicht werden.


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