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Formel 1 - Interview - Alex Wurz

Reifenverhalten sorgte für Boxenpanik

Nach dem Monaco Grand Prix sprach Motorsport-Magazin.com mit Alex Wurz, der sich darüber amüsierte, wie die Reifen wieder alle überrascht hatten.
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Motorsport-Magazin.com - Das war wieder ein typisches Monaco-Rennen, oder?
Alex Wurz: Naja, wenn die ersten Sechs innerhalb von sechs Sekunden sind, dann ist es doch nicht so typisch. Aber natürlich war jedem bewusst, dass die Startaufstellung in Monaco extrem wichtig ist. Aber das ist halt Monaco, dem musst du dich fügen.

Aber die ersten Sechs innerhalb weniger Sekunden und trotzdem passiert nichts. Das meinte ich damit, denn trotzdem haben alle das Gefühl, es geht ja doch nichts...
Alex Wurz: Die Spannung war aber mit dem einsetzenden Regen bis zum Schluss da. Wenn wir jetzt anfangen, das zu kritisieren, dann müssen wir alle nach Hollywood übersiedeln und ins Showbusiness wechseln.

Wir machen hier Sport, natürlich ist es eine Show, aber wir machen kein künstliches Showbusiness
Alex Wurz

Der Regen hätte aber trotzdem gerne fünf Minuten früher kommen können...
Alex Wurz: Da muss ich wieder auf die Aussage von vorher zurückkommen. Wir machen hier Sport, natürlich ist es eine Show, aber wir machen kein künstliches Showbusiness. Insofern können wir dankbar sein, wenn die Rennen so spannend sind wie dieses Jahr.

Was war für dich das Highlight des Rennens?
Alex Wurz: Das Highlight des Rennens war für mich eigentlich die Situation, als alle an die Box gekommen sind, die mit den Supersoft gestartet waren und es dann das Phänomen gab, dass Vettel mit einem alten Prime-Reifen schneller war als Leute mit einem neuen Prime-Reifen. Das ist wohl eine der wenigen Ausnahmen, dass dieser Zustand eintrifft und man alle überrascht. Es war cool zu sehen, wie viel Panik in Gesichtern der Boxencrews war. Hätte er noch zwei, drei Runden Energie im Reifen gehabt und noch einmal ein, zwei Sekunden rausgeholt, dann hätte er um den Sieg mitfahren können. Das war für mich als Insider die coolste Geschichte im ganzen Rennen.

Aber auch eine gute Leistung von Sebastian muss man sagen. Von neun auf vier in Monaco...
Alex Wurz: Ja. Der Schlüssel für ihn war, dass er aufgrund der Start-Karambolage von Grosjean und Schumacher auf sieben nach vorne gekommen ist. Wäre das nicht passiert, wäre es genauso nach hinten gegangen wie bei Jenson Button. Aber egal, Glück gehört in Monaco dazu und er hat es dann super nach Hause gefahren.

Michael Schumacher kam unschuldig zum Handkuss - Foto: Sutton

Apropos Schumacher, gestern der strahlende Held, heute wieder vom Pech verfolgt...
Alex Wurz: Er hat die Strafe gehabt, aber er konnte nichts dafür, dass sich die anderen berühren und der Grosjean dann rüber zieht. Das ist ein Rennzwischenfall und in Monaco ist wenig Platz für viele Autos.

Würdest du auch sagen, dass der Fehler nicht unbedingt bei Grosjean lag?
Alex Wurz: Das war eine Verkettung unglücklicher Umstände.

Peter Sauber hat Grosjean aber sehr stark angegriffen, weil Kobayashi auch darunter leiden musste...
Alex Wurz: Ich finde es schwierig, ihn da richtig anzugreifen, weil er auch nur aus Instinkt reagiert hat, da ihm wer drauf gefahren ist. Dadurch hat er rüber gezogen. Wenn der Sauber glaubt, dass du als Fahrer das Rüberziehen auf den Millimeter genau kontrollieren kannst, dann muss ich ihm sagen, dass das nicht so geht.

Was kannst du zu deinen Jungs bei Williams sagen? Hat Pastor nach dem Mist gestern etwas zu viel gewollt?
Alex Wurz: Ich kann es nicht sagen. Natürlich war es unglücklich, ihn hat der Ziehharmonika-Effekt erwischt. Blöd gelaufen.

Wenn du es rein nach Menschenverstand machst, hätte er zwei Runden früher reinkommen müssen oder zumindest eine Runde
Alex Wurz

Und Brunos Rennen?
Alex Wurz: Brunos Rennen war recht gut. Er hat sich den ersten Stint sehr gut mit den Reifen eingeteilt. Wir hatten besprochen, am Anfang nur auf die Reifen zu schauen und da sind die anderen kurz etwas weggefahren. Er kam nachher wieder heran und hat gemerkt, dass man mit etwas Geduld am Schluss wieder dran ist - das war ein gutes Erlebnis für ihn, so hat es Alonso auch gemacht. Ihn dann genau in dieser Runde reinzuholen, war aber suboptimal - nur von außen betrachtet, die Teamdaten kann ich nicht beurteilen. Von außen betrachtet war es für mich als TV-Kommentator zwei Runden zu früh oder eine zu spät. Das kommt dann auf den Reifen an. Alonso hat es geschafft, die Reifen so zu schonen, dass er mit länger draußen bleiben noch einmal richtig attackiert hat. Das war cool zu sehen, weil die anderen mit dem kalten Reifen nicht warm geworden sind. Das ist ein bisschen eine Glückssache. Wenn du es rein nach Menschenverstand machst, hätte er zwei Runden früher reinkommen müssen oder zumindest eine Runde.

Zumindest in dem Moment, in dem dieser Kimi-Train alle aufgehalten hat...
Alex Wurz: Ja, genau. Du hast ja anhand von Rosberg gesehen, dass es funktioniert. Es war ja nicht so, dass es utopisch ist. Da habe ich mir gedacht, macht doch was. Für uns von außen ist das aber einfach zu beurteilen.


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