Formel 1 - Monaco GP: Die sieben Schlüsselfaktoren

Wenn es Nacht wird in Monte Carlo…

… wird sich Michael Schumacher über seine Strafe ärgern, jeder Fahrer geistig den Start durchspielen und alle überlegen, ob ein sechster Sieger ins Haus steht.
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1. S wie Startaufstellung

Es ist vollbracht. Nach knapp sechs Jahren konnte Michael Schumacher erneut eine Bestzeit im Qualifying setzen. Diese ist aber überschattet von seinem Unfall in Barcelona und der damit verbundenen Strafe von fünf Startplätzen. Damit geht es für den Mercedes-Piloten von Startplatz sechs aus in dem Monaco GP.

Monaco ist das prestigeträchtigste Rennen. Hier die Pole zu holen, nachdem was in den letzten zweieinhalb Jahren passiert ist, ist toll. Das bleibt im Kopf
Michael Schumacher

"Monaco ist das prestigeträchtigste Rennen. Hier die Pole zu holen, nachdem was in den letzten zweieinhalb Jahren passiert ist, ist toll. Das bleibt im Kopf", strahlte der Kerpener über seine Bestzeit. Letzten Endes wird aber Mark Webber den freien Blick nach vorne genießen. Der Red-Bull-Pilot konnte seinen RB8 nach vorne bugsieren, während Sebastian Vettel nur der neunte Rang blieb.

Neben Webber hat aber auch Nico Rosberg noch eine Rechnung mit seiner Heimstrecke offen. Denn mit Ausnahme von zwei Ergebnissen in den Top-7 reichte es für den Wahl-Monegassen nie zu Punkten oder gar einem Podestplatz. Jetzt konnte er mit Platz zwei sein bisher bestes Qualifying-Ergebnis feiern und hofft auf eine Steigerung. "In einem Rennen, in dem das Überholen so schwierig sein kann, ist das eine großartige Ausgangsposition", freute sich der Deutsche.

Allerdings will auch Lewis Hamilton seinen zweiten Sieg in den Häuserschluchten von Monaco. Der Brite fährt von Platz drei los, was ein harter Kampf war. "Es war sehr aufregend und sehr hart, es war eines der härtesten Qualifyings seit einiger Zeit für mich", verriet der McLaren-Pilot.

2. S wie Start

Der Start ist bei jedem Rennen wichtig, aber wohl nirgendwo so essentiell wie in Monte Carlo. Was hier verpasst wurde, hängt einem Piloten oftmals das gesamte Rennen nach. Daher kommen viele offene Fragen auf: Wie schlägt sich Rosberg gegen Webber, den Monaco-Sieger von 2010? Kommen Grosjean und Hamilton unbeschadet durch die erste Kurve?

Der Start ist in Monaco immer sehr turbulent - Foto: Sutton

Aber den wahrscheinlich aufregendsten Zweikampf liefern sich auf den ersten Metern Schumacher und sein alter Weggefährte Fernando Alonso. "Es ist schon eine Weile her, deshalb ist es schön, ihn so nah bei mir zu haben", sagte Alonso. "Ich werde mich allerdings darauf konzentrieren, die vier Fahrer vor mir zu überholen, anstatt über den Sechstplatzierten nachzudenken." Sein langjähriger Kontrahent wird das Rennen aller Voraussicht nach ähnlich angehen. Speziell in Sainte Devote könnte es daher eng werden für die 24 Fahrer, die alle nach vorne wollen.

3. S wie Schumacher

Schon vor dem Qualifying prognostizierte Schumacher, er werde von Startposition sechs ins Rennen gehen. Wie gesagt, so getan. Damit ist die erste - die glorreiche - Mercedes-Pole-Position für den 43-Jährigen aber gleich wieder deutlich glanzloser, weil sie in einem Rennen gelang, das noch mit den Altlasten aus Barcelona zu kämpfen hat.

Ich muss zugeben, dass ich eine kleine Träne im Auge hatte
Ross Brawn

Dennoch meldete sich der siebenfache Weltmeister zurück und zeigte, dass er eben noch nicht zum alten Eisen gehört. Insgesamt drei Mal stand der Mercedes-Pilot auf der Pole im Fürstentum und holte schließlich fünf Siege. Der letzte allerdings zurückdatiert auf das Jahr 2001. Nun soll es aus der dritten Reihe am Sonntag klappen. "Ich habe schon vor dem Qualifying gesagt, dass ich von Platz sechs losfahre und das Rennen gewinnen werde."

In jedem Fall würde Schumacher nicht alleine jubeln, denn bereits nach seiner Pole war die Stimmung bei seinem alten Freund Ross Brawn auf dem Höhepunkt angelangt. "Ich muss zugeben, dass ich eine kleine Träne im Auge hatte", verriet Teamchef Brawn. In das gleiche Horn blies auch Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug, der von einem richtigen Signal sprach.

4. S wie Strecke

Monaco ist keine Strecke wie jede andere. Es ist der wohl prestigeträchtigste Grand Prix des Jahres und ein Sieg zählt beinahe so viel wie ein Weltmeistertitel. Denn der 3,340 Kilometer lange Kurs gilt als absolute Fahrerstrecke. Kaum ein Formel-1-Fan wird Kurven wie Sainte Devote, Mirabeau, Rascasse oder den berüchtigten Tunnel am Hafen nicht kennen.

Das berühmte "Hubschrauberfliegen im Wohnzimmer", wie Nelson Piquet seinerzeit sagte, ist bei beinahe jedem Fahrer geschätzt. So auch bei Hamilton, der vor allem ruhig bleiben will. "Ein Sieg in Monaco ist so viel besser als an anderen Orten, das spornt mich zusätzlich an", verriet der Brite.

5. S wie Sechster Sieger

Gibt es im sechsten Rennen den sechsten Sieger? Die besten Karten für einen Erfolg in Monaco hat auf jeden Fall der bislang sieglose Webber, und auch Hamilton und Grosjean könnten sich ihren Premierenerfolg im Jahr 2012 schnappen. Der sechstplatzierte Schumacher will bei der Vergabe des besten Platzes ebenfalls noch ein Wörtchen mitreden. Oder gelingt es gerade Nico Rosberg, der 111 Rennen auf seinen ersten Erfolg warten musste, als erster Fahrer zwei Siege einzufahren?

'Ich freue mich, dass Sie es sind', sagt Fürst Albert von Monaco zu jedem Sieger des Rennens - Foto: Sutton

Am Selbstvertrauen sollte es dem Mercedes-Fahrer nicht mangeln. "Wenn Webber am Sonntag einen normalen Start erwischt, dann bin ich in der ersten Kurve vorne", prophezeite Rosberg. "Wir fahren hier relativ mittig auf der Start-Ziel-Geraden, daher muss es kein Nachteil sein von der linken Seite zu starten. Ich sehe am Start eine wirklich gute Möglichkeit gleich in Führung zu gehen."

Und nicht nur bei den Fahrern, auch bei den Teams könnte sich die Serie der wechselnden Sieger fortsetzen. Auch wenn die Chancen hier ungleich schlechter stehen. Grosjean und Räikkönen nehmen den Monaco Grand Prix von den Startplätzen vier und acht in Angriff. Zumindest Grosjean hat einen Angriff auf die Spitzenplätze noch nicht aus den Augen verloren. "Schauen wir, wie es in der ersten Kurve aussieht, ob ich Erster, Zweiter, Dritter oder doch noch Vierter bin. Das Rennen ist 78 Runden lang, da kann viel passieren", meinte er.

6. S wie Strategie

Strategie als letzte Hoffnung: Nach dem enttäuschenden Verlauf des Qualifyings hofft Sebastian Vettel darauf, dass ihn die richtige Taktik ein paar Plätze nach vorne spült: Immerhin konnte er als einziger Top-Fahrer in Q3 Reifen sparen, da die vorderen Plätze ohnehin außer Reichweite waren. "Ich wäre gerne von vorne gestartet, aber in Q1 und vor allem Q2 haben wir gesehen, dass es bei mir nicht so schnell geht. Deswegen gingen wir in eine andere Richtung und schauen, was morgen damit möglich ist", bilanzierte der Weltmeister. "Normalerweise geht es hier um Streckenposition. Wir legen von P9 los, da sind einige Autos vor uns. Nach den ersten Stopps könnte es aber anders aussehen."

Vettel hofft darauf, dass die Tatsache hilft, dass er auf seinen weichen Reifen viel länger auf der Strecke bleiben kann als seine Kontrahenten, die allesamt auf Supersofts unterwegs sind. Anschließend würde der Konkurrenz auch nicht helfen, dass sie auf den weniger abgefahrenen Reifen viel schneller unterwegs sind. "In Monaco ist es immer schwer, zu überholen. Das kann dir helfen, wie mir im vorigen Jahr", meinte er.

Ob Vettels Taktik aufgeht, bleibt abzuwarten, Pirelli-Motorsportchef Paul Hembery glaubt jedenfalls, dass der Wahl der richtigen Strategie eine Schlüsselrolle zukommt. "Wir rechnen damit, dass die meisten Fahrer am Sonntag auf eine Zwei-Stopp-Strategie setzen", kündigte er an. "Ein paar könnten es auch mit nur einem Stopp versuchen. Teams, die zuversichtlich sind, ein schnelles Auto zu haben, könnten aber auch eine Multi-Stopp-Strategie in Betracht ziehen." Den Unterschied zwischen den verschiedenen Mischungen bezifferte Hembery mit rund einer Sekunde.

7. S wie Sonntagswetter

Regen ist für das Rennen auf dem Circuit de Monaco nicht angesagt - das Wetter in der monegassischen Metropole zeigte sich aber gerade an diesem Wochenende äußerst unbeständig. Am Donnerstag goss es trotz gegenteiliger Voraussage in Strömen, der fürs Qualifying prognostizierte Regen blieb hingegen aus. Sollten die Meteorologen am Sonntag wieder daneben liegen, ist von einem turbulenten Rennverlauf auszugehen. "Regen könnte das Rennen weniger vorhersehbar machen", bestätigte McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh. "Auf diesem berühmten Straßenkurs kann Alles passieren, wie wir es schon so häufig erlebt haben."

Ich hoffe, dass das Wetter gut bleibt, aber wenn es ein wenig regnet, wäre ich dankbar
Lewis Hamilton

Hamilton, sein derzeit bestplatzierter Fahrer, hätte gegen ein bisschen Regen nichts einzuwenden. "Ich hoffe, dass das Wetter gut bleibt, aber wenn es ein wenig regnet, wäre ich dankbar", meinte er. Marussia-Pilot Timo Glock hat sich bereits für trockene und feuchte Bedingungen seine Taktik zu Recht gelegt. "Wenn das Wetter so bleibt, ist es das Ziel, das Auto auf der Strecke halten und durchzufahren", sagte er. "Wenn es regnet, bleibt die Strategie gleich, aber ich hoffe darauf, dass ein bisschen Chaos entsteht und uns weiter nach vorne bringt."


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