Formel 1 - War Pirelli für Indien zu konservativ?

Sicherheit oder Risiko

Pirelli darf sich in Indien Kritik anhören, weil die Reifenwahl konservativ getroffen wurde. Anders als die Fahrer meint man aber, richtig gehandelt zu haben.
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Motorsport-Magazin.com - Wenn die Formel 1 Neuland betritt, dann im Normalfall mit der gegebenen Vorsicht. Niemand will etwas dem Zufall überlassen und überflüssigen Risiken will sich auch niemand aussetzen. Dementsprechend wollte Pirelli bei der Premiere in Indien vorsichtig vorgehen und brachte die weiche und die harte Reifenmischung mit. Nach dem Freitag stellte sich die Frage, ob diese Wahl zu vorsichtig war, denn die Gummis hielten auf dem geschmeidigen Asphalt zu gut, womit das strategische Element relativ klein werden könnte.

Wenn man eine sehr aggressive Auswahl getroffen hätte und dann viel Abbau dagewesen wäre, dann hätten sich alle aufgeregt, daher kann ich die Entscheidung von Pirelli verstehen
Sebastien Buemi

Teilweise könnten Teams es sogar versuchen, nur mit einem Stopp durchzufahren, sollte der Zeitverlust auf der harten Mischung nicht zu groß sein, womit man wieder in Bridgestone-Zeiten angekommen wäre. Auf der anderen Seite sah der Buddh International Circuit rein vom Layout her betrachtet durchaus danach aus, als könnte er den Reifen einiges abverlangen. Die Kurven sind schnell und vor allem die Kombination aus Kurve zehn und elf bringt viel Last auf die Walzen. So gesehen war für Pirelli eben Vorsicht geboten.

Wie man es tut, ist es falsch

Das verstand auch Sebastien Buemi. "Es ist hier das erste Mal, niemand wusste, was passiert. Wenn man eine sehr aggressive Auswahl getroffen hätte und dann viel Abbau dagewesen wäre, dann hätten sich alle aufgeregt, daher kann ich die Entscheidung von Pirelli verstehen", sagte der Schweizer im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com. Trotzdem musste auch er festhalten, dass Toro Rosso selbst mit dem weichen Reifen nur sehr wenig Abbau hatte.

Paul Hembery sah die Simulationen von Pirelli bestätigt - Foto: Sutton

Pirelli-Motorsportdirektor Paul Hembery meinte, dass eigentlich alles so gelaufen war, wie man es sich erwartet hatte und die Simulationen zutreffend waren. "Unsere ersten Eindrücke der Strecke sind sehr positiv und nach unseren Erkenntnissen wird es einige gute Überholmöglichkeiten geben. Das Layout bietet den Reifen aufgrund des Mix aus schnellen Geraden, ständigen Kurvenbelastungen und harten Bremszonen ein interessantes Workout. Es ist schwierig, genau herauszuarbeiten, wie die Reifen abbauen, da die Strecke immer noch sauberer wird, nachdem es zunächst sehr schmutzig war und sich erst dann Rennlinien hervortaten", erklärte Hembery.

In Korea ging es doch auch

Gerade der Staub wirke sich sehr auf die Reifenleistung aus, da es aufgrund des Rutschens und der durchdrehenden Räder Graining geben kann, fügte er noch an. Dennoch war Felipe Massa der Ansicht, dass die Reifenwahl für Indien einfach zu konservativ war. "Ich denke, dass der harte Reifen für hier zu hart ist. Es wäre möglich gewesen, mit den gleichen Reifen zu fahren wie beim vorigen Rennen, da der Asphalt sehr geschmeidig ist. Der Abbau ist viel geringer als erwartet. Wir haben in Korea gesehen, dass jeder wegen der Auswahl von soft und supersoft Angst hatte. Es war aber OK und die richtige Wahl. Wenn ich den Asphalt hier ansehe, ist er nicht so anders. Es gab keinen Grund, so einen harten Reifen mitzubringen."

Es war auch nicht einfach, die weiche Mischung auf Betriebstemperatur zu bekommen, aber das ist kein Vergleich mit der harten
Kamui Kobayashi

Ferrari dürfte es vor allem belasten, dass man beim Warm-Up der Reifen nicht so gut ist wie die Konkurrenz an der Spitze. Die harten Reifen dürfte die Scuderia nur schwer zum Laufen bekommen, während man den Vorteil der schonenden Reifenbehandlung in Indien nicht ausspielen wird können. Auch Sauber ist ein reifenschonendes Team und dort erlebte man große Probleme mit dem Warm-Up - und das nicht nur mit der harten Mischung. "Es war auch nicht einfach, die weiche Mischung auf Betriebstemperatur zu bekommen, aber das ist kein Vergleich mit der harten", betonte Kamui Kobayashi.


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