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Formel 1 - Interview - Hermann Tilke

An erster Stelle steht die Sicherheit

Hermann Tilke freut sich im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com, dass das Strecken-Layout in Indien ankommt. Sicherheit war die oberste Prämisse.
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Motorsport-Magazin.com - Hier gab es wie üblich bei neuen Rennen vorher Zweifel: Wird alles fertig, klappt alles? Jetzt hat es geklappt, gab es bei dir auch Zweifel?
Hermann Tilke: Es ist ja so, dass es vorher immer Zweifel gibt. Wenn man so zwei Monate und einen Monat vor dem Event hier gewesen ist, dann hat man auch wirklich geglaubt, es wird nicht fertig. Aber wer wusste es wirklich? Wir waren sehr zuversichtlich, dass es die Inder und vor allem die indischen Baufirmen hinkriegen. Und jetzt sind wir alle da und freuen uns auf einen schönen Event hier. Die Strecke selbst ist sogar schon perfekt fertig, das muss man sagen. Sie ist ohne Abstriche sehr, sehr gut - von den Details her, von den Sicherheitsmaßnahmen her, ist die Strecke hervorragend.

Letztendlich haben wir hier vier Millionen Kubikmeter Erde verschoben und haben dadurch ein sehr interessantes Layout mit der dritten Dimension geschaffen
Hermann Tilke

Die Strecke bekommt auch für das Layout Komplimente von den Fahrern. Sie glauben, dass es eine der interessantesten überhaupt werden könnte. Freut das den Architekten?
Hermann Tilke: Ja, das freut uns natürlich riesig, wenn die Fahrer ein gutes Feedback geben. Es war so, als wir hier vor knapp vier Jahren hier angefangen haben, haben wir gesagt, es ist ein flaches Land, aber wir wollen Höhenwechsel drin haben. Wir wollten zumindest ein paar Hügel aufschütten. Letztendlich haben wir hier vier Millionen Kubikmeter Erde verschoben und haben dadurch ein sehr interessantes Layout mit der dritten Dimension geschaffen. Das ist macht es wiederum interessanter, als wenn alles flach wäre.

Die Sicherheit stimmt auch, das ist ja aktuell nach den Unfällen bei den IndyCars und in Sepang wieder ein sehr wichtiges Thema. Überall wird wieder von mehr Sicherheit im Motorsport gesprochen und ist das jetzt auch eine Bestätigung für deine Theorie mit den großen Auslaufzonen und allem Drum und Dran?
Hermann Tilke: Sicherheit ist das Erste, was stimmen muss. Keiner will dramatische Unfälle haben. Es will schon jeder sehen, dass Fahrer auch einmal Fehler machen und raus rutschen oder in der Kurve querstehen, aber kein Mensch will, dass etwas Schlimmes passiert. Das ist ein FIA-Standard, der sich seit Jahren immer weiter entwickelt hat und die FIA macht auch sehr viel Recherche und einen sehr guten Job in punkto Sicherheit - nicht nur was die Autos, sondern auch was die Strecken angeht. Ich glaube, das hier ist wiederum der neueste Sicherheitsstandard, den wir haben. Natürlich bleibt Motorsport immer gefährlich. Alles, was mit Geschwindigkeit zu tun hat, ist letztendlich gefährlich. Wir hoffen, dass nichts passiert, aber die Strecke kann noch so sicher sein, es kann trotzdem etwas passieren, siehe jetzt in Malaysia. Da hatte die Strecke gar nichts damit zu tun. Es macht einen immer sehr traurig, wenn was passiert, aber es lässt sich im Motorsport nicht vollständig vermeiden.

Hermann Tilke ist die Sicherheit an seinen Strecken sehr wichtig - Foto: Sutton

Berührt es einen besonders, wenn es auf der eigenen Strecke passiert? Selbst wenn die Strecke nichts dafür konnte...
Hermann Tilke: Es berührt eigentlich immer, egal wo es passiert. Das ist etwas ganz Furchtbares, das ist etwas ganz Schreckliches. Ich hatte mir den Motorrad Grand Prix im Fernsehen angesehen und als es passierte, hat mich das schon für den Rest des Tages sehr traurig gemacht.

War es das erste Mal auf einer von deinen Strecken?
Hermann Tilke: Während eines so großen Events, ja. Sonst ist schon einmal etwas passiert, aber wie gesagt, es ist Motorsport und im Motorsport bleibt das Restrisiko, egal wie man sich bemüht, wie sicher man die Autos macht und wie sicher man die Strecken macht. Leider.

Die Ovale bei den IndyCars sind ein anderes Thema...
Hermann Tilke: Das ist ein ganz anderes Thema, ja.

Es wird halt dauerhaft mit einer wahnsinnig hohen Geschwindigkeit gefahren und es sind für diese relativ kurzen Strecken ganz viele Autos unterwegs. Wenn dann etwas passiert, gibt es eine Kettenreaktion und das kann besonders schlimm ausgehen
Tilke über IndyCar

Denn dort stimmt kein Standard?
Hermann Tilke: Sie haben einen eigenen Standard, das ist schon auch ein Standard, den sie haben. Es wird halt dauerhaft mit einer wahnsinnig hohen Geschwindigkeit gefahren und es sind für diese relativ kurzen Strecken ganz viele Autos unterwegs. Wenn dann etwas passiert, gibt es eine Kettenreaktion und das kann besonders schlimm ausgehen.

Noch einmal zu dir zurück: Woran es noch Kritik gibt, sind hier ein paar Einrichtungen, die noch nicht ganz fertig sind und das Umfeld. Wird sich da in den nächsten Jahren noch etwas tun?
Hermann Tilke: Ich denke, ja. Ich glaube schon. Es wurde mir auch von Jaypee, dem Bauherrn und Investor, bestätigt, dass sie jetzt direkt nach dem Grand Prix weitermachen und die ganzen Kleinigkeiten, die noch nicht so in Ordnung sind, für das nächste Jahr ausmerzen. Im nächsten Jahr soll es dann auch unter diesem Gesichtspunkt perfekt sein.

Also nicht wie in Korea, absperren und beim nächsten Rennen wieder aufsperren?
Hermann Tilke: Ich denke, es wird hier schon viel getan, damit es im nächsten Jahr dann wirklich perfekt ist.

Hermann Tilke ist überzeugt, Indien wird weiter Gas geben - Foto: Sutton

Du warst ja nun länger und öfter hier, wie gefällt dir Indien generell?
Hermann Tilke: Indien ist ein wahnsinnig interessantes Land, es ist ein sehr großes Land. Hier findet man sehr viele verschiedene Menschen. Es ist nicht so, dass es den Inder gibt, sondern es gibt hier verschiedene Mentalitäten in diesem Land. Uns hat es sehr gut gefallen, hier zu sein.

Wie wichtig ist Motorsport in Indien und was hat Motorsport in Indien für eine Zukunft?
Hermann Tilke: Es hat sich in den letzten Jahren schon sehr stark entwickelt hier mit dem Motorsport. Es gibt in Indien eine immer größer werdende Mittelschicht und die meisten davon haben selbst ein Auto und viele davon sind Motorsport infiziert. Das wird sich sicher noch positiv verändern, weil es eine immer größer werdende Mittelschicht gibt.

Tut sich auch im Jugendbereich was? Hast du irgendwas aus der Kartszene gehört?
Hermann Tilke: Ja, sie sind dabei. Der ASN hier ist dabei, das zu entwickeln, dass man schon in jungen Jahren im Kartsport fahren kann.

Das wird jetzt noch einmal einen richtigen Schub nach vorne geben
Hermann Tilke

Wie wichtig ist es dabei, jetzt schon den Grand Prix als Push zu haben? Denn viele sagen, hätten sie halt noch zwei, drei Jahre gewartet, dann hätten sie vielleicht alles besser aussortiert gehabt...
Hermann Tilke: Nein, ich glaube, der Push ist absolut da, wenn jetzt der Grand Prix hier ist. Das wird jetzt noch einmal einen richtigen Schub nach vorne geben.


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