Formel 1 - Norbert Vettel über den harten Weg nach oben

Dinge, die einem keiner nehmen kann

Sebastian Vettels Vater Norbert hat seinen Sohn die ganze Rennsport-Karriere über begleitet und dabei viele Dinge miterlebt, die nicht immer einfach waren.
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Motorsport-Magazin.com - "Vater, das nimmt uns keiner mehr", sagte Sebastian Vettel angeblich erstmals zu seinem Vater Norbert, als er 2001 den EM-Titel im Kart gewann und bei der Siegerehrung in Monte Carlo rund 1000 Mark erhielt. So erinnert sich zumindest Nobert Vettel heute daran und er hat viele Erinnerungen daran, wie er zusammen mit seinem Sohn an der Motorsport-Karriere gebastelt hat, die am Sonntag in einer Woche mit einem zweiten WM-Titel in der Formel 1 ihren nächsten Höhepunkt erreichen könnte.

Oft sagte Seb, dass er gegen die viel größeren Gegner keine Chance habe. Da sagte ich: dann bremse eben später...
Norbert Vettel

Norbert Vettel war bei allen Stationen dabei, schließlich war er auch Auslöser des Motorsport-Virus, als er Sebastian im Alter von drei Jahren sein erstes Bambini-Kart schenkte. "Meist waren 120 im Training, aber nur 34 kamen weiter. Oft sagte Seb, dass er gegen die viel größeren Gegner keine Chance habe. Da sagte ich: dann bremse eben später...", erzählte Vettel Sr. dem Sonntagsblick. Richtig los ging alles laut seiner Erzählung aber erst 1994, als Michael Schumacher seinen ersten WM-Titel holte. Damals legte man mit einem Budget von 7000 Mark los. "Heute wäre alles so nicht mehr möglich", sagte Vettel.

Ein Ziel nach dem anderen

Zu große Ziele steckten sich die Vettels damals noch nicht, sondern wollte einen Schritt nach dem anderen machen. "Es wäre ein Fehler gewesen, wenn wir mit dem achtjährigen Seb schon von der Formel 1 geträumt hätten. Man muss ein Ziel nach dem anderen haben. Dieses erreichen - und das nächste planen. Sonst ist alles aus. Zudem musste die ganze Familie mitmachen. Wir haben zehn Jahre lang für Sebs Karriere gelebt, auf den Urlaub verzichtet", berichtete Norbert Vettel. Sebastian leistete derweil seinen Teil. Er ging trotz der Motorsport-Tätigkeit weiter zur Schule und machte sein Abitur, weswegen er manchmal auch erst spät an die Rennstrecke kam.

Seb ist unheimlich. Er lernt so schnell, wie ein Computer, der sich selbst programmiert
Norbert Vettel

Doch sein Vater weiß auch, warum der Junior beides geschafft hat. "Seb ist unheimlich. Er lernt so schnell, wie ein Computer, der sich selbst programmiert. So machte er die theoretischen Prüfungen für Lastwagen, Privatautos und Motorräder an einem Tag", sagte er. Norbert Vettel selbst machte derweil zunächst viel in Eigenregie und bastelte selbst an Sebastians Karts. Mit der Zeit mussten aber Sponsoren her, dabei erlebten die Vettels auch Enttäuschungen, etwa als Sebastian als 13-Jähriger bei der Motorshow in Essen keine Interessenten fand.

Schlafen im Kofferraum

Norbert Vettel erinnerte sich, dass er damals die Nase voll hatte, ans aufgeben wollten er und sein Sohn aber nicht denken. "Jahrelang waren wir mit dem Wohnmobil oder dem Auto durch Europa gefahren. Dabei schlief Seb einige Male im Kofferraum." 2003 schaffte es die Familie dann 150.000 Euro teils zu leihen und teils geschenkt zu bekommen, was Sebastian in die Formel BMW brachte, wo er im ersten Jahr Vizemeister war und 2004 dann mit 17 Siegen in 20 Rennen zum Meistertitel fuhr. Das ebnete ihm den Weg in das Red-Bull-Nachwuchsprogramm, das ihn an die Formel 1 heranführte. Und nun steht er vor dem Gewinn des zweiten Titels. Dann kann er wieder sagen: "Vater, das nimmt uns keiner mehr."


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