Formel 1 - Kanada GP: Die 7 Schlüsselfaktoren

Wenn es Nacht wird in Montreal...

Sebastian Vettel steht zum sechsten Mal in dieser Saison auf der Pole Position. Mit Ferrari hat er einen neuen Gegner im Kampf um den sechsten Saisonsieg.
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1. - S wie Startaufstellung

Die Startposition war in den vergangenen Jahren eines der wichtigsten Kriterien für den Rennsieg. Im letzten Jahr fuhr Sieger Lewis Hamilton in Montreal von der Pole Position los, genauso wie in den beiden Jahren zuvor. Insgesamt siegte zwischen 2001 und 2010 drei Mal der Pole-Mann. Michael Schumacher erzielte in Montreal in seiner Karriere sieben Siege und sechs Poles.

In diesem Jahr gingen alle Poles an Red Bull, so auch in Kanada. Zum sechsten Mal startet Sebastian Vettel mit der besten Ausgangslage aller Fahrer. "Die Pole Position darf man nie als Routine sehen", mahnte Vettel. "Wenn man es so sieht, dann geht es sofort in die andere Richtung." Dass in diesem Jahr dank DRS, KERS und Pirelli auch überholt und von weiter hinten gewonnen werden kann, spielt dabei keine Rolle. Denn in Kanada waren Überholmanöver auch in der Vergangenheit möglich. Kimi Räikkönen gewann 2005 von Startplatz sieben.

Die Pole Position darf man nie als Routine sehen.
Sebastian Vettel

Im siebten Saisonrennen 2011 startet Jenson Button von Rang sieben. McLaren enttäuschte im Qualifying, sogar Nico Rosberg stellte seinen Silberpfeil vor den Weltmeister von 2009. Lewis Hamilton kam nicht über Startplatz fünf hinaus. Die ersten Verfolger von Vettel sind die Ferrari, die mit den superweichen und den weichen Reifen erwartungsgemäß besser aufgestellt sind. Fernando Alonso startet erstmals seit Singapur im letzten Jahr aus der ersten Reihe, gleich dahinter steht Felipe Massa auf Platz drei.

Der Brasilianer ist ein ganz besonderer Liebhaber weicher Reifen und erhofft sich nach einem schwierigen Saisonstart endlich ein gutes Ergebnis: "Ein Podiumsplatz ein tolles Ergebnis. Wenn wir um den Sieg kämpfen könnten, wäre es natürlich umso besser."

2. - S wie Start

Trotz guter Überholmöglichkeiten und ungewisser Wetterlage kommt dem Start abermals eine entscheidende Bedeutung zu. Fernando Alonso kündigt volle Attacke an: "Wir werden versuchen, Red Bull vom Start weg unter Druck zu setzen." In Barcelona ist ihm das gelungen - er schoss von Startposition drei aus in Führung.

Fernando Alonso hofft auf den ersten Saisonsieg - Foto: Sutton

Sebastian Vettel muss hingegen hoffen, dass sein KERS am Start funktioniert. Die Vorzeichen stehen zumindest bei seinem Teamkollegen Mark Webber schlecht - der Australier musste das gesamte dritte Training wegen eines KERS-Problems aussetzen und fuhr im Qualifying ohne das System. Übrigens: Auch bei Pastor Maldonado funktionierte das Williams-KERS mal wieder nicht. Seinen Teamkollegen Rubens Barrichello schlug er trotzdem.

3. - S wie Strecke

Die Strecke in Montreal ist der erste Medium- bis Low-Downforce-Kurs in diesem Jahr und zeitgleich die härteste Herausforderung für die Bremsen in der gesamten Saison. Deshalb bringen die Teams neben vergrößerten Bremskühlungen zum ersten Mal neue Front- und Heckflügel mit, die dieser Charakteristik entgegenkommen sollen. Bei McLaren scheint das nach hinten losgegangen zu sein. "Unser Updatepaket funktioniert leider nicht so gut", klagte Lewis Hamilton. Teamchef Martin Whitmarsh ließ durchblicken: Der McLaren-Heckflügel hat zu viel Downforce, somit ist der Chrompfeil auf den Geraden zu langsam.

Das könnte sich in einem Regenrennen positiv auswirken, im Trockenen fahren Lewis Hamilton und Jenson Button jedoch hinterher - so wie im Qualifying. Zudem laufen sie Gefahr, in den beiden DRS-Zonen gnadenlos aufgeschnupft zu werden. In Montreal erlaubt die FIA zum ersten Mal an zwei Stellen den Einsatz von DRS, dabei gilt der gleiche Bestimmungspunkt für beide Zonen. Sollte ein Fahrer in Zone 1 überholen, darf er auch in Zone 2 den Flügel flach stellen. Ein Konter des Überholten ist somit in Zone 2 ausgeschlossen.

Mercedes und Ferrari haben ein sehr gutes DRS, das macht einen sehr großen Unterschied aus.
Jenson Button

"Mercedes und Ferrari haben ein sehr gutes DRS, das macht einen sehr großen Unterschied aus", glaubt Jenson Button. Lewis Hamilton betitelte den Vorteil der Silberpfeile sogar auf fünf bis zehn km/h.

4. - S wie Setup

Schon vor dem Qualifying spekulierte Sebastien Buemi darauf, dass einige Teams angesichts der angeblichen Regenwahrscheinlichkeit von 60% und mehr auf ein Regenrennen spekulieren könnten. Die Folge wäre, den Flügel steiler zu stellen, sodass man zwar im Qualifying einige Positionen verlieren, dafür aber im Rennen besser dastehen würde.

Wie viel das ausmachen kann, erlebte Nick Heidfeld am eigenen Heckflügel seines Renault - er fuhr mehr Flügel als sein Teamkollege Vitaly Petrov: "Das hat mich 10 km/h gekostet." Auch bei McLaren baut man darauf, dass der eigentlich falsche Heckflügel sich in einem Regenrennen als Vorteil erweisen könnte.

Hamilton hofft aber noch auf einen zweiten Setuptrick: "Ich hoffe, dass ich überholen kann", meint er. "Ich habe einen langübersetzten siebten Gang - eigentlich ist er sogar zu lang -, so kann ich aber hoffentlich gut in den Windschatten fahren. In der Vergangenheit war ich sonst schnell im Limiter."

Eine wichtige Rolle wird der Wind spielen. "Der Wind soll sich morgen drehen, das heißt wir haben starken Gegenwind", verriet Vettel. Auch das kann je nach Getriebeübersetzung gut oder schlecht für den Topspeed sein. Im Qualifying fanden sich Button und Hamilton bei der Höchstgeschwindigkeit auf den Plätzen 15 und 19 wieder.

5. - S wie Strategie

Technik: Formel-1-Bremsen erklärt: (2:00 Min.)

Lewis Hamilton verriet am Freitag, dass ihm jemand geflüstert habe, es seien bis zu fünf Reifenwechsel im Rennen denkbar. "Eine Drei- und eine Fünfstoppstrategie hatten ähnliche Ergebnisse in der Simulation", meinte Hamilton. Nick Heidfeld sah das am Samstag anders und erachtete ein bis drei Boxenstopps für möglich.

Ross Brawn bestätigte das teilweise: "Ich rechnet mit zwei oder drei Stopps, das hängt davon ab, wie gut der erste Reifensatz hält." Einen Stopp hält Brawn für unwahrscheinlich. Im vergangenen Jahr stoppte der Sieger Lewis Hamilton in den Runden sieben und 27. Wie alle Topteams hat auch Mercedes einen frischen Reifensatz für das Rennen gespart. Den Vorteil von neuen Reifen hält er in Montreal aber für kleiner als bei den letzten Rennen.

Neben den Reifen spielt das Safety Car eine entscheidende Rolle in den Strategieüberlegungen der Teams. Die vielen Mauerkontakte und Unfälle in den Freien Trainings haben mal wieder gezeigt, dass es mit dem Teufel zugehen müsste, sollte es in Montreal am Sonntag keine Safety-Car-Phase geben. Zwischen 2001 und 2010 gab es zehn SC-Phasen in Kanada, das entspricht mindestens einer pro Rennen und einer Wahrscheinlichkeit von 67%.

6. - S wie Sonntagswetter

Es wird wohl regnen. Warten wir es ab, wann und wie viel.
Sebastian Vettel

Über 60% soll die Regenwahrscheinlichkeit für den Großen Preis von Kanada betragen. Andere Quellen sprechen hingegen von einer geringen Regenwahrscheinlichkeit. Sebastian Vettel bleibt philosophisch: "Es wird wohl regnen. Warten wir es ab, wann und wie viel." Mercedes GP würde sich über Regen freuen. "Regen ist immer eine gute Möglichkeit", sagte Nico Rosberg. Für sein Team gilt das besonders, denn bei kühlen Temperaturen läuft der Silberpfeil schneller.

"Es wird ein hartes Rennen, wenn es regnet", weiß Vettel. "Montreal ist eine schwierige Strecke im Nassen. Die Mauern sind sehr nah, die Kerbs sind sehr rutschig und zusätzlich bekommt man die Reifen nur schwer zum Arbeiten."

7. - S wie Spannung

"Ich glaube, es wird sehr spannend", blickt Sebastian Vettel auf den Renntag. "Im Moment ist noch unklar, was passieren kann - mit dem Regen, dem Wind." Und auch mit der Konkurrenz. "Wenn man nicht wegziehen kann, dann kann man leicht unter Druck geraten", weiß der Pole-Mann. "Zwar hatte ich zuletzt immer jemand im Nacken, aber mir wäre es lieber, wenn ich allein vorne fahren würde."

McLaren hofft auf ein Regenrennen - Foto: Sutton

Danach sieht es nach den bisherigen Ergebnissen an diesem Wochenende eher nicht aus. McLaren ist zwar nicht so nah dran, wie es das Team gerne wäre, aber Ferrari konnte Red Bull in den Trainings und dem Qualifying herausfordern. Das sollte im Rennen ähnlich sein, wenn der Ferrari ohnehin immer etwas besser funktioniert, während die Rennpace des Red Bull im Vergleich zur Qualifying-Pace eher abnimmt.

Auf ein ähnliches Phänomen baut auch McLaren. "Unsere Rennpace ist normalerweise besser als im Qualifying, hoffentlich bleibt das so", sagt Jenson Button. Im Trockenen sollte das unter normalen Umständen aber nicht zu einem McLaren-Sieg reichen. Andererseits ist der Kanada GP für verrückte Rennen und viele Safety-Car-Phasen bekannt. Ganz zu schweigen von der Regengefahr.

"Ich erwarte auf jeden Fall 70 Runden Spannung", sagt Niki Lauda. Sollte es regnen, erwartet der Ex-Weltmeister noch mehr Spannung: "Chaos wird es ohne Ende, das ist überhaupt keine Diskussion. Aber wie das ausgeht, weiß ich jetzt noch nicht."


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