Formel 1 - Mosley: Keine Chance auf Bahrain-Austragung

Alle Teams müssen Kalender absegnen

Max Mosley erwartet nicht, dass 2011 in Bahrain gefahren wird. Nicht nur wegen der Lage im Land, sondern wegen der Formalien zur Kalender-Änderung.
von

Motorsport-Magazin.com - Während Jean Todt und Bernie Ecclestone selbst noch offen lassen, ob der Bahrain Grand Prix nun wirklich am 30. Oktober stattfinden kann und wird - vor allem Ecclestone hat mittlerweile große Zweifel -, sieht der ehemalige FIA-Präsident Max Mosley keine Chance, dass das Rennen gefahren werden kann. Die Kritik an der Neu-Ansetzung des Grand Prix war und ist groß, doch Mosley denkt nicht nur wegen der wohl nach wie vor angespannten Situation in Bahrain, dass das Rennen nicht stattfinden kann. Er betonte auch, dass die FIA den Rennkalender nicht eigenmächtig ändern könne, ohne einstimmige Zustimmung der Teams zu haben.

Nicht die kleinste Chance

Das hat die FIA nach einer Abstimmung im World Motor Sport Council aber getan, indem der Indien Grand Prix zugunsten von Bahrain vom 30. Oktober in den Dezember verlegt wurde. "Ich denke, es gibt nicht die kleinste Chance, dass der Grand Prix stattfinden wird", sagte Mosley gegenüber BBC Radio 4. "Abgesehen von allem Anderen kann man den Kalender nicht so ändern, wie er sich ändern soll, ohne dass die Teams einstimmig zustimmen."

Bis es kein schriftliches Einverständnis der Teams gibt, kann man das Datum nicht ändern - das kann nicht gemacht werden
Max Mosley

Und das trifft nach seiner Ansicht durch die Verschiebung des Indien Grand Prix voll zu. "Das ist Teil der Regeln - das ist Artikel 66 des internationalen Sportkodex. Bis es kein schriftliches Einverständnis der Teams gibt, kann man das Datum nicht ändern - das kann nicht gemacht werden." Artikel 66 des Sportkodex besagt: "Keine Änderungen an den Zusatz-Regularien sollen erfolgen, nachdem die Einschreibefrist für Teilnahmeanträge begonnen hat, außer es gibt eine einstimmige Zustimmung aller bereits teilnehmenden Mitstreiter oder eine Entscheidung der Stewards aus Gründen höherer Gewalt oder der Sicherheit."

Jean Todt glaubt weiter an Frieden - Foto: Lotus Renault

Der aktuelle FIA-Präsident Jean Todt, der mittlerweile selbst eingeräumt hat, die Situation in Bahrain weiter genau zu beobachten und zu berücksichtigen, sollte es wieder Schwierigkeiten geben, steht derweil hinter den Gründen für die Entscheidung pro Bahrain. Er betonte dazu noch, dass Stefano Domenicali als FOTA-Vizevorstand ebenfalls für die Neu-Ansetzung gestimmt hatte. "Mir ist es wichtig, sehr genau zu sein. Wir haben diese Entscheidung nicht leichtherzig getroffen. Wir haben die Lage im Land verfolgt, die letztendliche Entscheidung zwei Mal verschoben und in Barcelona mussten wir eine Entscheidung treffen", sagte er laut Diario Sport.

Gracias Bericht

Er musste noch einmal erwähnen, dass der spanische Verbandspräsident und FIA-Vizepräsident Carlos Gracia sich in Bahrain genau umgesehen habe. Er habe Regierungs-Mitglieder, Vertreter von Menschenrechts-Organisationen, Banker, Geschäftsleute und Strecken-Marshalls getroffen und in seinem Bericht sei alles zu 100 Prozent positiv gewesen. "Die FIA hat die letztendliche Entscheidung einstimmig getroffen und sogar der Teamvertreter bei dem Treffen sagte, sie wären dafür, dieses Jahr in Bahrain zu fahren."

Das Problem war, sie haben zwar jemand nach Bahrain geschickt, aber der Gentleman, den sie geschickt haben, war ein sehr, sehr netter Mann mit Namen Gracia, der kein Englisch und, soweit ich weiß, auch kein arabisch spricht
Max Mosley

Gerade an Gracias Bericht gibt es Zweifel. Nicht daran, dass er ihn mit besten Wissen und Gewissen zusammengestellt hat, sondern daran, dass er auch die wahre Seite von Bahrain zu sehen bekam. Alex Wilks von der Organisation Avaaz hatte erklärt, dass es nach wie vor Gewalt in Bahrain gibt und Mosley war sich auch nicht sicher, was er von Gracias Bericht halten soll. "Das Problem war, sie haben zwar jemand nach Bahrain geschickt, aber der Gentleman, den sie geschickt haben, war ein sehr, sehr netter Mann mit Namen Gracia, der kein Englisch und, soweit ich weiß, auch kein arabisch spricht. Er wurde dann von Regierungs-Vertretern herumgeführt und wusste nicht, was wirklich passierte. Abgesehen davon bat er nicht darum, die Leute zu sehen, die ein Menschenrechts-Anwalt gerne sehen würde."

Zu Todts Feststellung, dass Gracia mit Oppositions-Gruppen gesprochen haben soll, musste Mosley festhalten: "Anscheinend sind die sehr regierungsnahe und ich denke, er hätte nicht mit ihnen sprechen dürfen, wenn sie das nicht wären."


Weitere Inhalte:

Motorsport-Magazin.com fragt
Facebook
Wir suchen Mitarbeiter
x