Formel 1 - Villeneuve kritisiert die Regeländerungen

Alles zu künstlich

Jacques Villeneuve hält nicht viel von den neuen Regeln in der Formel-1-Saison 2011 - von Weltmeister Sebastian Vettel erwartet er sich mehr Reife.
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Motorsport-Magazin.com - Jacques Villeneuve nimmt bekanntlich kein Blatt vor den Mund. Nun äußerte sich der Formel-1-Weltmeister von 1997 über die neuen Regeln, den aktuellen Stand der Formel 1 sowie einige seiner Fahrerkollegen. Dabei standen besonders zwei deutsche Piloten im Fokus. Von Weltmeister Sebastian Vettel erwartet sich Villeneuve, dass er erwachsener wird. Seinem Dauerrivalen Michael Schumacher traut er aber weiterhin viel zu.

"Sollte er noch immer so hungrig auf Siege sein wie früher, dann hat er noch das Zeug zum Champion", meinte der Kanadier über seinen einstigen Kontrahenten, fügte aber auch hinzu: "Was das Auto angeht, bin ich mir aber nicht so sicher." Rückblickend auf das vergangene Jahr bescheinigte Villeneuve dem Deutschen eine Leistungssteigerung. "Die erste Saisonhälfte war schon hart, in der zweiten Hälfte war er dann aber richtig stark. Er wurde schwer kritisiert, weil er Nico nicht einfach weggeblasen hat", meinte der 39-Jährige im Interview mit T-Online.

Vettels psychologische Reife war immer fraglich.
Jacques Villeneuve

"Wenn man aber zurückblickt auf Schumachers Zeit bei Ferrari, war er auch dort nie mehr als 0,1 - 0,3 Sekunden schneller als seine Teamkollegen. Die meiste Zeit war Rubens sogar innerhalb einer Zehntelsekunde. Wieso sollte er dann also eine Sekunde schneller sein als Nico?", meinte Villeneuve. Was Schumachers Landsmann Sebastian Vettel betraf, war sich der Kanadier auch noch nicht ganz sicher wie die Leistung 2011 aussehen wird. "Er wird immer noch schnell sein, daran gibt es keinen Zweifel. Fraglich war aber immer seine psychologische Reife", sagte der Ex-Weltmeister. "Von außen betrachtet, ist es aber unmöglich zu sagen, wie sich diese entwickelt hat. Das werden die ersten Rennen zeigen", erklärte Villeneuve.

Eine andere Entwicklung gefiel dem Kanadier hingegen gar nicht, denn von den neuen Regeln hält Villeneuve nichts. "2010 war eine der besten Formel 1-Saisons aller Zeiten. Es gab jede Menge Überholmanöver, weshalb ich diese Regeländerungen nicht verstehen kann. Der Heckflügel soll das Überholen erleichtern, aber das ist alles zu künstlich. Wenn etwas so leicht gemacht wird, wer soll das dann noch respektieren?", fragte Villeneuve, der mit seiner Meinung im Fahrerlager nicht alleine steht. Erst kürzlich kritisierte auch Niki Lauda die neue Technik scharf.

Für seinen einstigen Dauerrivalen Michael Schumacher sieht Villeneuve 2011 Chancen auf Verbesserung - Foto: Sutton

"Es ist potenziell gefährlich und könnte obendrein zu Schummeleien führen", meinte Villeneuve. "Das KERS habe ich zudem auch noch nie gemocht. In erster Linie hilft es Fahrern, aus kniffligen Situationen herauszukommen. Genau das war 2009 der Fall. Da gab es Fahrer, die in Kurven Fehler machten und so einen einfachen Ausweg fanden", meinte der Indy500-Gewinner enttäuscht.

"Die Formel 1 scheint mittlerweile zu schwierig geworden zu sein. Und alle Hilfsmittelchen werden immer den mittelmäßigen Fahrern in die Karten spielen", kritisierte der Ex-BMW-Sauber-Pilot. Den Neuerungen kann er daher wenig abgewinnen. "Um ehrlich zu sein, hat mich die Saison 2010 an die Zeit erinnert, als ich in der Formel 1 anfing. Das war super, ohne all die Elektronik und kleinen Helferlein. Wenn ich aber ans kommende Jahr denke, mit KERS und dem verstellbaren Heckflügel, dann habe ich doch so meine Zweifel", bilanzierte Villeneuve.

Die Hilfsmittelchen werden immer den mittelmäßigen Fahrern in die Karten spielen.
Jacques Villeneuve

Seine eigenen Rückkehr-Pläne in die Königsklasse sind im Zuge dieser Veränderungen folglich auch in den Schatten gerückt. Höchstens das Angebot eines guten Teams könne ihn nach eigener Aussage nochmals zurück in die Formel 1 locken. Der Formel-1-Einstieg mit einem eigenen Team scheiterte ja 2010 am Veto der FIA. "Wir haben jede Menge Zeit, Anstrengung und Geld in diese Pläne gesteckt, bis zur von der FIA gesetzten Deadline. Da haben wir dann gemerkt, dass es nicht funktionieren wird", meinte der 39-Jährige.

"Also habe ich mich wieder meinem eigentlichen Ziel zugewandt, der NASCAR", erklärte der Ex-IndyCar-Meister über seine Zukunftspläne. "Unglücklicherweise war das Jahr schon sehr weit fortgeschritten. So wurde die Vorbereitung eines kompletten Programms für 2011 deutlich schwieriger", meinte Villeneuve, der sich nun bin einigen ausgewählten Rennen für Braun Racing in einem Toyota in der NASCAR Nationwide Series versucht.


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