Formel 1 - Spa: 11 Antworten zum Rennen

Kollisionen und Wetterchaos

Spa steckte voller Spannung - Autos kollidierten, Fahrer flogen ab und Strafen wurden verteilt. Motorsport-Magazin.com beantwortet die wichtigsten Fragen.
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1. Warum rodelte Hamilton ins Kiesbett?

Für einige Sekunden herrschte Alarmstufe Rot am McLaren-Kommandostand. Lewis Hamilton schoss auf regennasser Fahrbahn geradeaus ins Kiesbett und streichelte am Reifenstapel entlang. "Lewis war heute wohl der glücklichste Mann in Belgien", kommentierte Red-Bull-Teamchef Christian Horner den Abflug des Rennsiegers.

Auch Hamilton war urplötzlich hellwach: "Der Puls muss da bei 220 gewesen sein", sagte er. "Da war ich absolut an der Grenze und beim Puls schaltete sich der Drehzahlbegrenzer ein. Ich habe sogar ganz leicht die Absperrung touchiert."

Bei einsetzendem Regen blieb Hamilton noch eine Runde auf Slicks draußen, anstatt auf Intermediates zu wechseln. "Ich verlor Temperatur in den Reifen und wusste nicht, wie hart ich pushen konnte", erklärt er den Abflug. "Da verbremste ich mich, blockierte ein Rad und kam in Kurve acht nach draußen." Halb so schlimm atmete Martin Whitmarsh auf: "Er hatte eine Schrecksekunde, aber auch einen Vorsprung und gab die Führung nicht ab."

2. War die Kollision mit Button Vettels Fehler?

Lewis war heute wohl der glücklichste Mann in Belgien.
Christian Horner

Runde 16 brachte Sebastian Vettel und Jenson Button Unglück. Button kämpfte mit einem angeschlagenen Auto, weil sein Frontflügel im Startgetümmel Schaden genommen hatte. Vettel wollte unbedingt vorbei, um den Führenden Lewis Hamilton nicht enteilen zu lassen. Vor der Zielschikane griff der Deutsche an. "Ich wollte vorbei, hatte aber nicht genug Top-Speed. Ich habe versucht, vorbeizugehen, weil ich wusste, dass ich auf der Geraden so gut wie keine Chance hatte", erklärte Vettel.

"Ich war nah genug dran und wollte es probieren. Leider habe ich mein Auto verloren." Vettel erwischte auf vielleicht schon etwas nasser Bahn eine Bodenwelle als er anbremste und verriss das Auto. "Ich riss Jenson mit raus und habe sein Rennen zerstört. Das tut mir leid, es war keine Absicht. Es war mein Fehler!"

Helmut Marko und Christian Horner versuchten, ihren Piloten in Schutz zu nehmen. "Jenson [Button] bremste anscheinend früher als Sebastian erwartete", sagte Horner. "Dabei blockierten die Hinterräder auf einer Bodenwelle und er drehte sich." Auch Marko sagte: "Er ist hinter Button gewesen und hat kein unvernünftiges Manöver gemacht. Durch das frühe Bremsmanöver war er überrascht. Wenn einer plötzlich früher bremst und es schon rutschig ist, dann kann man das nicht Vettel anlasten."

Jenson Buttons McLaren überstand Vettels Einschlag nicht - Foto: Sutton

Button ließ das nicht auf sich sitzen: "Ich habe sicher nicht früher gebremst als normal", wehrte er sich. "Ich weiß nur, ich habe plötzlich einen starken Einschlag im Seitenkasten gespürt. Er hat das sicher nicht mit Absicht gemacht und er hat sich mittlerweile entschuldigt. Ich habe aber keine Ahnung, was er da gemacht hat."

Buttons Teamchef Whitmarsh führt die Kollision auf einen unnötigen Anfängerfehler zurück. "Sebastian ist ein netter Kerl, aber er suchte eine Innenlinie, die nicht da war, bremste, verlor das Auto und schoss Jenson ab", so Whitmarsh. "Sebastian macht ein paar Fehler zu viel. Mir wäre lieber gewesen, er hätte das mit seinem Teamkollegen und nicht mit uns gemacht."

3. War die Strafe für Vettel gerecht?

Während Button sein Auto abstellen musste, konnte Vettel mit einer neuen Nase weiterfahren. Der Deutsche erhielt jedoch von den Rennkommissaren eine Drive-Through-Strafe. "Ob die Strafe gerechtfertigt war, darüber kann man diskutieren", meinte Vettel. "Wir fahren hier auf der einen Seite Rennen, wo man bei über 300 km/h ins Gras gedrückt wird, auf der anderen Seite war das mein Fehler."

Christian Danner fand die Strafe gerecht. "Er war zu ungeduldig", sagte er. "Er wollte nicht zu viel, er hätte aber warten müssen. Es war klar, dass er Jenson Button irgendwann bekommen würde, denn der war angeschlagen."

4. Warum war Vettel auf Liuzzi sauer?

Wir fahren hier auf der einen Seite Rennen, wo man bei über 300 km/h ins Gras gedrückt wird, auf der anderen Seite war das mein Fehler.
Sebastian Vettel

Wie Vettel Buttons Rennen zerstörte, vernichtete Tonio Liuzzi die letzten Hoffnungen des Deutschen auf einen WM-Zähler. "Ich war eigentlich schon an ihm vorbei. Er hätte das sehen müssen, aber er hat mir stattdessen seinen Frontflügel ins Hinterrad gestellt", klagte Vettel. "Danach war mein Reifen kaputt. Mit dem Reifenschaden und der langsamen Runde zurück in die Box war der Kuchen gegessen." Liuzzi kam ohne Strafe davon.

5. Warum wechselte Vettel noch zwei Mal Reifen?

In der Schlussphase kam Vettel noch zwei Mal an die Box - beide Male wechselte er auf frische Regenreifen. "Wir waren eine Runde zurück und mussten etwas probieren - vielleicht etwas schlauer zu sein als die Anderen", begründete Vettel den Wechsel auf Regenreifen. Alle anderen wechselten hingegen auf Intermediates und hatten damit die richtigen Reifen aufgezogen.

War der Poker beim ersten Wechsel noch nachvollziehbar, schien der zweite Wechsel auf die Regenreifen weniger verständlich - immerhin wusste das Team zu diesem Zeitpunkt, dass die Intermediates bei der Konkurrenz funktionierten und Vettel seinen ersten Regenreifensatz auf zu trockener Bahn zerstört hatte. Das teilte Vettel auch via Funk mit: "Es ist nicht nass genug für Regenreifen." Das Team sah das anders. "Es war zwei Mal die falsche Wahl", ärgerte sich Vettel. "Die Regenreifen waren ziemlich schnell am Ende, weil die Strecke recht trocken war. Wir mussten auf stärkeren Regen hoffen, aber der kam leider nicht."

6. Warum fuhr Barrichello Alonso ins Auto?

Barrichellos Jubiläumsrennen endete früh - Foto: Sutton

Das Rennen begann mit einem Knall: Rubens Barrichello krachte Fernando Alonso ins Heck. "Trotz meiner Erfahrung war es sehr schwierig für mich, zu wissen, wie nass die Strecke auf der ersten Runde war", sagte Barrichello, der in der letzten Schikane in Fernando Alonso hineinrasselte. "Aber es war komplett nass, als ich durch Blanchimont kam."

Gleichzeitig versuchte der Brasilianer Nico Rosberg die Tür zuzumachen. "Als ich auf die Bremse trat, obwohl es ziemlich früh war, reichte es nicht, um das Auto anzuhalten." Er kollidierte mit Alonso und schied aus. Alonso erlebte die Situation so: "Ich habe die Schikane angebremst und hörte dann hinten den Einschlag. Die Bedingungen waren nass und schwierig. Ich denke, für Rubens war es überraschend, dass es so rutschig war, er hat die Reifen blockiert und leider war ich zur falschen Zeit am falschen Ort."

7. Warum flog Alonso ab?

Alonso konnte nach einem Boxenstopp weiter fahren, sah die Zielflagge aber ebenfalls nicht. Der Spanier flog im Regen von der Strecke ab und landete in den Reifenstapeln - dann parkte er das Auto mitten auf der Straße und rief die letzte Safety-Car-Phase des Rennens hervor. "Ich habe den Kerb getroffen, das Heck verloren und schlug ein", sagte Alonso.

8. Waren die Manöver zwischen Schumacher & Rosberg fair?

Trotz meiner Erfahrung war es sehr schwierig für mich, zu wissen, wie nass die Strecke auf der ersten Runde war.
Rubens Barrichello

Die beiden Silberpfeile von Nico Rosberg und Michael Schumacher kamen sich im Rennen gleich zwei Mal in die Quere. "Sie haben uns an der Boxengasse gut unterhalten", gestand Ross Brawn. Beim ersten Aufeinandertreffen überholte Schumacher Rosberg. "Nico war von Petrov etwas aus der Bahn geworfen und das habe ich genutzt", sagte Schumacher. Bei dem Manöver ging ein Teil von Rosbergs Frontflügel kaputt. "Ich fühlte mich im Auto nicht wohl, auch wegen meines Regensetups", erklärte Rosberg. "Ich war gleich schnell wie Michael, hätte aber nicht schneller fahren können."

Dafür revanchierte sich Rosberg kurz vor Schluss, als der Regen stärker wurde und sein Regensetup besser funktionierte. "Ich musste wegen Yamamoto mitten in der Eau Rouge vom Gas und Nico flog mit Überschuss auf der Geraden an mir vorbei", erklärte Schumacher. "Meine Reifen warfen Blasen und ich konnte keine Gegenwehr mehr leisten. Es war ein Rad-an-Rad-Duell unter Teamkollegen, es war hart, aber fair."

9. Warum drehte sich Hülkenberg?

Robert Kubica mischte ganz vorne mit - Foto: Sutton

Nico Hülkenberg legte einige Dreher auf den nassen Asphalt, war daran aber unschuldig. "Nico hatte ein Problem mit dem Kontrollsystem, das die Fahrbarkeit seines Autos beeinträchtigte und den Motor bei seinem Boxenstopp abstellte", erklärte Technikchef Sam Michael. "Dadurch verlor ich einige Positionen", bestätigte Hülkenberg. "Dann musste ich im Regen ohne die volle Motorkontrolle auskommen, wodurch ich mich einige Male drehte."

10. Warum wurde Alguersuari bestraft?

Tonio Liuzzi erbte nach dem Rennen den 10. Platz und letzten WM-Punkt von Jaime Alguersuari. Der Spanier wurde dafür bestraft, dass er abseits der Strecke unterwegs gewesen war und sich dadurch einen Vorteil erarbeitete. Er bekam 20 Sekunden zu seiner Rennzeit addiert und fiel dadurch hinter Liuzzi zurück.

11. Warum misslang Kubicas Boxenstopp?

Robert Kubica lag das gesamte Rennen vor Mark Webber - bis zum zweiten Boxenstopp. "Die Strecke war sehr rutschig, aber ich sagte mir bei der Boxeneinfahrt, dass ich es ruhig angehen sollte", erinnert sich der Pole. "Ich musste jedoch einige Einstellungen an meinem Lenkrad vornehmen. Dadurch war ich abgelenkt und machte einen Fehler." Kubica überschoss den Haltepunkt bei seinem Boxenstopp und fuhr seine Mechaniker leicht über den Haufen. "Zum Glück wurde niemand verletzt." Webber konnte aber vorbeigehen. Für Kubica blieb so nur Platz 3.


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