Formel 1 - Budapest: 8 Antworten zum Rennen

Strafen über Strafen

Zuerst strafte Red Bull die Konkurrenz mit unschlagbarem Speed ab, dann erhielten Teams und Fahrer noch mehr Strafen für Zwischenfälle und dumme Fehler.
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1. Warum war Red Bull so viel besser als alle anderen?

Egal ob Felipe Massa, Fernando Alonso, Stefano Domenicali, Lewis Hamilton oder Jenson Button - alle kamen spätestens am Sonntag zum gleichen Schluss: Red Bull war in Ungarn unschlagbar. "Red Bull war heute in einer anderen Welt und viel zu stark für uns", gestand Ferrari-Boss Stefano Domenicali. Aber wie war das möglich? Sieben Tage schlug Sebastian Vettel Fernando Alonso im Qualifying nur um 2 Tausendstel. Im Rennen war Ferrari sogar einen Tick schneller als Red Bull.

Die Antwort ist einfach: Abtrieb. In Hockenheim war davon nicht so viel gefragt, die langen Geraden und die Haarnadel erforderten eine andere Charakteristik, die Ferrari mehr entgegenkam. Am Hungaroring zählt vor allem eins: Jede Menge Abtrieb. Den generiert der RB6. "Hier gibt es konstant schnelle und geschmeidige Kurven, wo ein guter Abtrieb den Unterschied macht", erklär Domenicali. "Mit dem Speed von Red Bull könnten wir hier nie in eine Kurve rein. Wenn wir das während des Wochenendes oder heute versucht hätten, wären wir rausgeflogen."

2. Warum wurde Vettel bestraft?

Leider war Seb zu weit zurück. Wir können uns nicht über die Strafe beschweren. Sie ist sehr fair.
Christian Horner

Artikel 40.7 des Sportlichen Reglements der FIA besagt, dass alle teilnehmenden Autos hinter dem Safety Car die Geschwindigkeit reduzieren und eine Linie bilden müssen, in der sie nicht mehr als zehn Fahrzeuglängen auseinander sind. Diesen Abstand hielt Vettel am Ende der Safety Car Phase vor dem Restart nicht ein.

"Die Regeln sind sehr eindeutig", betont Red Bull Teamchef Christian Horner. "Leider war Seb zu weit zurück. Wir können uns nicht über die Strafe beschweren. Sie ist sehr fair." Die Schuld liegt somit auf Seiten des Fahrers. "Sebastian hat einen riesigen Bock abgeschossen, indem er dem Safetycar nicht richtig hinterher gefahren ist", kritisierte Niki Lauda. Alex Wurz stimmte ihm zu, drückte sich aber etwas weniger hart aus: "Ich fühle mit ihm, aber er hätte das Reglement besser durchlesen sollen."

Zur Verteidigung brachte Vettel vor, dass der Funk im ersten Stint teilweise nicht funktionierte und er auf eine Anweisung von der Box gewartet habe. Das reichte Horner allerdings nicht als Begründung: "Der Funkverkehr war leider etwas unterbrochen, vielleicht hat Seb den Funk nicht gehört, aber natürlich waren die Lichter am Safety Car aus. Sie zeigen den Fahrern ja auch an, dass es hereinkommt."

3. Warum wurde Schumacher bestraft?

Schumacher drängte Barrichello nach rechts - Foto: Sutton

Drei Runden vor Rennende setzte Rubens Barrichello zum Angriff auf Michael Schumacher an. Der Brasilianer hatte frischere Reifen, während Schumachers Pneus bereits abgenutzt waren. Um sich zu verteidigen, zog Schumacher nach rechts, seiner Meinung nach wollte er Barrichello so auf die andere Seite zwingen. "Für meine Begriffe war genug Platz für ihn", sagte Schumacher.

Barrichello schrammte haarscharf an der Mauer entlang und wich danach auf den Dreck neben der Fahrbahn aus. "Ich mag faire Zweikämpfe, aber das war nicht fair", beschwerte er sich. "Das war ein Gokart-Manöver. Wenn er vor mir in den Himmel kommen will, dann bitte. Aber ich möchte nicht zuerst dort hinkommen."

Die Rennkommissare stuften das Manöver als unerlaubte Behinderung ein und brummten Schumacher eine Strafversetzung um 10 Plätze für das nächste Rennen auf. "Das war ein inakzeptables Manöver von Michael", sagte Niki Lauda. "Er hat nicht nur sich gefährdet, sondern auch Barrichello. Wenn sie zusammengefahren wären, dann hätte es einen riesigen Crash gegeben."

4. Warum wurde Mercedes bestraft?

In solch einem Rad kann soviel Energie stecken, dass es schnell eine Person ummähen kann.
Alex Wurz

Nico Rosberg verlor direkt nach seinem Boxenstopp das rechte Hinterrad, das danach zwischen den Mechanikern durch die Box schoss, in die Luft katapultiert wurde und mehrfach auf und ab sprang. "Der Mechaniker hat glaube ich die Schraube nicht richtig draufbekommen, ich bekam grünes Licht, fuhr los und habe zu spät gemerkt, dass ich das Hinterrad verloren habe", erklärte Rosberg.

"Das ist natürlich nicht absichtlich passiert, aber es ist extrem gefährlich", sagt Alex Wurz. "In solch einem Rad kann soviel Energie stecken, dass es schnell eine Person ummähen kann. Wenn dich das trifft, dann gehen die Lichter aus." In Deutschland hatte Mercedes GP noch die beiden schnellsten Boxenstopps des Rennens hingelegt, in Ungarn erhielt das Team eine 50.000 Dollar Geldstrafe für den Vorfall.

5. Warum wurde Renault bestraft?

Während der rechte Hinterrad von Rosberg durch die Lüfte segelte, ließ die Renault-Boxenmannschaft Robert Kubica zu früh losfahren, so dass dieser bei der Ausfahrt in den gerade einbiegenden Force India von Adrian Sutil krachte. "Das Release von Kubica war sehr gefährlich, sehr ungeschickt", sagt Wurz. "Das war sicherlich keine Absicht, aber wieder sehr gefährlich, denn in der Boxengasse stehen viele Leute."

Kubica fuhr in Adrian Sutils Force India hinein - Foto: Sutton

Kubica erhielt während des Rennens bereits eine 10 Sekunden Stop-and-Go-Strafe, musste danach aber ohnehin aufgeben. Nach Rennende wurde das Team mit einer 50.000 Dollar Geldstrafe versehen. "Ich fuhr in meinen Bereich, als plötzlich der Renault [von Robert Kubica] vor mir rauskam", beschrieb Sutil die Situation. "Ich konnte nichts machen, sie ließen ihn einfach in meine Bahn fahren und ich fuhr in ihn hinein. Mein Auto war danach zu stark beschädigt, um weiterzumachen."

6. Wie geht es dem Williams-Mechaniker?

Das umher fliegende Rad von Rosbergs Mercedes traf den Williams-Mechaniker Nigel Hope, der nach einem kurzen Check im Medical Centre aber sogar am Boxenstopp von Rubens Barrichello teilnehmen konnte. "Wir sind dankbar, dass nichts Schlimmeres passiert ist und sende unsere besten Wünsche dem Mechaniker", sagte Ross Brawn nach dem Rennen. Besonders froh über den glimpflichen Ausgang war Rosberg, da er den Mechaniker noch aus seiner Williams-Zeit gut kennt.

7. Warum beschwerte sich Buemi über Schumacher?

Für mich war das kein faires Manöver.
Sebastien Buemi

Rubens Barrichello war nicht der einzige Fahrer, der sich nach dem Rennen über Michael Schumacher beschwerte. Auch Sebastian Buemi hatte einiges zu sagen: "In der ersten Kurve hat mich Schumacher nach links gedrückt und ich musste hart bremsen, ansonsten wäre ich von der Strecke geflogen", beschwerte er sich. "Für mich war das kein faires Manöver."

8. Warum fiel Hamilton aus?

Lewis Hamilton hatte gerade Felipe Massa beim Boxenstopp überholt und lag auf Podestkurs, als sein McLaren mit einem Getriebedefekt ausrollte. "Ich beschleunigte aus Kurve 1 heraus und fühlte plötzlich Vibrationen und verlor an Schwung", beschrieb Hamilton den Moment seines Ausfalls. "Zunächst dachte ich, dass es die Antriebswelle wäre, aber es war ein Getriebeproblem." Wahrscheinlich war es das gleiche Problem, das er schon auf dem Weg in den Grid bemerkte. Da dachte er noch, dass es sich um Vibrationen an der Bremse handelte.


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