eSports - Ein 24-Stunden-Rennen kann so lang sein

Kolumne: Schadensbegrenzung nach großer Leistung

Zum Saisonfinale stand mit dem 24h-Rennen von Le Mans zugleich auch das große Highlight für das Team RSO an. Welche Taktik hatte man sich überlegt?
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Motorsport-Magazin.com - Zum Saisonfinale der NEO Endurance Series (NES) sind wir mit großen Ambitionen angetreten. Nach dem bitteren Rennverlauf beim letzten Rennen, als wir einen sichergeglaubten Podestplatz nach einem Verbindungsabbruch verloren hatten, wollten wir mit einem guten Ergebnis unser Saisonziel - einen Platz in den Top 5 - dennoch erreichen.

Nach einem starken Qualifying gelang uns mit Startplatz vier unsere beste Startposition der Saison. In einer sauberen Startphase konnten wir uns anschließend mit der Spitzengruppe absetzen. Anders als die meisten Teams um uns herum hatten wir uns bereits vor dem Rennen und auf Basis unserer Trainings dazu entschieden, einen Satz Reifen für drei Stints und damit rund drei Stunden lang auf dem Fahrzeug zu lassen. Durch die kühlen Temperaturen war der Verschleiß niedriger als sonst, was uns diese Strategie überhaupt erst ermöglichte.

Wie sollte sich diese Taktik auszahlen?

Dennoch forderte diese Taktik von unseren Fahrern höchste Konzentration, denn bereits beim jeweils zweiten Stint, spätestens im dritten Stint mit einem Satz Reifen, ist das Fahrzeug deutlich schwieriger zu fahren, und auch langsamer. Zwar fehlen so je nach Verkehr bis zu zwei Sekunden pro Runde, doch durch eine 27 Sekunden kürzere Standzeit, konnten wir uns über die Distanz gesehen dennoch einen kleinen Vorsprung erarbeiten. Nach knapp vier Rennstunden konnten wir sogar die Führung des Rennens übernehmen und uns dort über zwei Stunden lang halten.

Mit dem Einbruch der Nacht begann dann die schwierigste Phase des Rennens: Wenn der Rhythmus gefunden ist und sich die Positionen etwas eingependelt haben, ist die Fehleranfälligkeit besonders hoch. Wie im echten Rennsport auch, ist es besonders wichtig, die Konzentration hoch zu halten und sich keine Fehler zu erlauben. Während wir in dieser Phase etwas das Tempo und damit Risiko herausgenommen haben, blies die Konkurrenz zum Angriff: Gegen die schnellen Rundenzeiten der Konkurrenz verloren wir immer mehr an Boden und fanden uns zur Rennhälfte in einem spannenden Duell mit Team DFTBA um Rang zwei wieder, 40 Sekunden hinter der Spitze.

Wie so oft fordert die Nacht ihre Opfer

Während DFTBA seine Reifen konsequent nur über zwei Stints fuhr und die an der Box verlorene Zeit durch schnelle Rundenzeiten wettzumachen versuchte, blieben auch wir unserer gewählten Strategie treu, wodurch sich die Abstände teils stark verschoben. In den frühen Morgenstunden zeichnete sich vor diesem Hintergrund ein extrem spannendes Duell um den zweiten Rang ab: Welche Strategie wäre die bessere? Doch noch ehe wir diese Frage beantworten konnten, ging plötzlich alles ganz schnell: Kurz nach einem planmäßigen Boxenstopp unterlief uns in der Outlap auf kalten Reifen und einem vollgetankten und damit schweren Fahrzeug ein folgenschwerer Fahrfehler. Beim Anbremsen auf Indianapolis setzte das Fahrzeug auf und bog plötzlich nach rechts und in die Streckenbegrenzung ab. Ein heftiger Schaden samt drei minütiger Reparaturpause war die Folge; überhaupt war es verwunderlich, dass dieser Einschlag nicht das sofortige Rennende bedeutete.

Vielleicht war das Risiko auf abgenutzten Reifen zu fahren doch zu groß gewesen? Trotz diesem Rückstand und dem verlorenen Podestplatz gelang uns mit Rang fünf noch eine akzeptable Schadensbegrenzung, die allerdings zur Folge hat, dass wir in der Gesamtwertung lediglich auf Rang sechs verbleiben, knappe zwei Punkte hinter Rang fünf und drei Punkte hinter Rang vier. Da die ersten Acht ihrer Klasse automatisch für die nächste NES-Saison qualifiziert sind, können wir es sehr gut verschmerzen, dass wir unser Saisonziel - Rang 5 - knapp verpasst haben. So ergibt sich immerhin die Zielsetzung für die nächste Saison wie von alleine.

Mit diesem siebten Teil unserer #rsokolumne endet zunächst unsere exklusive Berichterstattung zur NES aus Sicht unseres Teams. Wir hoffen, dass wir Ihnen im Verlauf dieser Saison mit einigen interessanten Hintergründen unseren Sport näher bringen und unsere Begeisterung dafür auf Sie übertragen konnten. Für Ihr Interesse und Ihre Aufmerksamkeit danken wir Ihnen herzlich. Auch wenn es auf Motorsport-Magazin.com sicherlich noch das ein oder andere Mal etwas von uns zu lesen geben wird, so können Sie sich gerne auch direkt auf unserer Homepage oder unserer Facebookseite über das aktuelle Renngeschehen rund um Rennsport Online informieren.

Mit herzlichen Grüßen,
Euer Team RSO #goRSO


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