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DTM - Interview - Regel-Revolution - Reuter: Das Ende der Stallregie

Es wird richtig scheppern!

Neues Rennformat, Funkverbot, Punkte fürs Qualifying: Motorsport-Magazin.com nimmt die Regel-Revolution in der DTM mit Manuel Reuter genau unter die Lupe.
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Motorsport-Magazin.com - Manuel, 2017 wird es das Sprintrennen am Samstag nicht mehr geben - stattdessen zwei identische Rennen mit Boxenstopps. Wie kam es dazu?
Manuel Reuter: Über den Winter hinweg haben alle Beteiligten Gespräche geführt, wie die DTM attraktiver und besser verständlich werden kann. Der Winter war sehr ergiebig. Alle haben versucht, das Maximum aus den vorhandenen Möglichkeiten herauszuholen. Dabei wurde auch das letzte Jahr analysiert und es ist herausgekommen, dass das Sonntagsrennen deutlich attraktiver war. Deswegen wird das Rennformat am Samstag und Sonntag identisch sein.

War diese Veränderung wirklich nötig?
Manuel Reuter: Wir haben uns mit der DTM in eine Richtung entwickelt, mit der keiner mehr zufrieden war. Wir wussten, dass wir viel mehr Möglichkeiten haben, aber natürlich muss man in einem gewissen Rahmen bleiben. Es gibt Budgets, Hersteller und Promoter und damit auch unterschiedliche Interessen. Da mussten wir schauen, dass wir die Interessen unter einen Hut bekommen. Das Rennen mit Boxenstopp hat deutlich mehr Attraktivität. Es gibt immer Stimmen, die dafür und dagegen sprechen, aber letztendlich konnten wir uns einigen.

Die DTM-Favoriten 2017: (02:34 Min.)

Erstmals in der Geschichte der DTM werden Punkte für das Qualifying vergeben. 3 Punkte für den Pole-Setter, 2 für Startplatz 2 und 1 Punkt für den Drittplatzierten. Wie findest du das?
Manuel Reuter: Ich finde es gut, dass das Qualifying aufgewertet wird. Es gab in der Vergangenheit immer wieder Vermutungen, dass Hersteller einen gewissen Einfluss auf das Qualifying genommen haben mit Blick auf die Performance-Gewichte. Wer auf Pole steht, muss ja zuladen. Da es jetzt Punkte gibt, wird es so etwas nicht mehr geben. Die wird keiner nur aus taktischen Gründen herschenken wollen. Wenn ein Fahrer zwei Poles holt, bekommt er sechs Zähler - das steht in einem gesunden Verhältnis zur Punktevergabe in den Rennen.

Nach einem Safety Car wird der Re-Start jetzt in Zweierreihen durchgeführt. Klingt heikel...
Manuel Reuter: Dadurch wird es auf jeden Fall viel mehr Spektakel und Action geben. Wegen des neuen so genannten Double-File Re-Starts wird es nicht nur einige Positionswechsel geben, es wird auch mal richtig scheppern. Da werden die Emotionen hochgehen, da bin ich sicher. Die Fahrer müssen selbst entscheiden, wie viel Risiko sie eingehen, ob sie eher Heißsporn sind oder mehr auf Sicherheit fahren. Also genau das, was der Fan sehen will.

Alles neu! So funktioniert die DTM 2017: (05:27 Min.)

Ein großes Thema in der Saison 2017 wird das Funkverbot sein. Wie wirkt sich das für die Fahrer aus?
Manuel Reuter: Für die Fahrer wird es schwieriger, sie werden jetzt nicht mehr von den Kommandoständen geleitet. Das Funkverbot geht ganz klar in die Richtung, dass der Fahrer das entscheidende Element sein soll und persönlich mehr Möglichkeiten hat, sich abzusetzen. Er muss jetzt wieder mehr selbst bestimmen.

Über einen kleinen Schaden am Auto dürfen die Fahrer auch nicht mehr informiert werden...
Manuel Reuter: Wenn sich das Auto merkwürdig verhält, dann ist der Fahrerverstand ebenso gefragt. Er muss selbst herausfinden, ob etwas nicht passt, ob es sich zum Beispiel um einen kleinen Schaden am Heck handelt oder ob der Reifen Probleme macht. Bei einem größeren Schaden am Fahrzeug greift ja ohnehin die Rennleitung ein.

Dank Funkverbot dürfte das leidige Thema 'Stallregie' größtenteils der Vergangenheit angehören, oder?
Manuel Reuter: Das wird es so nicht mehr geben. Die Fahrer selbst bekommen überhaupt nicht mit, wo der vermeintliche Meisterschaftskandidat gerade fährt, wenn er zum Beispiel gerade seinen Boxenstopp absolviert hat. Für die Hersteller wird dieses Taktik-Schachspiel, das es in der Vergangenheit immer wieder gegeben hat, deutlich erschwert. Der DMSB wird die Kommunikation streng überwachen, alles ist extrem limitiert.

Interview mit DTM-Legende Timo Scheider: (04:30 Min.)

Neue Regeln, neue Autos und ein neuer Chef: Was hältst du von Gerhard Berger?
Manuel Reuter: Gerhard hat keine einfache Aufgabe, aber er bringt Enthusiasmus mit und hat eine Vision, wo es hingehen soll. Gerhard hat weltweit einen sehr guten Namen, das kann viele Türen öffnen. Jetzt ist neuer Schwung da, es geht voran. Es war wichtig, die eingefahrenen Strukturen aufzubrechen.

Berger scheint einen neuen Boom ausgelöst zu haben. Im vergangenen Winter hieß es gelegentlich, die DTM sei quasi tot...
Manuel Reuter: Ich kenne die Themen, aber man muss die Kirche im Dorf lassen. Wer hat mit Tourenwagen eine Million Zuschauer in Europa? Wer hat so viele Zuschauer vor Ort und so tolle Hersteller? Das kann keiner besser als die DTM. Ein Ende der DTM wäre ein harter Schlag nicht nur für Deutschland, sondern für den europäischen Motorsport. Deswegen ist dieses Totgerede nicht angebracht. Wir wissen alle, wo es hapert, aber man kann Rom nicht an einem Tag neu erbauen.


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