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DTM - Mehr Rennen, Kundenteams: Gerhard Bergers Visionen

Alternativen waren eher Formel-1-bezogen

Gerhard Bergers Engagement als neuer DTM-Boss hat der Serie Aufwind verliehen. Bei den Testfahrten in Hockenheim sprach er über seine Ideen für die Zukunft.
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Alles neu! So funktioniert die DTM 2017: (05:27 Min.)

Gerhard Berger ist der neue starke Mann an der Spitze der DTM. Der Einstieg des früheren Formel-1-Piloten ging mit großer Euphorie einher. Nach seinen ersten Wochen als 1. ITR-Vorsitzender sprach Berger im Rahmen der Testfahrten in Hockenheim über seine Gründe für den neuen Job und die DTM der Zukunft. Im Folgenden Bergers Aussagen während eines Gesprächs mit ausgewählten Medien, zu denen auch Motorsport-Magazin.com gehörte.

Gerhard Berger über...

...seine Überlegungen, in die DTM einzusteigen:Das war irgendwann im vergangenen Jahr. Da wurde ich gefragt, ob mich so etwas interessieren könnte. Aus verschiedenen Gründen habe ich schon eine Weile überlegt. Aber für mich selbst war ich relativ schnell an einem Punkt, an dem ich gesagt habe: Eigentlich passt das richtig gut. Ich bin gerade zurückgesiedelt nach Österreich und wollte den Fuß nicht ganz rausnehmen aus dem Motorsport. Die Alternativen waren eher Formel-1-bezogen. Aber 20 Rennen auf der ganzen Welt lassen sich schwer vereinbaren mit einem einigermaßen normalen Familienleben.

...seinen Vertrag: Der läuft offiziell bis 2018. Aber grundsätzlich sollte das Interesse an einer langfristigen Zukunft schon da sein. Das ist auch von allen Parteien bestätigt worden.

...die Frage, ob er sich als Heilsbringer der DTM sieht nach all der Anfangseuphorie: Nein. Aber ich kann schon viel Erfahrung in die DTM mitbringen. Einiges passt - anderes nicht, weil ich aus dem Single-Seater-Sport komme. Ich denke aber schon, dass der eine oder andere Gedanke dabei ist, der ein offenes Ohr finden wird. Ich bin seit 40 Jahren im Motorsport unterwegs, ich bin engagiert und leidenschaftlich an diesen Themen dran. Egal, ob bei BMW, Toro Rosso oder der FIA: Wenn ich mich für etwas entscheide, versuche ich auch, dort weiterzukommen.

Das Rennen an sich kann noch etwas spektakulärer werden.
Gerhard Berger

...die TV-Übertragungen: Ich bin der Meinung, dass die Autos zwar toll aussehen. Aber das Rennen an sich kann noch etwas spektakulärer werden.

Gruppenfoto bei den Tests in Hockenheim - Foto: Speedpictures

...seine Vorstellung der künftigen DTM: Das ist die Grundsatzfrage. Ich glaube, dass eine Serie sich ausrichten kann in Richtung Rennsport mit hoher technischer Kompetenz und Entwicklung. Dazu eignet sich die Formel 1 perfekt, die WEC, die Rallye und auch die Formel E. Das ist allerdings wahnsinnig kostenintensiv und es kommen große Unterschiede beim Wettbewerbslevel heraus. Das ist nur bedingt die richtige Richtung für die DTM. Die DTM muss Premium-Qualität in der Technik bieten, was sie auch tut - aber anders als in der Formel 1, wo tägliche Entwicklung gefragt ist. Das Hauptthema der DTM muss sein: Emotion und Freude am Fahren. Und was braucht es dafür: Spektakuläre Rennen, Rad-an-Rad-Kämpfe, Sport zum Anfassen und Fahrerpersönlichkeiten.

Ich glaube, dass der DTM-Fan auch die eine oder andere Berührung sehen will, braucht und sucht.
Gerhard Berger

...die DTM-Autos der Zukunft: Das sind Themen, die man sich anschauen muss. Die Autos sehen spektakulär aus. Ich glaube, dass der DTM-Fan auch die eine oder andere Berührung sehen will, braucht und sucht. Dann ist es schlecht, wenn die ganzen Flügelchen auf der Strecke umherliegen und niemand mehr schnelle Rundenzeiten fahren kann. Das sind alles keine schwierigen Themen, aber ich bin total gegen Schnellschüsse. Änderungen wollen gut überlegt sein.

...einen möglichen Kampf mit den Herstellern: Ich hoffe, dass es keinen gibt. Es gab schon einige Diskussionsrunden und die liefen vernünftig ab. Aber mir ist bewusst, dass es schwieriger wird, wenn die Saison einmal gestartet ist. Aber das ist doch klar, ich hatte ja selber ein Team. Ab einem gewissen Zeitpunkt musst du eine Brille aufsetzen. Ich will gewinnen, da kann ich keine großen Kompromisse eingehen.

Gerhard Berger im Gespräch mit Audi-Rennleiter Dieter Gass - Foto: Speedpictures

...mehr Rennen in Zukunft: Nein, das glaube ich nicht. Die Formel 1 war mit 21 Rennen etwas übersättigt. Neun Rennen sind die Untergrenze. Zwischen neun und zwölf Rennen sind das ideale Maß. Ich glaube, das werden wir auch beibehalten.

...Stadtrennen: Stadtrennen sind ja wirklich interessant, aber in der Umsetzung natürlich nicht ganz einfach. Es kostet sehr viel Geld, so etwas aufzubauen, das muss finanziert werden und so weiter. Mit dem Norisring haben wir ein sehr spektakuläres Rennen in der Stadt. Aktuell haben wir gute Rennstrecken in Deutschland und auch im Ausland. Da sind wir gut aufgestellt. Auslandsrennen sollten sein, wenn es dort das notwendige Interesse gibt.

Zwischen neun und zwölf Rennen sind das ideale Maß. Ich glaube, das werden wir auch beibehalten.
Gerhard Berger

...wie weitere Hersteller kommen sollen: Indem man das Produkt besser macht - und zwar so gut, dass die Hersteller sagen: Da muss man eigentlich dabei sein.

...Privatteams in der DTM: Früher gab es welche, aktuell nicht. Das ist sicherlich etwas, das man analysieren muss, warum das der Fall ist und ob das gut ist. Es wäre schon gut, ein größeres Starterfeld zu haben. Da werden diese Fragen automatisch auf den Tisch kommen. Es geht immer um die Kostenthematik, die Kosten sind am Limit angelangt.

Es wäre schon gut, ein größeres Starterfeld zu haben.
Gerhard Berger

...aktuelle DTM-Fahrer als Helden: Ich finde das aktuelle Fahrerfeld total super. Ausgeglichen, kompetent, gute Typen dabei. Vielleicht kann man den einen oder anderen unterstützen dabei, dass er sich noch besser entwickelt und noch schneller den Weg in Richtung eines Stars hinfindet. Die Fahrer, die jetzt am Werk sind, sind von vorne bis hinten alle sehr gut.

...seinen Neffen Lucas Auer: Er hat es wahrscheinlich als Letzter erfahren, als er es in einer Pressemitteilung gelesen hat. Ich habe gar nicht mit ihm darüber gesprochen. Das liegt mir auch gar nicht so. Ich kann sehr gut entscheiden, was Arbeit und was Familie ist. Am Ende ist es Sport und der Beste muss gewinnen. Wir müssen dem Fan fairen Sport präsentieren. Das sind die ersten, die spüren, wenn etwas nicht fair abläuft.


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