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DTM - Kolumne - Manuel Reuter

Das Phänomen Marco Wittmann

Die Meisterschaft in der DTM scheint so gut wie entschieden. Manuel Reuter erklärt Motorsport-Magazin.com den Überraschungsmann und das Überraschungsteam.
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Motorsport-Magazin.com - Marco Wittmann ist in diesem Jahr ein echtes Phänomen. Drei Rennen vor Saisonende den Titel schon so gut wie in der Tasche zu haben, ist schon außergewöhnlich. Allerdings ist Marco in diesem Jahr auch Teil eines sensationellen Pakets, in dem sein Team rund um Stefan Reinold eine extrem große Rolle spielt.

Sicherlich kommt ihm das DTM-Fahrzeug an sich entgegen, da es doch sehr nahe an einem Formel-3-Boliden ist. Sie haben wenig Leistung, viel Abtrieb, rutschen kaum und das ist dem Formel 3-Auto sehr, sehr ähnlich. Es kommt wahrscheinlich noch dazu, dass ihm der neue M4 von der Grundbasis her sehr gut liegt. Aber er fährt und das ist einer der wahren Gründe: bei Reinold. Sein Team ist in diesem Jahr überlegen.

Die Reinhold-Autos sind brutal schnell

Das ist für mich in Wirklichkeit eine viel größere Überraschung, als die Überraschung Marco Wittmann. RMG fuhr speziell im vergangenen Jahr im Nirgendwo und ich hätte nie gedacht, dass so eine immense Steigerung möglich ist. Auch wenn man Marcos Teamkollegen Maxime Martin betrachtet, der sein erst fünftes DTM-Rennen gewinnt. In Moskau sichert er sich zuerst die Pole und der Speed im Rennen später war unglaublich. Die zwei Autos von Reinold sind brutal schnell.

Ich habe dafür auch keine richtige Erklärung. Aber wenn man draußen an der Rennstrecke steht - das ist mir von Anfang an aufgefallen - da bewegen sich diese beiden Autos anders als die anderen BMW. RMG bereitet ein Fahrzeug vor, das im Qualifying und im Rennen sensationell funktioniert. Hinter diesem Erfolg stehen keine großen Geheimnisse. Es geht um Kleinigkeiten wie Spur, Sturz, Höhe, Luftdruck, das Gefühl für den Reifen und natürlich auch das Zutrauen, dass du mit dem Erfolg bekommst. Marco ist jetzt natürlich auch sehr selbstsicher und lässt sich nicht aus der Ruhe bringen.

Reinhold & sein Team haben hart gearbeitet, jetzt folgt der Erfolg - Foto: BMW AG

Über den Winter hat Stefan Reinold hart gearbeitet, das Team hat viel analysiert und anscheinend die richtigen Schlüsse gezogen. Doch ganz unabhängig von der technischen Zusammensetzung des Rennfahrzeuges, wird der menschliche Faktor im Motorsport oft sehr stark unterschätzt. Manchmal reicht das Hinzukommen eines neuen Mitarbeiters oder das Wechseln von Teammitgliedern in andere Positionen und schon bekommt das Team einen neuen "Drive". RMG hat Marco einen neuen Renningenieur, der aus der F1 kommt, zur Seite gestellt. Diese neue Kombination ist Gold wert.

Wenn er dieses Niveau halten kann, dann ist Marco der Mann den es in Zukunft zu schlagen gilt
Manuel Reuter

Es ist immer wieder erstaunlich zu beobachten, wie viel so etwas ausmacht. Das habe ich in meiner Karriere selbst schon erlebt. Da fühlen sich Mitarbeiter auf ihrer neuen Position wohler, kommen mit den anderen besser zurecht und schon läuft es. Dabei hat man eigentlich kaum etwas verändert. Und ist die Stimmung besser, wird natürlich auch die Arbeit besser. Dann sitzt jede noch so kleine Schraube perfekt und plötzlich bestehen auch zwischen vermeidlich gleichen Autos große Unterschiede. Dazu kommt nach den ersten Erfolgen natürlich auch die Selbstsicherheit – nicht nur beim Fahrer, sondern beim ganzen Team. Auch der Fahrzeugingenieur wird in seinen Entscheidungen gestärkt.

Da bringen einen auch die Mischbedingungen wie am Wochenende am Nürburgring beim Freien Training und dem Q1 nicht aus der Ruhe. Die Kombination aus den menschlichen und technischen Faktoren machen RMG und Marco in diesem Jahr unschlagbar. Unabhängig davon fährt Marco Wittmann in dieser Saison in seiner eigenen Liga. Wenn er dieses Niveau halten kann, dann ist er der Mann den es in Zukunft zu schlagen gilt.

Euer Manuel Reuter

Unterschrift von Manuel Reuter


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