DTM - Track Limits: Fahrer klagen

Können es nicht erkennen

Ist das der erste Fall für die neue Fahrervereinigung? Die Track Limits sorgen für Unmut. Fehlende Übersicht birgt die Gefahr für ein Strafenchaos.
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Motorsport-Magazin.com - Am Ende war es dann doch nicht so schlimm wie befürchtet, doch eine Reihe von Rundenzeiten musste auch im DTM-Qualifying aberkannt werden. Edoardo Mortara und Adrien Tabay wurde dies sogar in Q1 zum Verhängnis, so dass sie hängen blieben. Jens Marquardt erklärt, was es rechtlich bedeutet, die Strecke zu verlassen und sieht die Fahrer in der Pflicht, doch diese klagen, dass sich das nicht so einfach umsetzen lässt. Ein DTM-Auto ist nämlich bei weitem nicht so übersichtlich wie ein Monoposto.

Jens Marquardt macht deutlich: "Es gibt ein klares Reglement, das besagt: ‚Die Rennstrecke wird von zwei weißen Linien begrenzt, wer mit allen vier Rädern darüber hinausfährt, hat die Rennstrecke verlassen.‘ Wenn die Rennstrecke verlassen wird, dann gibt es einen internationalen Passus, der besagt, dass man wieder auf die Rennstrecke zurückfahren darf, aber nur, wenn es sicher ist." Und genau hier gefällt dem BMW-Motorsportchef nicht, wie das in der Vergangenheit gehandhabt worden ist. "Das heißt sicherlich nicht, jemand anderen vor die Nase oder in die Kiste zu fahren. Oder sich einen Vorteil zu verschaffen, denn grundsätzlich muss man sagen: Wenn man von der Strecke runter ist, ist man nicht im Rennen drin."

Am Ende denkt der Fan, wir wären zu blöd, zwischen zwei weißen Linie zu fahren.
Timo Glock

Er sieht die Fahrer in der Pflicht, sich an diese Regeln zu halten: "Die Fahrer selber wissen am allermeisten, was sie gemacht haben. Und wenn einer mit allen Vieren rausgefahren ist und Sektor dann grün wird, dann ist es relativ einfach zu sagen, dass er sich einen Vorteil erarbeitet hat und darauf zu reagieren. Ich sehe das nicht als Raketentechnik an. Das ist etwas, wo die Fahrer am allermeisten tun können."

Nicht auf den Zentimeter abschätzbar

Soweit die Theorie, doch die Umsetzung des jahrzehntealten Passus scheitert an den modernen, immer stärker kritisierten Auslaufzonen: Green führt aus: "Es ist für uns nicht einfach, auf die Innenseite des Autos zu achten. Wir wissen immer sehr genau, wo unsere Außenseite ist. Das sieht man zum Beispiel am Norisring ganz gut. Aber die Innenseite ist ohne optischen Anhaltspunkt kaum abzuschätzen." Das Problem sei der Teppich in Turn 1: "Durch den kommt man noch mehr ins Rutschen und kommt somit auch schneller hinter die Linie. Eigentlich soll uns der Teppich ja auch schneller zum Rutschen bringen, damit wir Zeit verlieren. Aber beides auf einmal funktioniert nicht."

Timo Glock stößt ins selbe Horn: "Wir sitzen links im Auto und sehen die Räder nicht. Wir haben keinen Anhaltspunkt und ob du jetzt 2 Zentimeter neben der weißen Linie bist oder nicht siehst du einfach nicht." Seine sechs verlorenen Tausendstel auf Wickens wären mit mehr Risiko in Turn 1 ganz schnell wieder drin gewesen, aber er sei auf Nummer sicher gegangen, so Glock. Genau hier möchte auch die neue Fahrergewerkschaft ansetzen: Input aus ihrer eigenen Perspektive zu geben.

Drinnen oder draußen? Manchmal ist es selbst von außen schwer abzuschätzen - Foto: DTM

Auch Fahrer nicht immer einer Meinung

Eines stößt Glock sauer auf: Die Entfernung eines Kerbs, mit dem die Abschätzung wesentlich einfacher gefallen wäre: "GP2 und F1 sind ohne Probleme darüber gefahren und es hätte uns als Fahrer deutlich mehr geholfen, die Track Limits einzuhalten. Am Ende hatten wir 150 Fälle beim Formel-3-Rennen und in der DTM waren es 50 oder 70 Fälle freien Training. Am Ende denkt der Fan, wir wären zu blöd, zwischen zwei weißen Linie zu fahren." Doch auch die Fahrer sind sich nicht immer einig: "Der Kerb hält Formel 1 Boliden ganz gut aus, aber wir beschädigen beziehungsweise lösen ihn", wendet Green ein.

Die Diskussion wird auch im Rennen weitergehen. Marquardt rechnet mit der Vernunft der Fahrer: "Wenn es jemanden da draußen verreißt und er das Auto in der Auslaufzone rudernd einfängt, dann hat er sich definitiv keinen Vorteil erarbeitet. Aber wenn jemand denkt, er ist schlauer als die anderen - wir hatten die Diskussion vor Jahren schon einmal um Gelbe Flaggen - dann ist das für mich ad absurdum geführt. Da muss man einfach sagen: ‚Jungs, ihr seid 23 Top-Profis, ihr wisst was passiert, ihr wisst, dass es überwacht wird, seid euch über die Folgen im Klaren.‘" Die Story wird weitergehen, und die Fahrervereinigung womöglich vor ihre erste Belastungsprobe gestellt werden.


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