DTM - Budapest: Die 8 Antworten zum Rennen

Mercedes-Schnecken, Glock-Schrott & ein Dominator

Marco Wittmann dominierte das Rennen in Budapest. Motorsport-Magazin beantwortet die acht wichtigsten Fragen zum dritten Saisonlauf der DTM.

Wer berührte wen in der ersten Runde?

Nach den üblichen Scharmützeln in der ersten Kurve ging es in der zweiten Ecke richtig rund. Auslöser einer Kettenreaktion war Christian Vietoris, der nach einem guten Start noch mehr Positionen gutmachen wollte. "Die erste Runde war auf jeden Fall interessant. Ich bin da ein wenig mit Joey Hand aneinander gekommen", sagte Vietoris kühl. Großes Pech für Mercedes war, das außen neben Hand ausgerechnet Gary Paffett unterwegs war, der einen ordentlichen Schlag einstecken musste und sich drehte. "Als sich Gary gedreht hat, hat er mit seinem Heckflügel meinen Heckflügel berührt", fasste Timo Scheiden den letzten Akt der Karambolage kurz und bündig zusammen.

Wie konnte Wittmann so locker davon ziehen?

Ganz einfach: Marco Wittmann war in einer Klasse für sich. Nicht nur, dass er klar der schnellste Mann im Feld war, sondern er fuhr auch sauber. Glock fing sich früh eine Verwarnung an und musste daraufhin aufpassen, während vorne der RMG-BMW davonzog. "Der Schlüssel war, den Start zu gewinnen, das hat geklappt." Einen weiteren Meilenstein erreichte er, indem er Glock aus dem DRS-Fenster warf und dieser dadurch keinen Zugriff mehr auf die wertvollen Zehntel auf der Start-Ziel-Geraden hatte.

Im zweiten Stint galt es dann, Miguel Molina auf Distanz zu halten. Der Spanier war der einzige Fahrer, der in der Lage gewesen ist, das Tempo Wittmanns mitzugehen. Doch der nun zweifache Saisonsieger fuhr auch auf dem Standardreifen einen sauberen Strich und der Abstand pendelte zwischen vier und fünf Sekunden, bis Molina aufgab. "Mein Sorge war, dass noch jemand auf Option angeflogen käme", sagte Wittmann nach dem Rennen. Doch diejenigen, die den Optionsreifen im zweiten Stint fuhren, waren in zu viele Kämpfe verstrickt, um nach ganz vorn zu fahren.

Warum fuhr Mortara zwischenzeitlich so langsam?

Das war in meinen Augen ein Schritt zu weit.
Timo Glock

In zwei packenden Szenen kämpfte sich Edoardo Mortara nach seinem Boxenstopp an Timo Glock vorbei und war augenscheinlich schneller unterwegs als der BMW-Pilot. Glock brachte seine Reifen erst nach einigen Runden zum Arbeiten und erhöhte den Druck auf Mortara, der so immer weiter in Probleme geriet. Insbesondere in Kurve vier kam Mortara immer wieder von der Strecke und kassierte dafür unter anderem eine 2-Sekunden-Strafe. Die besagt: In der folgenden Runde muss der Fahrer zwei Sekunden langsamer fahren als zuvor.

Wenn man einen Konkurrenten im Nacken hat, funktioniert das natürlich nicht so einfach. Mortara verteidigte seine Position dabei mit allen - und nicht ganz fairen - Mitteln. "Er ist im letzten Sektor entsprechend langsam gefahren und hat mich in der vorletzten Kurve auf die Außenbahn gezwungen. Dort hat er die Lenkung aufgemacht und ist mir zwei Mal ins Auto gefahren, damit ich nicht vorbei komme. Das war in meinen Augen ein Schritt zu weit."

Was passierte mit Glock in der Schlussphase?

Nico Müller wurde von Timo Glock umgedreht - Foto: DTM

Einige Runden nach dem Duell mit Mortara stand Timo Glock erneut im Fokus. Nachdem er bereits einige Fahrer auf den schnelleren Options-Reifen passieren ließ, kämpfte er in der letzten Runde mit Nico Müller um Punkte. "Ich habe meine Position verteidigt. Er war außen und hat eingelenkt, ich war innen und wir haben uns berührt", fasst Glock zusammen. Der DTM-Rookie konnte einen Dreher nicht mehr vermeiden, drehte sich und erfasste Glock. "Er ist zwei Mal in meinem Auto hängen geblieben, da war mein Auto ganz hinüber." Glock schleppte sich außerhalb der Punkteränge ins Ziel, die Rennleitung stufte den Vorfall später als Rennunfall ein.

Sein Gegenspieler Müller war ebenso enttäuscht vom Ausgang des Rennens: "Es war frustrierend, in der letzten Runde herausgekegelt zu werden. Timo hat genau gewusst, dass ich mit Optionsreifen unterwegs war und drei Sekunden pro Runde schneller war. Es tut weh, so gute Punkte zu verlieren."

Warum konnte Mercedes nicht an den Oschersleben-Sieg anknüpfen?

In Oschersleben überraschte Mercedes mit einem Sieg im Regen. Auf trockener Piste hatten die sieben Piloten aus Stuttgart aber keine Chance gegen Audi und BMW. Wir selbst sind leider nicht da, wo wir sein wollen, aber das hatten wir vor dem Wochenende schon erwartet", sagt Wolfgang Schattling, Leiter DTM-Marketing-Kommunikation bei Mercedes-Benz, bereits nach dem Qualifying. Im Rennen änderte sich daran nicht viel, auch wenn Robert Wickens als Elfter an den Punkten kratzte.

"Die Rennen sind für uns so etwas wie ein Test", unterstrich Oschersleben-Sieger Christian Vietoris. Wo genau die Probleme liegen, konnte Pascal Wehrlein nicht genau einordnen: "Die fehlende Downforce ist bei uns sicher ein Thema. Wir haben so viele kleine Probleme, die am Ende dann eine Sekunde ausmachen." Am Ende war der Tenor aber einheitlich: Man spürt Verbesserungen und setzt die Hoffnungen nun auf den Norisring - immerhin geht es dort fast nur geradeaus.

Wieso war das Podium für Molina so wertvoll?

Es hat heute gut funktioniert und wir haben dieses Podium nach dem schlechten Start in die Saison verdient
Miguel Molina

Miguel Molina ist so etwas wie der Pechvogel des Jahres - zumindest bisher. Nach zwei starken Qualifyings wurden in Hockenheim und Oschersleben technische Mängel an seinem Fahrzeug festgestellt, beim zweiten Saisonlauf verlor er sogar die Pole Position. In Ungarn lief erstmals alles glatt und Molina schaffte es auf Anhieb auf das Podium. Zudem erzielte Molina mit dem zweiten Rang sein bisher bestes Rennergebnis in der DTM, zuvor stand er in Hockenheim 2011 als Dritter auf dem Podest.

"Es hat heute gut funktioniert und wir haben dieses Podium nach dem schlechten Start in die Saison verdient", freute sich Molina, der zwischenzeitlich sogar in Richtung Marco Wittmann schielte. "Im zweiten Stint auf den Standard-Reifen hatte ich noch gehofft, dass ich herankommen kann, aber er war zu weit weg und es gab keine Chance mehr, ihn zu bekommen." Die Ziellinie überquerte Molina 6,6 Sekunden hinter dem BMW-Mann.

Wie kam Spengler am Ende soweit nach vorne?

Bruno Spengler fuhr bis aufs Podium nach vorne - Foto: BMW AG

50 Sekunden Rückstand auf die Spitze und vorne weit und breit kein Auto in Sicht. Nach seinem Pflchtboxenstopp war Bruno Spengler im Niemandsland unterwegs. "Wenn man vom Ingenieur gesagt bekommt, dass man weiter angreifen soll und das Podium möglich ist, man vor sich aber weit und breit niemanden sieht, ist das schon etwas komisch", berichtete der Kanadier im Anschluss an das Rennen, das er nach 41 Runden doch noch auf dem dritten Platz beenden konnte.

In der ersten Rennhälfte war Spengler auf den deutlich langsameren Standard-Reifen unterwegs und verlor einen Platz nach dem anderen. Nach dem Reifenwechsel drehte er den Spieß um und profitierte dabei auch von der Kampfgruppe um den dritten Platz, wo sich Edoardo Mortara und Timo Glock rundenlang gegenseitig überholten. "Ich wusste zwischenzeitlich gar nicht, was ich machen soll. Risiko oder kein Risiko? Aber wenn man nichts riskiert, gewinnt man auch nichts", sagte Spengler nach seiner furiosen Aufholjagd.

Was geschah mit Augusto Farfus?

Der sonst so pfeilschnelle BMW-Pilot war in Ungarn überraschend langsam unterwegs, seine Fahrt auf dem letzten Platz erinnerte wenig an die bisherigen vier Rennsiege des Brasilianers. Grund: Der Regler für die Bremsbalance an seinem M4 war defekt. "Die Balance hat sich laufend verschoben und ich konnte nichts machen", klagte Farfus. Auf den Geraden bremsten dadurch die Vorderachsen immer wieder, was ihn bis zu 20 km/h Topspeed kostete. Für eine Überraschung sorgte der 30-Jährige, als er zu einem unüblichen Zeitpunkt in die Box kam und seine BMW-Mannschaft die weichen Reifen aufzog, mit denen er das Rennen nicht hätte beenden dürfen. Auch dafür gab es nach Rennende eine Erklärung: "BMW hat gesehen, dass es möglicherweise zu regnen beginnt. Dann wollten wir es noch einmal versuchen." Letztlich machte es für den Brasilianer aber keinen Sinn, das Rennen zu beenden - er gab nach 31 Runden auf.


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