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DTM - Kolumne - Manuel Reuter

Wie ein Ritt auf der Rasierklinge

Action pur beim Regenrennen von Oschersleben. Aber wie ist es aus Sicht der Fahrer, unter diesen heftigen Bedingungen zu fahren? Manuel Reuter gibt Aufschluss.
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Motorsport-Magazin.com - Das DTM Rennen in Oschersleben hatte es wirklich in sich. Der Regen hat den Teams und Piloten Möglichkeiten eröffnet, die unter trockenen Bedingungen nie möglich gewesen wären. Paradebeispiel dafür ist der Sieg von Christian Vietoris. Der Mercedes ist immer noch nicht konkurrenzfähig, aber mit guter Strategie und den Safety-Car-Phasen haben sie den Weg an die Spitze gefunden.

Vietoris hatte ich im Vorfeld kritisiert und nun muss ich sagen, dass ich von seiner Leistung wirklich beeindruckt bin. In so einer Situation muss man erst mal alles richtig machen. Man darf auch nicht vergessen, dass er sich mit gleicher Bereifung an Edo Mortara und Mike Rockenfeller vorbeigekämpft hat. Das war ein starker Sieg und ich hoffe, dass Christian für sich daraus mehr Selbstsicherheit und Lockerheit rausgezogen hat.

Heftige Wetterbedingungen in Oschersleben - Foto: BMW AG

Aber auch Gary Paffett hat einen extrem guten Job gemacht. Mit den Slicks so lange im Regen zu fahren, ist verdammt schwer. Die Piloten sind auf Slicks losgefahren, dann begann es zu tröpfeln und später regnete es immer mehr. In dem Moment wird es von Kurve zu Kurve und von Runde zu Runde schwerer einzuschätzen, wie viel Grip noch da ist, wie spät man bremsen, wie früh man aufs Gas darf und wie man über die Randsteine fahren kann. Man konnte das ja bei Gary sehen, der sehr stark unterwegs war und dann das Auto auf einem Kerb verloren hat.

Manuel Reuter gibt exklusive Einblicke in die Welt der DTM - Foto: Motorsport-Magazin.com

Im Regen auf Slicks zu fahren, das ist wie mit Sommerreifen auf Schnee! Da muss der Fahrer ein Gespür und ein Gefühl dafür haben, wie sich die Bedingungen entwickeln. Das kann man weniger an festen Parametern oder anderen Anhaltspunkten festmachen, dafür bedarf es Intuition und Selbstvertrauen. Irgendwann kommt aber die Phase, dann bekommt man die Reifen einfach nicht mehr auf Temperatur und damit ist das Auto quasi nicht mehr berechenbar. Gary hatte das ja mehrfach per Funk an die Box gemeldet.

Trotzdem hat er es geschafft, beim Restart vorne zu bleiben. Er ist innen geblieben, während Marco Wittmann außen fuhr. Dort ist er wahrscheinlich auf den Gummiabrieb gekommen und hatte keinen Grip mehr. Gary hat viel Erfahrung und weiß, wo die Regenlinie liegt und wie man mit dem Auto umgehen muss. Man muss sehr weich vorgehen - einmal zu aggressiv gebremst oder etwas zu stark eingelenkt und du bist weg. Das ist wie das Fahren auf einer Rasierklinge, da ist man schnell rechts oder links runtergefallen.

Euer Manuel Reuter

Unterschrift von Manuel Reuter


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