DTM - Strategiespiele in Oschersleben

Was die DTM und Glücksspiele gemeinsam haben

Viele Faktoren spielen in die Entscheidung für eine Rennstrategie hinein. Einige sind kalkulierbar, andere nicht. Bisweilen fühlt man sich wie im Casino.
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Motorsport-Magazin.com - Das Thema Strategie steht in dieser Saison fast noch mehr im Fokus als im vergangenen Jahr, obwohl damals noch zwei Boxenstopps vorgeschrieben waren und der Optionreifen so lange gefahren werden konnte, wie er hielt. Nun ist nur noch ein Besuch bei der Crew Pflicht und der weichere Reifen darf maximal für die halbe Renndistanz verwendet werden. Dadurch ist die Frage aller Fragen: auf welchen Reifen wird gestartet?

"Die Strategie ist einfach, aber die Reifenwahl ist schwierig", fasst Serienneuling Antonio Felix da Costa zusammen. "Man muss sehen, ob hier wie in Hockenheim die Optionreifen 50 Prozent der Distanz Performance zeigen. Wir werden uns überraschen lassen, aber das ist die einzige Möglichkeiten, Positionen gutzumachen oder zu verteidigen", verdeutlichte Martin Tomczyk.

Überholen ist hier schwerer, DRS bringt hier ganz wenig.
Mike Rockenfeller

Immerhin können die Teams auf Erfahrungen aus dem vergangenen Jahr zurückgreifen, wie lange der Optionreifen gehalten hat. Allerdings sind die Autos neu und die Daten somit nicht mehr ganz aktuell. Timo Glock bezeichnet es dennoch als "beherrschbar". Er verrät, dass man den Boliden zwischen der perfekten Balance für die Standard- und die Optionreifen abstimmt. "Man wird niemals das perfekte Auto haben für den jeweiligen Reifen."

Champion Mike Rockenfeller wäre von Startposition sechs lieber mit den Optionreifen losgefahren. "Aber ich hatte die Entscheidung nicht bei mir, das haben andere für mich entschieden", berichtete er. "Jetzt müssen wir sehen, ob das so aufgeht. Überholen ist hier schwerer, DRS bringt hier ganz wenig." Auch Felix da Costa glaubt, dass man wenn dann auf einer anderen Reifenstrategie einen Konkurrenten passieren kann.

Ein wichtiger, aber unkalkulierbarer Faktor bei der Strategie wird am Sonntag in Oschersleben das Safety Car sein. "Hier gab es in den letzten vier Jahren kein Safety Car - das kann man auf zwei Weisen sehen: in der Theorie gibt es kein Safety Car, aber nach vier Jahren kann die Wahrscheinlichkeit hoch sein", gab er zu bedenken und fand ein Beispiel aus der Welt des Glücksspiels. "Es ist wie im Casino - man kann [beim Roulette] fünf Mal Schwarz haben und dann denken: es wird wieder Schwarz, oder die Wahrscheinlichkeit für Rot ist höher..." Er glaubt nach dem derzeitigen Kenntnisstand, dass die schnellere Strategie lautet, auf den Optionreifen zu starten.

Hier gab es in den letzten vier Jahren kein Safety Car - das kann man auf zwei Weisen sehen.
Antonio Felix da Costa

Eine Ansicht, die auch Rockenfeller vertritt, der jedoch hofft, dass auch seine Strategie am Ende aufgeht. "Ich hoffe, dass die, die entscheiden haben, Standard zu nehmen, Recht haben und man damit auch eine Chance hat, nach vorne zu kommen am Ende." Aus Herstellersicht sei es wichtig, beide Strategien abzudecken, also einen Teil der Fahrer auf den Option- und den anderen auf den Standardreifen ins Rennen zu schicken. "Ich stand genau da, wo die Entscheidung auf Standard gefallen ist und eben nicht mehr auf Option", meinte Rockenfeller. "Vielleicht ist das ja richtig und morgen sitzen wir hier und ich sage: Vielen Dank, dass das so entschieden wurde."

Auch wenn die spannendste Phase nach Hockenheim zu urteilen am Ende des Rennens ist, fällt bereits beim Start eine Vorentscheidung. In der Theorie müsste es besser sein, auf den Optionreifen zu starten, da sie weicher sind und mehr Grip bieten. "Wir haben aber die Starts von Hockenheim analysiert - da war das nicht klar erkennbar. Da bin ich mit dem Standard sehr gut weggekommen, ebenso Bruno Spengler", berichtete Rockenfeller. "Man kann es also nicht unbedingt sagen." Viele Fragezeichen also vor dem zweiten Saisonrennen, aber genau das soll ja die Spannung ausmachen.


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