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DTM - Interview - Dieter Gass: Neues Reglement nicht komplizierter

Spielchen können auch nach hinten losgehen

Die DTM startet mit einem neuen Reglement in die Saison. Motorsport-Magazin.com sprach mit Audi DTM-Leiter Dieter Gass über die Regeländerungen.
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Motorsport-Magazin.com - Was erwarten Sie vom neuen Sportlichen Reglement?
Dieter Gass: Es wird nicht komplizierter. Und es sollte überschaubarer und einfacher zu verfolgen sein, eventuell auch mit mehr Zweikämpfen direkt auf der Strecke. Man muss abwarten, wie sich das einpendelt.

Um Gleichheit zu bewahren, wird es Platzierungsgewichte geben. Wie sinnvoll ist diese Einführung in der DTM?
Dieter Gass: Platzierungsgewichte kann man sicherlich kritisch betrachten. Sie haben aber auch einen Vorteil: Wenn einer Probleme hat, verliert man ihn nicht komplett. Oder: Wenn einer großen Vorsprung hat, kann man ihn wieder einfangen. Im Endeffekt wollen wir doch alle ein möglichst ausgeglichenes Feld mit vielen Zweikämpfen sehen.

In der DTM gibt es 2014 Performance-Gewichte - Foto: DTM

Sind die Platzierungsgewichte auch Mercedes geschuldet, die im vergangenen Jahr hinterherhinkten?
Dieter Gass: Das würde ich nicht direkt sagen. Es war eigentlich ein Gedanke, der über längere Zeit von uns betrieben wurde. Wenn man die Fahrzeuge einfriert und die Entwicklung einschränkt, dann geht es nur über Platzierungsgewichte. Ich denke, dass das auch Sinn macht.

Es sollte überschaubarer und einfacher zu verfolgen sein.
Dieter Gass

Mal ehrlich: Wieso beschäftigt man als Hersteller so viele Ingenieure, die ein Auto entwickeln, wenn am Schluss von außen alles wieder gleich gemacht wird?
Dieter Gass: Man muss ja eine Grundentwicklung betreiben, und dafür braucht man die Ingenieure, um solch ein Auto auf die Räder zu stellen. Wenn Sie einen Ingenieur fragen - und im Grunde meines Herzens bin ich Ingenieur - möchte ich, dass derjenige, der die beste Arbeit macht und das beste Auto entwickelt, auch gewinnt. Im Endeffekt wird es auch so sein, aber die Unterschiede werden nicht so krass ausfallen.

Es muss nur noch ein Pflichtstopp eingelegt werden - Foto: DTM

2012 und 2013 hat das Reglement funktioniert. Warum sollten die Fahrzeuge 2014 so weit auseinanderliegen?
Dieter Gass: BMW tritt mit einem völlig neuen Fahrzeug an, während die anderen 'nur' auf der vorhandenen Basis ein neues Auto bauen. Das an sich birgt schon ein gewisses Potenzial für Unterschiede. Aber wir reden auch nicht von 100 Kilogramm Platzierungsgewicht - wir reden von 10 bis 20 Kilogramm mehr oder weniger. Wenn einer wirklich eine halbe Sekunde weg ist, dann kann man das auch nicht mit Platzierungsgewichten ausgleichen. Das System der DTM geht schon davon aus, dass das Feld eng beisammen ist und in diesem Rahmen noch enger wird.

Keine Angst vor Strategiespielchen und dem Nicht-gewinnen-wollen?
Dieter Gass: Je mehr Hersteller man hat - und wir haben jetzt 50 Prozent mehr als noch 2011 - desto schwieriger werden solche Spielchen. Die können auch nach hinten losgehen.

Weil es nur noch einen statt zwei Boxenstopps geben wird?
Dieter Gass: Ja genau, und weil er bis zum Ende des zweiten Renndrittels abgeschlossen sein muss. Das alleine wird schon sehr viel dazu beitragen, dass die Übersichtlichkeit und die Spannung über eine lange Zeit im Rennen gegeben ist.


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