DTM - Rückblick: Premierenchaos in Moskau

Von Zeitenwirrwarr bis Helikoptergate

Die Premiere auf dem Moscow Raceway wird wohl noch lange als eine der kuriosesten aller Zeiten in Erinnerung bleiben. Motorsport-Magazin erklärt, wieso.
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Motorsport-Magazin.com - Die DTM befindet sich auf Expansionskurs und erobert neue Länder. So fand in der Saison 2013 erstmals ein Rennen in Russland statt. Auf dem neu gebauten Moscow Raceway wurde der sechste Saisonlauf ausgetragen. Motorsport-Magazin.com wirft einen Blick zurück auf das turbulente Premierenwochenende.

Die Strecke: Anders als es der Name vermuten lässt liegt der Moscow Raceway nicht vor den Toren der russischen Hauptstadt, sondern im etwa 80 Kilometer entfernten Wolokolamsk. Die Teamtrucks mussten etwa 2.600 Kilometer Anreise auf teils nicht asphaltierten Strecken in Angriff nehmen und waren netto 40 Stunden unterwegs, ehe sie den von Hermann Tilke entworfenen Kurs erreichten.

Ich hatte fast das Gefühl, in meinem Wohnzimmer zu fahren, so rutschig war es.
Augusto Farfus

Auch wenn die Strecke insgesamt mehr als vier Kilometer misst, sollten die DTM-Piloten nur eine 2,555 Kilometer lange Kurzanbindung unter die Räder nehmen. Damit war der Moscow Raceway die drittkürzeste Strecke im Saisonkalender 2013. "Die Rennstrecke macht viel Spaß, sie ist technisch sehr anspruchsvoll, könnte aber länger sein", meinte Champion Mike Rockenfeller. "In der Zukunft werden wir vielleicht eine andere Variante fahren."

Vize Augusto Farfus bemängelte zudem den Asphalt. "Ich hatte fast das Gefühl, in meinem Wohnzimmer zu fahren, so rutschig war es." Außerdem hatten die Fahrer mit der Streckenbegrenzung zu kämpfen, womit sie den Zorn der Rennleitung auf sich zogen. So viele Rundenzeiten wie in Russland wurden wohl kaum anderswo gestrichen. Kaum ein Fahrer wurde nicht wenigstens einmal wegen des Überfahrens der weißen Linien mit allen vier Rädern bestraft.

Das Qualifying: Das Zeitfahren in Russland darf getrost als das kurioseste der gesamten Saison bezeichnet werden. Zunächst einmal verlor die Rennleitung den Überblick, wer wann unerlaubter Weise die Strecke verlassen hatte und strich Pascal Wehrlein seine beste Rundenzeit in Q2, obwohl der Mercedes-Pilot erst in der Runde danach mit allen vier Rädern die Strecke verließ. Die Rennleitung sah ihren Irrtum schließlich ein. Miguel Molina, der sich in Q3 wähnte, rutschte auf Rang elf, während Wehrlein, der bereits aus dem Auto gestiegen war, unverhofft zu einem weiteren Einsatz kam.

Kein Heli, kein Quali. - Foto: DTM

Als ob damit noch nicht genug Chaos herrschte, ereilte die Teams dann die Nachricht, dass es kein offizielles Ergebnis geben würde, da das Zeitnahmesystem nicht einwandfrei funktionierte. Das Rätselraten wurde noch viel größer als Q4 nicht wie geplant gestartet wurde. Die ungewöhnliche Erklärung: Der Luftraum über der Strecke wurde wegen eines Überflugs von Vladimir Putin gesperrt, weshalb der Rettungshubschrauber an der Strecke nicht hätte starten können.

So wurde das Ergebnis aus Q3 gewertet und Rockenfeller durfte sich über die Pole Position freuen, schüttelte jedoch verwundert den Kopf: "Andere Länder, andere Sitten." Um ein ähnliches Szenario im Rennen zu vermeiden erhielt der Rettungshubschrauber Militärstatus und hätte damit im Zweifelsfall starten dürfen.

Das Rennen: Audi feierte in Russland mit Rockenfeller und Mattias Ekström einen Doppelerfolg. Für Rockenfeller war es der dritte Sieg seiner Karriere, für Ekström das 56. Podium und das erste seit Valencia 2012. Platz drei eroberte Farfus, womit erstmals seit Spielberg wieder ein BMW-Pilot auf dem Podest stand. Mau lief es dagegen für Mercedes. Gary Paffett war auf Rang fünf der bestplatzierte Pilot der Stuttgarter.

Adrien Tambay stellte in mehrfacher Hinsicht sein Talent unter Beweis. - Foto: Audi

Der sechste Saisonlauf war ein Rennen der Aufholjagden. Joey Hand fuhr von Rang 15 auf Platz sieben, Timo Scheider von 14 auf neun. Die beeindruckendste Aufholjagd zeigte jedoch Adrien Tambay. Von Platz zwölf gestartet absolvierte der Franzose einen ersten Stint von 56 Runden, in der 68. Runde stattete er seiner Crew den zweiten Besuch ab. Mit dieser Strategie kämpfte er sich auf Platz vier nach vorne und konnte in den letzten Runden Farfus unter Druck setzen. Auch wenn er das Podium letztlich verpasste, durfte sich Tambay über das beste Saisonergebnis und das zweitbeste seiner Karriere freuen.

Audi platzierte insgesamt fünf Fahrer in den Top-10, mit Molina und Edoardo Mortara schieden zwei Piloten aus. "Der Audi RS 5 DTM war hier auf dem Moscow Raceway ganz klar das stärkste Auto", jubelte Audi DTM-Leiter Dieter Gass. BMW brachte drei Fahrer unter die besten Zehn, Titelverteidiger Bruno Spengler ging nach einer Kollision mit Molina als 19. leer aus. Bei Mercedes kam außer Paffett nur Christian Vietoris unter die besten Zehn.

Fazit: Für die Gesichtshaut war das Wochenende in Russland nicht gerade vorteilhaft, denn so viel Stirnrunzeln gab es bei kaum einem anderen Rennen. Ob die Probleme mit der Zeitnahme, der gesperrte Luftraum oder das Strafenchaos - die Rennleitung leitete eine Untersuchung gegen das Team Phoenix mit dem Vorwurf eines angeblich vorgetäuschten Boxenstopps ein - das Sportliche trat oftmals in den Hintergrund und der eine oder andere Fan und auch Fahrer wird sich gefragt haben, ob er im falschen Film ist.

Es war echt eine tolle Premiere.
Mike Rockenfeller

Doch trotz der Turbulenzen kam das Rennen insgesamt gut an. "Es gab großes Interesse mit vielen Zuschauern und es war echt eine tolle Premiere. Wir würden uns freuen, wenn wir dort wieder fahren dürften", meinte Rockenfeller. Auch Markenkollege Ekström schwärmte von Strecke und Fans. Zwei Dinge würden sich die Fahrer jedoch für das nächste Jahr wünschen: Eine längere Streckenvariante und einen Helikopter-Shuttle-Service zur Strecke - mit Militärstatus, versteht sich. Spasiba!


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