DTM - Moskau: Die Tops & Flops

Putin und 45.000 andere Russen

Zum ersten Mal gastierte die DTM in Russland. Motorsport-Magazin.com fasst Tops- und Flops des Wochenendes zusammen.

Top: Audis Performance

Mike Rockenfeller und Mattias Ekström machten das Rennen unter sich aus. Augusto Farfus landete als bester Nicht-Audi mit über zehn Sekunden Rückstand auf Rang drei, Gary Paffett hatte als bester Mercedes-Pilot schon über 17 Sekunden Rückstand. In Anbetracht der Tatsache, dass die Ingolstädter in der vergangenen Saison recht wenig zu lachen hatten, überrascht diese Dominanz besonders, waren doch nur geringfügige Modifikationen über die Winterpause erlaubt.

Mattias Ekström kam nach dem Rennen gar nicht mehr aus dem Schwärmen heraus. "Es ist vielleicht das beste Auto meiner Karriere, was das Handling angeht. Ich habe jede Runde genossen", verriet der Schwede nach seinem zweiten Rang. "Der Audi RS 5 DTM war hier auf dem Moscow Raceway ganz klar das stärkste Auto", stellte Dieter Gass klar.

Flop: Helikopter-Panne am Samstag

Ohne Kommentar - Foto: DTM

Wer bei Russland gleich an den schier allmächtigen Staatspräsident Vladimir Putin denkt, der wurde am Samstag in seiner Denkweise bestätigt. Nach ein paar anderen kleinen Pannen - die im Vergleich dazu fast vernachlässigbar sind - wurde das Qualifying nach Q3 abgebrochen, die Runde der letzten vier wurde einfach nicht mehr ausgetragen. Der Grund: Der Luftraum über dem Moscow Raceway war gesperrt, der Rettungs-Helikopter durfte nicht starten.

Kein Heli, kein Quali - so einfach. Doch der Grund, weshalb der Hubschrauber nicht in den russischen Himmel emporsteigen durfte, war nicht etwas das schlechte Wetter - 30 Grad und strahlender Sonnenschein waren ihm relativ egal. Nicht aber Vladimir Putin. Russlands Präsident musste just zu dieser Zeit seine Tupolev ausführen und lies den Luftraum sperren. "Andere Länder, andere Sitten", konstatierte Mike Rockenfeller knapp. Damit der DTM das gleiche Schicksal am Sonntag nicht noch einmal widerfährt, wurde der Helikopter einfach upgegradet. Er erhielt Militär-Status und hätte im Zweifel auch gleichzeitig mit Putin in den Himmel steigen dürfen.

Top: Erste Punkte für Tambay

Adrien Tambay konnte in dieser Saison bislang nur wenig überzeugen. Während der Sohn von Ex-Formel-1-Pilot Patrick Tambay in seiner Debüt-Saison 2012 noch 28 Punkte sammeln konnte, zeigte sich sein Punktekonto vor dem Rennen in Russland noch jungfräulich. Auch nach dem Qualifying auf dem Moscow Raceway sah es nicht danach aus, als würde der Franzose für Begeisterungsstürme bei Audi sorgen.

Ich konnte hier demonstrieren, dass ich meinen Job verstehe und nur etwas Glück brauchte.
Adrien Tambay

Doch mit einer mutigen Strategie führte Tambay plötzlich das Rennen an. Zwar musste er noch einen Boxenstopp einlegen, doch nach seinem zweiten Stopp fand er sich hinter Augusto Farfus auf Rang vier wieder. Fast hätte er den Brasilianer auch noch überholt und sein zweites Podium eingefahren. Dazu holte er auch noch die schnellste Rennrunde. "Ich habe zum ersten Mal in dieser Saison Punkte geholt und konnte hier demonstrieren, dass ich meinen Job verstehe und nur etwas Glück brauchte", so Tambay.

Flop: Lahme Mercedes im Rennen

In den bisherigen fünf Saisonrennen, abgesehen von den BMW-Festspielen in Österreich, hat es Mercedes nach schwachen Leistungen im Zeittraining immer wieder geschafft, sich zu fangen und mindestens einen Fahrer auf das Podium zu bringen - in Moskau wollte das nicht klappen.

Leider waren wir an diesem Rennwochenende nicht so konkurrenzfähig wie bei den vorangegangenen Rennen.
Wolfgang Schattling

"Leider waren wir an diesem Rennwochenende nicht so konkurrenzfähig wie bei den vorangegangenen Rennen auf dem Lausitzring und in Nürnberg. Gary hat mit Platz fünf das bestmögliche Ergebnis für uns eingefahren und wir müssen eingestehen, dass unsere Konkurrenten an diesem Wochenende hier einfach schneller waren", musste Mercedes in Person von Wolfgang Schattling, Leiter DTM-Management, eingestehen.

Top: Farfus zurück auf dem Podium

Sieg in Hockenheim und dann ersteinmal lange nichts. So sah die Saison von Augusto Farfus vor Russland aus. In Brands Hatch schied der BMW-Pilot aus, am Red Bull Ring landete er auf Rang sechs, am Lausitzring konnte er einen zwölften Platz verbuchen, am Norisring wurde er 16. Nicht unbedingt das, was sich der Brasilianer nach seinem Auftaktsieg und dem furiosen Finale der letzten Saison vorgestellt hatte.

"Wir haben mit Augusto Farfus das Maximum herausgeholt. Er stand unter einem hohen Druck, aber seine Pace war sehr gut", lobte ihn sein Teamchef Bart Mampaey. Auch Farfus selbst freute sich natürlich über sein Comeback: "Es ist sehr schön, wieder auf dem Podium zu stehen. Dieser dritte Platz fühlt sich ein bisschen wie ein Sieg an. Mehr war heute nicht drin."

Flop: Kurze Strecke

Wieso eine kurze Strecke eine Flop sein soll? Norisring und Brands Hatch zeichnen sich schließlich auch nicht durch ihre Länge aus und das 'Fränkische Monaco' soll das Saisonhighlight sein. Und die Zuschauer bekommen die Autos schließlich öfter zu sehen. Also: Wieso Flop? Ein großes Manko einer kurzen Strecke ist der ständige Verkehr. Mike Rockenfeller musste sich deshalb die Hälfte des Rennens mit Überrunden abmühen. Gerade in einer so ausgeglichenen und engen Serie wie der DTM führt das mit unterschiedlichen Strategien schnell zu Unmut.

Manchmal zählt eben doch nur die Länge - Foto: DTM

Wenn eine neue Rennstrecke irgendwo im Nirgendwo errichtet wird, dann sollten zumindest bei der Länge keine Abstriche gemacht werden müssen. Wurde am Moscow Raceway auch nicht, doch die komplette Strecke konnte nicht befahren werden, weil eine Auslaufzone zu kurz für die DTM war. "Die Rennstrecke macht viel Spaß, sie ist technisch sehr anspruchsvoll, könnte aber länger sein", meint Mike Rockenfeller. "In der Zukunft werden wir vielleicht eine andere Variante fahren."

Definitiv auch ein Top - Foto: DTM

Top: Viele Zuschauer bei Premiere

Abgesehen von den Herstellen freute sich im Vorfeld niemand so recht über das Rennen in Russland. Als die DTM das letzte Mal einen Ausflug Richtung Osten unternahm, endete das in Shanghai nicht gerade ruhmvoll. Zudem sind die Reise- und Transportkosten für die Teams nicht gerade gering, die Anreise strapaziös. Selbst von Moskau zur Strecke dauert der Transfer rund zwei Stunden.

Doch für die Fans der DTM in Russland offenbar kein Grund, sich davon abhalten zu lassen, an die Rennstrecke zu pilgern. Insgesamt fanden sich am Wochenende 45.000 Zuschauer auf dem neu errichteten Moscow Raceway ein. Das blieb auch bei Fahrern und Teamchefs nicht unbemerkt. "Glückwunsch an die Veranstalter zu einem sehr gelungenen Event vor vollen Tribünen und 45.000 begeisterten russischen Fans. Wir haben uns hier sehr wohl gefühlt und kommen gerne wieder", lobte BMW Motorsportdirektor Jens Marquardt das Event.

Flop: Kuriose Strafen & Untersuchungen

Keine Frage: Mit der Wasserflaschen-Affäre hat sich die DTM keine Freunde gemacht. Auch in Moskau wurde wieder viel diskutiert, nicht nur nach der Sperrung des Luftraums während des Qualifyings. Auch im Rennen gab es erneut einige Strafen und Untersuchungen, die nicht jeder Fan nachvollziehen konnte.

So musste unter anderem Daniel Juncadella eine Laptime-Penalty absitzen und den hinter im drängenden Marco Wittmann noch mehr blockieren, um dann doch keine Position zu verlieren. Wittmann selbst musste zur Boxenstopp-Strafe an die Box und wurde vom Marshall mitten in den Verkehr geleitet. Ein Unsafe-Release der Rennleitung? Hier wurde jedenfalls nichts untersucht. Ganz im Gegenteil zur Pheonix-Mannschaft, die einen geplanten Boxenstopp kurzerhand absagte, weil der spätere Rennsieger Mike Rockenfeller den Hinweis zum Boxenstopp zu spät erhielt und die Boxeneinfahrt verpasste.


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