DTM - Spielberg: Die Tops & Flops

BMW triumphiert und hat ein Rad ab

Der dritte DTM-Saisonlauf ist Geschichte. Motorsport-Magazin.com präsentiert die Tops und Flops aus Spielberg.

Top: BMW überflügelt die Konkurrenz

Eins, zwei, drei. Bruno Spengler, Marco Wittmann und Timo Glock strahlten in Spielberg mit der immer wieder durch die Wolken blinzelnden Sonne um die Wette. Die BMW-Piloten drückten dem dritten Saisonlauf ihren Stempel mehr als nur auf und bescherten dem Münchner Autobauer einen triumphalen Dreifachsieg. "Das ist ein historischer Moment", frohlockte BMW-Motorsportchef Jens Marquardt und hatte damit völlig Recht. Zuletzt schnitten die DTM-Rückkehrer vor rund 21 Jahren so gut ab, als sie in Hockenheim sogar die ersten fünf Plätze belegten.

BMW feierte einen historischen Tag - Foto: RACE-PRESS

Naturgemäß schlug sich dieses Ergebnis auch in den drei Meisterschaftswertungen nieder. Bruno Spengler knöpfte Mike Rockenfeller die Tabellenführung ab und nimmt Kurs auf die Titelverteidigung, während in der Teamwertung mit Schnitzer, RBM und MTEK nun drei BMW-Mannschaften an der Spitze stehen. Und bei den Konstrukteuren bewegen die Münchner sich derzeit ohnehin in eigenen Sphären: mit 171 Punkten hat BMW bisweilen mehr Zähler gesammelt als Audi (67) und Mercedes (65) zusammen. Kein Wunder also, dass Marquardt in Feierlaune war: "Heute können wir auch Elvis auflegen", grinste der Motorsportchef nach dem Fallen der Zielflagge über das ganze Gesicht.

Flop: Top-Stars mal wieder im Pech

Während sich auf dem Podium zwei Rookies breit machten, fanden sich die vermeintlichen Titel-Favoriten Jamie Green, Martin Tomczyk und Timo Scheider wieder einmal im Niemandsland der Zeitentabelle wieder. Tomczyk musste das Rennen nach einer Kollision mit Raubein Roberto Merhi vorzeitig abblasen und dem Audi-Duo Green/Scheider wurden vor allem verpatzte Boxenstopps zum Verhängnis. So kam der britische Neuzugang nicht über Platz 18 hinaus, Doppel-Champion Scheider musste sich mit P16 zufrieden geben. Damit nimmt die Pleiten-, Pech- und Pannen-Serie des Trios auch in Spielberg ihren Lauf.

Das Resultat des verhagelten Saisonauftaktes schlägt sich natürlich auch in der Gesamtwertung nieder: Scheider kommt immerhin auf 10 Punkte, Green und Tomczyk warten hingegen noch auf ihren ersten Zähler. Ob Scheider seine Taktik noch einmal überdenken wird? "Ich versuche, in den ersten fünf Rennen konstant zu punkten ohne immer zu großes Risiko zu gehen", sagte er vor dem Rennen bei Motorsport-Magazin.com. "Dann kristallisieren sich die vier, fünf Top-Fahrer heraus, um die es am Ende geht." Aktuell sieht es stark danach aus, dass ein gewisses Trio in diesem Jahr nichts mit der Spitze zu tun haben wird...

Top: Marco Wittmann trumpft auf

Eigentlich ist Marco Wittmann in der DTM ein Rookie. Neu ist das DTM-Cockpit für den BMW-Fahrer aber nicht, denn schon im vergangenen Jahr spulte er zahlreiche Kilometer als Testfahrer ab. Bereits in Brands Hatch stellte er sein Potential unter Beweis, in Spielberg klappte es dann auch im Rennen.

Wittmann raste auf das Podium - Foto: RACE-PRESS

Immer wieder betonte Wittmann, dass er sich nicht nervös machen lassen will. Nervös wurde er im dritten Saisonrennen nicht, als ihn Edoardo Mortara in Kurve eins überholte. Als Wittmann den Platz später zurückbekam, war er sogar schneller unterwegs als Bruno Spengler. Letztlich fuhr Wittmann einen souveränen und abgebrühten zweiten Platz ins Ziel, der nur kurzzeitig durch die andere Strategie seines Teamkollegen Timo Glock in Gefahr gerät. Nervös wurde deswegen bei BMW aber wohl kaum jemand.

Flop: Roberto Merhi rempelt weiter

Roberto Merhi musste bereits in Hockenheim und Brands Hatch Kritik seiner Mitstreiter einstecken. "Der hat Tomaten auf den Augen", war wohl das bekannteste Zitat. Auch in Spielberg rückte Merhi wieder in den Fokus, als er ausgangs der zweiten Kurve mit Martin Tomczyk kollidierte und der BMW-Pilot abermals von der Strecke flog.

Merhi bekam als Wiederholungstäter eine Stop-and-Go-Strafe, wobei sich TV-Experte Manuel Reuter gar nicht so sicher war, ob er wirklich der Schuldige war. Tomczyk interessierte das recht wenig: "Als er nach seiner Strafe wieder hinter mir war, habe ich ihn einfach ziehen lassen." Für ein weiteres Duell mit dem spanischen Heißsporn sei es ihm einfach zu blöd gewesen...

Als er nach seiner Strafe wieder hinter mir war, habe ich ihn einfach ziehen lassen
Tomczyk über Merhi

Top: Das Wetter hält durch

Halb Österreich kämpfte am vergangenen Wochenende gegen die unerbittlichen Wassermassen, die den schweren Regenfällen der letzten Tage über der Alpenrepublik geschuldet waren. Dementsprechend groß war auch die Sorge im DTM-Fahrerlager, doch das Wetter hielt und alle Sessions auf dem Red Bull Ring gingen unter trockenen Bedingungen über die Bühne. Das mag zwar kein Ruhmesblatt für die Wetterfrösche sein, die Schauer mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit angekündigt hatten, doch immerhin blieb den Piloten damit ein chaotisches Rennen erspart und die Zuschauer auf den nicht überdachten Tribünen ebenfalls trocken.

Flop: Fragwürdige Strafen

Eine Strafe hier, eine Strafe da. Nicht nur die Zuschauer, sondern auch die TV-Experten und Fahrer blicken beim Strafenkatalog der DTM nicht mehr durch. Auch in Spielberg hatte die Rennleitung wieder einiges zu tun und sorgte mit ihren Entscheidungen für Gesprächsstoff.

Während Mattias Ekström für seinen späten und überraschenden Angriff auf Augusto Farfus genau wie Marco Wittmann für seinen Kontakt mit Edoardo Mortara keine Strafe erhielt, bekam Gary Paffett für sein hartes Überholmanöver an Martin Tomczyk eine Boxenstopp-Strafe, die ihn drei bis vier Sekunden kostete. Selbst Tomczyk sagte im Anschluss: "Das war ein hartes Manöver, aber ich war zum Teil noch auf der Strecke. Für mich war das in Ordnung, da brauchen wir nicht viel diskutieren."

Paffett wurde bestraft - Foto: RACE-PRESS

Gary Paffett brachte es, wohl auch im Sinne vieler anderer Beteiligten, auf den Punkt: "Das Problem ist, dass die Entscheidungen nicht konstant sind. Ich verstehe das nicht, wenn ich bedenke, was andere mit mir vor allem in Hockenheim gemacht haben."

Top: Timo Glocks Champagnerfahrt

Die Ausgangsposition war denkbar ungünstig. Nach dem enttäuschenden zwölften Startplatz beim Rennen in Spielberg hätten wahrscheinlich nur noch sehr risikofreudige Gemüter auf einen Podestplatz von Timo Glock gewettet. Doch der 31-Jährige machte aus der Not eine Tugend und startete als einer von wenigen Fahrern auf den Standard-Reifen und steuerte schon nach wenigen Runden die Box an. Die Strategie ging voll auf. In seinem zweiten Stint flog der BMW-Fahrer geradezu über den Red Bull Ring. Und wegen des verhältnismäßig frühen Stopps blieb er zu keiner Zeit im Verkehr stecken.

"Ich konnte direkt zwei Fahrer überholen und habe einen sehr guten Rhythmus gefunden. Für die weichen Reifen hatte ich ein perfektes Setup", erzählte der MTEK-Pilot. So machte Glock Sekunde um Sekunde auf die Spitzenfahrer gut und reihte sich, nachdem die Führenden ebenfalls einen Boxenstopp eingelegt hatten, auf Rang zwei ein. Wegen eines verpatzten Boxenstopps und leichten Problemen auf dem Prime musste er am Ende allerdings noch Teamkollege Marco Wittmann den Vortritt lassen. Dennoch: Mit dem ersten Podiumsplatz im dritten Rennen ist der frühere Formel-1-Fahrer ein echter Top.

Flop: BMW hat ein Rad ab

Aus Münchner Sicht stellte sich der Sonntag in Spielberg zwar äußerst positiv dar, ganz ohne Makel ging es dann aber doch nicht. Joey Hand verlor nach seinem ersten Boxenstopp das linke Vorderrad und musste seinen Boliden am Streckenrand abstellen. "Fehler passieren, das ist einfach so im Rennsport", nahm der US-Boy die Szene zwar locker, doch bei BMW sollte man sich langsam etwas überlegen, nachdem schon Timo Glock beim Saisonauftakt in Hockenheim ein Reifen abhandengekommen war.


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