Dakar - Die Geheimfavoriten De Villier/Von Zitzewitz

Vorfreude und Anspannung

Giniel de Villiers und Dirk von Zitzewitz möchten mit einem Toyota wieder die Dakar aufmischen. Sie fühlen sich bereit.

Motorsport-Magazin.com - Der Underdog ist wieder da. Und mausert er sich zum Geheimfavoriten? Giniel de Villiers und Dirk von Zitzewitz starten im Januar 2013 mit einem von Hallspeed für Toyota Südafrika entwickelten Hilux-Pickup bei der härtesten Prüfung im Motorsport - der Rallye Dakar durch Peru, Argentinien und Chile. Bereit, die Etablierten und die haushohen Favoriten ein weiteres Mal zu überraschen. Bereit für den nächsten Schritt in einer neuen Ära im Marathon-Rallyesport. Bei der Dakar 2012 war es dem südafrikanisch-deutschem Duo gelungen, Motorsportgeschichte zu schreiben, 2013 starten de Villiers/von Zitzewitz mit dem Wüsten-Klassiker (05. bis 20. Januar) - nach der erfolgreichen Premiere im Vorjahr - in ein neu aufgestelltes Drei-Jahres-Programm mit Toyota Südafrika.

Rückblick auf nicht weniger als einen Meilenstein in der Geschichte der Rallye Dakar: Giniel de Villiers aus Stellenbosch/Südafrika und Dirk von Zitzewitz aus Karlshof/Deutschland hatten 2012 überraschend den dritten Gesamtrang gefeiert und damit die Zukunft des Marathon-Rallyesports eingeläutet. Mit ihrem privat in Südafrika durch Hallspeed und Imperial Toyota aufgebauten und eingesetzten Hilux, der bereits nach heutigen, 2013 gültigem Dakar-Reglement entwickelt wurde, eroberten sie aus eigener Kraft gegen weitaus leistungsstärkere Gegner auf Anhieb ein Top-drei-Resultat. Und das bereits bei der Premiere des Toyota Hilux made in South Africa.

Erfolgreich in Südamerika

Für de Villiers/von Zitzewitz war es der dritte von vier möglichen Top-drei-Platzierungen bei der legendären Wüstenrallye seit diese vor fünf Jahren nach Südamerika umgezogen war - kein anderes Duo kann auf diesem Kontinent auf eine vergleichbare Erfolgsbilanz verweisen. Mit ihrem Sieg 2009 läuteten "Ginny" und "Schnietz", wie sie sich gegenseitig freundschaftlich nennen, die Ära der bis heute ungebrochenen Diesel-Dominanz ein. Mit ihrem dritten Platz anno 2012 demonstrierten sie die Leistungsfähigkeit von Benzin-getriebenen Prototypen und künftigen, seriennahen Antriebstechnologien. Zuletzt war es 2009 einem Fahrzeug mit herkömmlichem Ottokraftstoff gelungen, einen Platz unter den ersten Drei zu feiern.

Die Voraussetzungen vor der 35. Ausgabe der Rallye Dakar im Januar 2013 sind für de Villiers/von Zitzewitz denen von 2012 äußerst ähnlich: Semi-Werksteams und Dakar-erfahrenere Rennställe stehen auf der Liste der Top-Favoriten ganz weit oben: X-raid-Mini mit den Seriensiegern Stéphane Peterhansel/Jean-Paul Cottret (F/F) und ihre Teamkollegen Joan "Nani" Roma/Michel Périn (E/F) beispielsweise. Oder Robby Gordon/Walch Kellon (USA/USA) im Hummer H3. Der Toyota Hilux mit der Startnummer 301 - die Three-O-One - übernimmt stattdessen erneut die Rolle des Underdogs - obwohl sich die Mannschaft rund um Teamchef Glyn Hall, Fahrer Giniel de Villiers und Co-Pilot Dirk von Zitzewitz akribischer und präziser als im Premierenjahr 2012 vorbereitetet hat.

Die Evolution des Toyota Hilux made in South Africa

Basierend auf dem Hilux des Jahrgangs 2012 entstand seit dem Startschuss im Juli 2012 für das bis einschließlich der Dakar 2015 ausgelegten Projekts ein von Grund auf überarbeiteter Dakar-Prototyp. Das Lastenheft mit den Erkenntnissen aus der Dakar 2012 beinhaltete ein enormes Entwicklungsprogramm: Eine neue Achsgeometrie für besseres Fahrverhalten in den Dünen, ein neues Gruppe-N-Aggregat - ein seriennaher 5-Liter-V8-Motor anstelle eines 4,6-Liter-Triebwerks - sowie ein daraus resultierendes neues Mindestgewicht von 1.975 Kilogramm waren die hauptsächlichen Aufgabengebiete der Ingenieure.

Bei der Entwicklungsarbeit profitierte Hallspeed, das als Entwicklungs- und Einsatzteam für Toyota Südafrika fungiert, von den Einsätzen des Toyota Hilux bei der Südafrikanischen Offroad-Meisterschaft - der wohl am härtesten umkämpften nationalen Offroad-Serie weltweit. Komponenten des Dakar-Hilux wurden dort Stück für Stück ausgiebig getestet. Weitere Testfahrten - unter anderem in der Namib-Wüste sowie unmittelbar vor der Rallye Dakar 2013 in den Dünen Perus - lieferten weitere Erkenntnisse über die Fahrzeug-Abstimmung des Publikumslieblings mit Pritsche. 2013 kommt das Reglement dem Toyota Hilux zudem deutlich entgegen: Nachdem Giniel de Villiers/Dirk von Zitzewitz bereits 2012 mit seriennahem Motor angetreten waren, müssen nun auch die Sieger von einst Reglement-bedingt mit seriennahen Antrieben starten. Zudem wurde der Durchlass des Luftmengenbegrenzers für den Toyota Hilux von 35 auf 36 Millimeter vergrößert - und sorgt so für mehr Motorleistung.

Anspruch: extrem hoch

Dünen und tiefer, Dakar-typischer Sand schon am Tag des zeremoniellen Starts - nie zuvor ging es bei einer Rallye Dakar derart rasch in die Vollen, nie zuvor gönnte der Veranstalter A.S.O. (Amaury Sport Organisation) den Teilnehmern so wenig Eingewöhnungszeit. Der Start der Mutter aller Wüstenrallyes erfolgt erstmals in Lima/Peru. Am 05. Januar 2013 beginnt für de Villiers/von Zitzewitz und ihre Gegner dort der Kampf gegen die Extreme der Dakar. Schon auf der ersten Etappe mit lediglich 13 Kilometern steht außerhalb der Stadt Pisco sandiges Terrain auf der Tagesordnung. Kleine, gemeine Dünen auf dem Weg durch Peru, die Gluthitze in den Sierras Pampeanas Argentiniens und die unwirtliche und gnadenlose Atacama-Wüste Chiles - der trockenste Fleck des Erdballs - das macht die Dakar aus.

Dazu erwartet die Teilnehmer der Südamerika-typische Mix aus murmelartigem Schotter, reifenmordendem Geröll, staubigem Lehm, turmhohen Dünen und feinpudriger, "Guadal" genannter Sand. Gewundene Passstraßen wechseln sich täglich mit offenem Gelände ab - technologisch, fahrerisch und navigatorisch der ultimative Test. Eben typisch Dakar. Die Route führt von Lima durch Peru über die Anden und damit entlang Passhöhen knapp unterhalb der 5.000-Meter-Marke nach Argentinien, wo am 13. Januar in der Provinz-Hauptstadt von Tucumán, San Miguel, der einzige Ruhetag der Dakar 2013 auf dem Programm steht. Im Schluchtengewirr rund um Fiambalá und die gleichzeitig anspruchsvolle Querung von Dünen haben Giniel de Villiers und Dirk von Zitzewitz am 16. und 17. Januar die Gelegenheit, Ihre schon 2009 gewinnbringende Kombination aus fahrerischem und navigatorischem Können einzusetzen. Nach einer weiteren Andenquerung stehen in Chile unter anderem die gnadenlosen Sandberge rund um Copiapó auf der Agenda, ehe am 20. Januar die Dakar 2013 in Santiago de Chile endet.

Das haben sie zu sagen

Giniel de Villiers: "Jetzt, wenige Tage vor der Dakar, spürt man die Vorfreude und Anspannung vor dem Start. Wir haben uns mit Toyota Südafrika für ein Drei-Jahres-Programm aufgestellt und gehen mit einem von Grund auf neu aufgebauten Hilux an den Start. Vieles hat sich im Vergleich zu 2012 geändert, beispielsweise die Technik. In vielen Dingen können wir uns 2013 aber auch auf das verlassen, was uns schon im vergangenen Jahr ausgemacht hat. Hallspeed ist ein herausragendes Einsatzteam und es wird im zweiten Jahr bei der Dakar noch besser sein. Mit meinem Beifahrer Dirk von Zitzewitz teile ich nicht nur die sportliche Philosophie, mit der wir schon 2009 die Rallye Dakar gewonnen haben, sondern eine jahrelange Freundschaft. Auf das blinde Verständnis zwischen uns und dem Team freue ich mich besonders. Und vielleicht können wir ja wie im vergangenen Jahr die Überraschung der Dakar sein."

Dirk von Zitzewitz: "Es gibt den Grundsatz 'die nächste ist immer die härteste Rallye Dakar'. Und gerade deshalb: Lasst sie nur kommen, die Dakar. Wir sind besser als vergangenes Jahr vorbereitet, haben einen großen Rückhalt durch Hallspeed und Toyota Südafrika, ein Schmuckstück von Hilux als Einsatzfahrzeug, in das viel Entwicklungsarbeit und Ingenieurskunst geflossen ist, und als Fahrer/Beifahrer-Duo große Erfahrung. Wir können es kaum erwarten, am 05. Januar über die Rampe zu rollen und die ersten Kilometer im Sand zu machen. Vom ersten Meter an wird unser Gegner Nummer eins wieder die Rallye selbst sein. Bei keiner anderen Motorsport-Disziplin gilt das unausgesprochene Gesetz 'to finish first, first you have to finish' eher als bei der Dakar. Hier liegt aber auch unsere Stärke. Und gerade deshalb: Lasst sie nur kommen, die Dakar."


Weitere Inhalte:

Facebook
Wir suchen Mitarbeiter
x