Dakar - Dakar: Die gefährlichste Rallye der Welt

Dabei sein ist alles

Die Rallye Dakar ist ein 9.000 km langer Kampf mit Sand, Hitze und Staub. Die Teilnehmer gehen an ihre Grenzen - manche auch darüber hinaus. Die Geschichte.

Motorsport-Magazin.com - "Eine Herausforderung für alle, die aufbrechen. Ein Traum für alle, die zurückbleiben." Was nach einem bedeutungsschwangeren Spruch klingt, den man aus Mündern von Magellan oder Kolumbus erwarten würde, war es Thierry Sabine, der mit diesen Worten ein Vermächtnis hinterließ. Die Herausforderung hört auf einen Namen, den so ziemlich jeder kennt den und viele fürchten: Dakar. Zum 33. Mal findet zum Neujahr die berühmteste Rallye der Welt statt. Wenn sich am 1. Januar 465 Teilnehmer auf den Weg machen, das gefährlichste Rennen der Welt zu bestreiten, schwebt Sabines Geist über ihnen.

Es war 1977, als sich der Franzose während der Rallye Abidjan-Nizza mit seinem Motorrad in der Wüste verirrte. Überall Sand, Hitze, Dünen soweit das Auge reichte. Dieses einprägende Erlebnis nahm Sabine mit auf den Weg, als er gerettet wurde. Es war die Geburtsstunde der Dakar. Sabine, der furchtlose Gründungsvater, wollte sein Erlebtes mit der Welt teilen. Jeder sollte die Möglichkeit haben, dieses einmalige Motorsporterlebnis zu kosten. Also erdachte sich Sabine eine Route, die in Europa beginnen und über Algerien sowie das in Niger gelegene Agadez schließlich in den Senegal und in dessen Hauptstadt Dakar führen sollte.

Die Route der Dakar 2012 - Foto: X-Raid

Der Traum lebt

182 Fahrzeuge folgten seinem Ruf am 26. Dezember 1978. Sie wollten Sabines Traum leben, als sie sich auf dem Place du Trocadero in Paris einfanden, um die erste Rallye Paris-Dakar einzuläuten. 10.000 Kilometer ins Unbekannte - ein einschneidendes Erlebnis. Der erste Sieger der legendären Rallye war der Motorrad-Pilot Cyril Neveu, der insgesamt fünf Mal in der Motorrad-Klasse triumphierte. Da beim ersten Auftritt die Zwei- und die Vierräder noch nicht getrennt gewertet wurden, belegte das schnellste Auto in der Gesamtwertung den vierten Rang. Es war ein Range Rover, Francois Genestier saß am Steuer.

Die Sieger der Dakar gehen in die Geschichte ein, doch in keiner anderen Motorsportart der Welt zählt das Motto so sehr: "Dabei sein ist alles." Der zweite Gewinner ist hier nicht der erste Verlierer, sondern einer, der den teilweise unmenschlichen Strapazen der dürren Wüste trotzen und sie erobern konnte. Unfälle sind im Sport an der Tagesordnung, doch die Dakar ist extrem. In ihrer Geschichte kamen bereits 60 Menschen ums Leben - ein schlimmer Schnitt in der 34-jährigen Geschichte der Rallye. Der letzte Unfall liegt noch nicht lange zurück.

Tragische Unfälle

Bei der 11. Etappe der Dakar 2011 kam es in Tinogasta, in der Provinz Catamarca, zu einem schweren Unfall mit dem Rallye-Wagen der argentinischen Fahrer Eduardo Amor und Horacio Alejandro Fenoglio. Ihr Toyota verunglückte um etwa 6:00 Uhr Ortszeit mit dem Pickup eines einheimischen Landarbeiters, welcher bei der Kollision schwer verletzt wurde und später im Krankenhaus verstarb. Der Einheimische war das 60. Todesopfer, das die Dakar forderte.

Herausforderung für Mensch und Maschine - Foto: ASO

Auch 2010 kam es noch zu einem tragischen Zwischenfall. Der deutsche Fahrer Mirco Schultis kam bereits in der ersten Prüfung in einer Kurve von der Straße ab und raste in eine Zuschauergruppe. Fünf Menschen wurden schwer verletzt, darunter auch eine 28-jährige Zuschauerin, die später im Krankenhaus verstarb. Unfälle passierten, Menschen starben - es wurden aber auch viele gerettet.

Sabine selbst hatte dieses Glück jedoch nicht. Der Vater der Dakar bezahlte seinen Traum mit dem Leben. 1986 kamen er, der französische Sänger Daniel Balavoine, die Journalistin Nathaly Odent, der Pilot François Xavier-Bagnoud sowie Funktechniker Jean-Paul Le Fur bei einem Hubschrauberabsturz ums Leben. Sabines Asche wurde in der Wüste verstreut, ein eigens errichteter Hügel mit einem Kreuz erinnert noch heute an den Dakar-Pionier. Wo tragische Unfälle passieren, muss es auch große Helden geben. Die Dakar bietet dafür einen Schauplatz wie kaum ein anderer.

Große Sieger

Da wäre etwa Hubert Auriol, der es 1992 als erster schaffte, auch bei den Autos zu gewinnen, nachdem er 1988 wegen eines Unfalls auf vier Räder umgesattelt hatte. Von 1994 bis 2003 war er zudem der Direktor der Dakar. Erfolgreicher als bereits erwähnter Neveu war bei den Motorrädern nur Stephane Peterhansel, der sechs Mal siegte. Der Franzose fuhr danach, wie Auriol, erfolgreich bei den Autos mit. 2004, 2005 und 2007 siegte er schließlich auch auf vier Rädern und mit seinen insgesamt neun Gesamtsiegen ist er Rekordhalter. Rekordsieger in der Auto-Kategorie ist Ari Vatanen, der 1987 und von 1989 bis 1991 insgesamt vier Mal gewinnen konnte. Unvergessen auch Jutta Kleinschmidt, die 2001 als erste Frau in der Auto-Wertung triumphierte.

Jutta Kleinschmidt bei der Dakar 2007 - Foto: X-Raid

Der Mythos Dakar hat im Laufe der Jahre viele Größen des Motorsports angelockt und in seinen Bann gezogen. Jacky Ickx gewann den Rallye-Marathon 1983, auch der zweifache Sportwagen-Weltmeister Jean-Louis Schlesser, der bekannte Skirennläufer Luc Alphand und die Rallye-Ikone Carlos Sainz trugen sich bereits in die Siegerliste ein. Der Spanier verzichtet diesmal aufgrund des Fernbleibens von Volkswagen auf die 9.000 km lange Wettfahrt. Zu den Highlights auf dem Weg ins Ziel nach Lima zählen die berühmten Weißen Dünen in der Nähe von Fiambala, die Durchquerung der Atacama-Wüste in Chile sowie die extrem steilen Abfahrten hinunter zur chilenischen Hafenstadt Iquique.

Fahrerisch, psychisch und physisch verlangt die Dakar den Teilnehmern auch in diesem Jahr alles ab. Insbesondere auf der 444 Kilometer langen siebten Etappe rund um Copiapo in Argentinien werden Fahrer und Autos extremen Beanspruchungen ausgesetzt. Auf dem Weg in Richtung Ziel erwarten die Teams haushohe Sanddünen, ausgetrocknete Flussbetten und schroffe Offroad-Pisten, nachdem die Dakar nun bereits zum vierten Mal in Südamerika gastiert. Doch jeder der Teilnehmer ist sich den Strapazen bewusst und nimmt die Herausforderung lieber in Angriff, statt nur davon zu träumen.


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