Tipp

Blancpain GT Series - Gestatten, die Gönner des GT-Sports (II)

Große Fische im Breitensport-Aquarium

Millionär hier, Milliardär dort: Im Fahrerlager der Blancpain-GT-Serie tummeln sich jede Menge potente Charaktere. Motorsport-Magazin.com stellt vor.
von
Das Blancpain-Fahrerlager beim heurigen Langstreckenrennen in Silverstone - Foto: Vision Sport Agency

Motorsport ist nicht nur rasant und gefährlich, er ist auch teuer – sehr sogar. Egal ob Formel-1-Bolide, Le-Mans-Prototyp oder Gokart: Ohne Moos stehen alle Räder still. Besonders klamm sind stets diejenigen Meisterschaften, die nur kaum in der Öffentlichkeit stehen, darunter die verschiedenen GT-Serien. Hier stützt sich die Szene größtenteils auf reiche Privatiers, die den Sport ganz einfach deshalb betreiben, weil sie Spaß daran haben. Tatsächlich kommen diese Privatiers aus Leidenschaft; kein Herrenfahrer im GT-Sport sucht das Rampenlicht. Motorsport-Magazin.com macht euch bekannt mit einigen der bestbetuchten "Gentlemen" aus dem Fahrerlager der Blancpain-Serie.

Wim de Pundert (ganz rechts) neben seinen Fahrern Dontje, Bacheta und Schmid (v. l. n. r.) - Foto: Yannick Bitzer

Heico Motorsport war das erste Team, das mit dem Mercedes SLS einen Sieg im GT Masters holte (2011). Schon damals involviert: der Holländer Wim de Pundert. Als der Mischdienstleister Heico sich 2013 aus dem Motorsport zurückzog, war es de Pundert, der den Wiesbadener Rennstall übernahm – passend zum Geschäftsmodell seiner HTP Investments, die seit 1990 kriselnden Unternehmen aus der Patsche hilft. Der Umsatz der HTP beläuft sich nach eigenen Angaben auf etwa eine Milliarde bei rund 6000 Mitarbeitern. Die vielleicht bekannteste Rettung: Knaus Tabbert. Der Reisemobil-Hersteller war das erste große deutsche Unternehmen, das nach der Lehman-Pleite 2008 dahinsiechte.

Karim Ojjeh (ganz links) auf dem Podium bei den 24 Stunden von Le Mans 2011 - Foto: Sutton

Er selbst sagt, er habe das mit dem Rennfahren nur noch mal probiert, weil er einen Grund gebraucht habe, abzunehmen. Der Saudi Karim Ojjeh ist der jüngere Bruder Mansour Ojjehs, dem Gründer der TAG-Holding. Die TAG wurde dadurch bekannt, dass sie jenen Porsche-Motor finanzierte, mit dem McLaren zwischen 1984 und 1986 dreimal die Fahrer-WM in der Formel 1 gewann. Nebst Ron Dennis ist die TAG heute der zweitgrößte Teilhaber der McLaren-Gruppe, beide halten je ein Viertel. Karim arbeitet als Manager bei der TAG; in seiner Jugend war es ihm nicht gelungen, sich im Motorsport durchzusetzen. Größter Erfolg seit seiner Rückkehr mit 38: der LMP2-Sieg in Le Mans 2011 auf Greaves-Zytek.

Audi-Fahrer Enzo Ide bei der Blancpain-Sprintserie 2014 im belgischen Zolder - Foto: Günter Kortmann

Enzo Ide schaut zwar ein wenig aus wie ein Panda im Rennanzug, doch der 25-Jährige Flame zählt zweifelsohne zu den schnellsten und ehrgeizigsten Amateuren überhaupt. In der Sprintserie startet Enzo auf eigenen Wunsch sogar als Profi, obwohl er von der FIA nur als Silberfahrer kategorisiert worden ist. Das nötige Kleingeld für seine Einsätze mit Audi verdient er sich bei seinem Vater Joris Ide, einem der weltweit größten Hersteller von Stahlprodukten für die Bauindustrie. Mit einem Werk in Ansbach ist die Ide-Gruppe auch in Deutschland aktiv; am Standort Brodswinden sind derzeit über 60 Mitarbeiter beschäftigt. Ide holte mit Unterstützung von Chris Mies und Robin Frijns heuer gar den Titel in der Sprintserie.

Nikolaus aka Niki Mayr-Melnhof in der Garage des Audi-Rennstalls Phoenix - Foto: Brecht Decancq

Wenn euch der Postbote ein Paket aus Karton bringt, dann kommt dieser Karton sehr wahrscheinlich aus den Mayr-Melnhof-Werken. Die Mayr-Melnhofs sind eine österreichische Uralt-Unternehmerfamilie aus der Holzindustrie und besitzen unter anderem den größten Karton- und Faltschachtelhersteller Europas. Über Audi-Kunde Niki Mayr-Melnhof wissen wir allerdings nur, dass er 37 Jahre alt ist, irgendwas studiert hat und, nun ja, dass seine Familie steinreich ist – mehr nicht. Seit jeher meiden die Mayr-Melnhofs die Öffentlichkeit, und so mag auch Niki nichts Privates preisgeben. Was wir aber noch sicher sagen können: Genau wie Markenkollege Ide ist Mayr-Melnhof einer der schnellsten aller Herrenfahrer.

Stephen Earle (Mitte) bei einer Feier zum zehnjährigen Jubiläum der GT3 in Silverstone - Foto: Vision Sport Agency

Dr. Stephen E. Earle ist sicherlich nicht der Reichste im Blancpain-Paddock, und doch verdient sich der Wirbelsäulen-Chirurg aus Texas genügend Mäuse, um alle paar Wochen in Europa Rennen zu fahren – mit Ferrari, wohlgemerkt! Obwohl schon damals über 40, ist Earle seit 1993 weit rumkommen in der Welt des GT-Sports: FIA GT, ALMS, Le Mans, GT Open. Dass er nun auf der Langstrecke so gut zurechtkommt, erklärt er sich damit, dass er bei seinen Wirbelsäulen-Operationen oft bis zu sieben Stunden hochkonzentriert bleiben muss. Anders als die meisten Herrenfahrer sticht Earle im Fahrerlager raus: Mit Pilotenbrille und Walrossbart kommt der "Racing-Doktor" unverkennbar als US-Südstaatler daher.


Weitere Inhalte:

Wir suchen Mitarbeiter