Exklusiv

Blancpain GT Serien - Interview - Hans Reiter

Die Kostenexplosion ist da

BoP, finanzieller Druck und zu wenig Krach: Das Reiter-Engineering-Oberhaupt sprach im Exklusivinterview über den Stand der GT-Dinge. Teil I.
von

Motorsport-Magazin.com - Zuallererst, Herr Reiter, eine unbequeme Frage: Ist die Balance of Performance (BoP) in diesem Jahr geglückt?
Nun, jeder meckert natürlich. Uns hat man vorne die Fahrzeughöhe komplett beschnitten. Ich hätte natürlich gerne mehr Fahrzeughöhe, aber ich sehe niemanden, der einen großen Nach- oder Vorteil hätte. Wir reden hier von Feintuning. Für kein Auto ist die BoP komplett daneben. In Monza war der Ferrari ganz vorne, in Zolder sah er hingegen kein Land - dafür haben wir gewinnen können. Es ist eben auch Abhängig von der Strecke.

Ist das Einfrieren der GT3-Homologationen ein richtiger Schritt?
Absolut! Denn wir stehen nicht etwa vor einer Krise, wir sind schon mittendrin. Es hat nur noch niemand realisiert. Die Hersteller verkaufen schlichtweg keine Autos mehr, weil es zu teuer geworden ist. In der Preisklasse von 350.000 Euro verträgt der Markt meiner Meinung nach nur 60 bis 70 Autos pro Jahr …

Wie sich Hans Reiter die jüngste Kostenproblematik im GT-Sektor genau erklärt, lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des Motorsport-Magazins. Das Magazin ist ab sofort im Handel erhältlich oder gleich hier online bestellbar.

Wie wird es mit dem vermeintlich preisgünstigen Camaro weitergehen?
Er kommt. Spa-Francorchamps war für das Auto einfach noch zu früh. Wir haben die Fahrzeuge von Yaco Racing zurückgekauft, um sie aus dem Verkehr zu ziehen; haben gerade keinen Stress. Die Wagen wurden zuletzt zerlegt und von Neuem aufgebaut. Billig kannst du immer verkaufen. Gerade in Asien ist die Nachfrage groß, weil der Camaro als Straßenwagen dort nicht verfügbar ist. Der ist eine noch größere Rarität als ein Lambo. Wir haben ihn letztes Jahr zu früh rausgegeben.

Foto: SaReNi United

Wie verwertet Reiter Engineering eigentlich die "alten" GT3-Fahrzeuge?
Der Lamborghini hat eine Basis aus dem Jahr 2004 und wurde immer wieder aktualisiert. Wir haben aktuell das neuste Kit namens FLII. Zum Beispiel ist der Wagen von Albert [von Thurn und Taxis; Anm. d. Red.] in der Blancpain Endurance Series aus dem Jahr 2010 und hat schon 20.000 Kilometer abgespult. Man muss nicht den neusten Stand haben, um in der GT3 dabei zu sein. Da die Autos auf dem Markt sind, wird´s für uns als Hersteller eng.

Mit Kundensport wirst du zwar nicht reich - du kommst so gerade über die Runden -, aber du lernst was.
Hans Reiter

Wie hoch ist der finanzielle Druck für einen privaten GT3-Konstrukteur?
Wir sind einer der effizientesten Hersteller, weil wir nur eine kleine Bude sind. Wenn ich fünf bis sechs Autos verkaufe, reicht mir das. Wenn man aber bedenkt, dass andere Hersteller noch eine riesige Firmenstruktur mitfinanzieren müssen, dann geht unter 20 Fahrzeugen gar nichts.

Wie funktioniert das finanzielle Modell bei Reiter?
Zum Teil finanzieren wir selber, wenn wir nur eine kleine Sponsorensumme haben und wir dann den Rest draufzahlen, um auf Rennen zu gehen. Zum Teil setzen wir Kunden ein. Mit Kundensport wirst du zwar nicht reich - du kommst so gerade über die Runden -, aber du lernst was. Du siehst, wo sich der Kunde schwertut. Wir haben einen Fehler gemacht, da wir mit viel Abtrieb fahren. Das können die Kunden gar nicht umsetzen. In der Simulation und für die Profifahrer ist das gut, aber die Kunden tun sich damit sehr, sehr schwer. Auf den Geraden ist man dann einfach langsam …

… und braucht mehr Nerven in den Kurven?
Ganz genau. Manchmal fehlt auch einfach die Fahrpraxis. Herrenfahrer klingt immer so negativ. Das sind oftmals Leute, die sehr gut fahren können, aber in der Zeit, in der der [Peter] Kox unzählige Kilometer testet, sitzen die im Büro und verdienen ihr Geld. Die haben dann am Ende der Saison 5.000 Kilometer abgespult, während der Kox bereits vor dem ersten Rennen 15.000 hat. Das kannst du nie aufholen.

RTL ist ein Sender, der nichts anbrennen lässt. Die werden pushen.
Hans Reiter

Wie zufrieden sind Sie mit dem neuen TV-Paket für BES und FIA-GT-Serie?
Die FIA-GT-Serie wird sich mit dem Fernsehpaket, das aktuell besteht, entwickeln. RTL bemüht sich wirklich. Wenn so weitergemacht wird, dann wird sie wachsen. Und zwar weil es für Profisport noch immer bezahlbar ist und mit der Schaltung vor den Formel-1-Rennen die Zuschauerzahlen gut sind. Auf RTL Nitro hängt es allerdings hinterher. Aber das liegt wohl eher an RTL Nitro und nicht an der Serie. RTL ist ein Sender, der nichts anbrennen lässt. Die werden pushen.

Der zweite Teil des exklusiven Gesprächs mit Hans Reiter wird am Mittwoch auf unseren Seiten erscheinen.


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