Blancpain GT Serien - Spa: Audi hadert mit Balance of Performance

Keine Chance

Audi landet zwar mit einem seiner R8-Boliden in Spa auf dem Podium, doch die Stimmung bei den Ingolstädtern ist gedrückt.

Motorsport-Magazin.com - Die Audi-Kundenteams waren bei den 24 Stunden von Spa mit dem Ziel angetreten, beim wichtigsten GT3-Langstrecken-Rennen um den dritten Sieg in Folge zu kämpfen. Am Ende sprang der dritte Platz heraus. Das aktuelle Reglement bremste den mit 18 Titeln sehr erfolgreichen Audi R8 LMS ultra drastisch ein. Bereits im Qualifying war dies mit den Startplätzen 20, 27, 30, 31, 32, 35 und 53 deutlich erkennbar. Sogar das Top-Fahrerteam von Audi hatten keine Chance. Rund eine Sekunde pro Runde verloren sie und ihre Teamkollegen regelmäßig bereits im schnellen ersten Sektor der 7,004 Kilometer langen Strecke auf ihre Konkurrenten.

Platz drei für André Lotterer/Christopher Mies/Frank Stippler war nach einer fast fehlerfreien Fahrt des besten Audi R8 LMS ultra in Spa ein hervorragendes Ergebnis. Ein Reifenschaden in der Nacht war die einzige Unregelmäßigkeit in den ersten 18 Rennstunden. Nach drei Vierteln der Distanz lag der GT3-Sportwagen im Design der roten Raute an dritter Stelle - allerdings mit vier Runden Rückstand.

Das Renntempo der Spitze konnten unsere Teams aufgrund der aktuellen Balance of Performance eindeutig nicht halten.
Wolfgang Ullrich

"Das Renntempo der Spitze konnten unsere Teams aufgrund der aktuellen Balance of Performance eindeutig nicht halten", analysierte Audi-Motorsportchef Dr. Wolfgang Ullrich. "Wir sind mehrfach überrundet worden. Das zeigt, wie groß die reglementbedingten Unterschiede im Feld waren. Wenn selbst unser Spa-Vorjahressieger Frank Stippler, Blancpain-Endurance-Meister Christopher Mies, DTM-Champion Mattias Ekström und unsere zweimaligen Le-Mans-Gewinner André Lotterer und Marcel Fässler bei diesem Rennen chancenlos waren, bleiben keine Zweifel. Unsere Fahrer mussten zum Ausgleich ein sehr hohes Risiko eingehen. Die Kunden von Audi hätten gerne wie 2011 und 2012 erneut um den Sieg gekämpft, doch das war diesmal unmöglich. Das ist sehr bedauerlich, denn das größte GT3-Rennen der Welt hätte gewiss einen intensiveren Wettbewerb aller neun Marken verdient gehabt."

Mit sechs Runden Rückstand erreichte der rote R8 des Belgian Audi Club Team WRT schließlich das Podium. Den zweitbesten Audi im Feld stellte das Team Phoenix Racing. Christopher Haase (D), Oliver Jarvis (GB) und Harold Primat (CH) zeigten eine stetige Leistung. Sie kamen mit dem zuverlässigen Audi R8 LMS ultra durch eine tolle Teamleistung bis auf den vierten Platz nach vorn. Seit der siebten Rennstunde hatte sich das Trio unter den besten zehn im Feld der 65 Starter behauptet. Pech hatte das zweite Phoenix-Auto, das sich Enzo Ide (B), Anthony Kumpen (B) und Markus Winkelhock (D) teilten. In der 20. Rennstunde schied der R8 LMS ultra Startnummer 16 nach einem Unfall von Enzo Ide aus.

Audi hatte zu kämpfen - Foto: V-IMAGES/Fabre

Zu Rennbeginn bestimmte innerhalb der Audi-Kundenteams die Startnummer 1 das Tempo. An fünfter Stelle liegend, konnte Stéphane Ortelli (MC) seinen Rennwagen zu Beginn der vierten Rennstunde nach einem Boxenstopp nicht mehr anlassen. Der Tausch eines defekten Starterrelais kostete das Belgian Audi Club Team WRT fünf Runden. Als wenig später ein Getriebeproblem auftrat, verzichtete das Team auf die Weiterfahrt. Der Zeitverlust hatte Ortelli und seine Mitstreiter René Rast (D) und Laurens Vanthoor (B) bereits aussichtslos zurückgeworfen.

Vielversprechend hatte auch das Rennen der Startnummer 13 begonnen. Mattias Ekström (S), Marcel Fässler (CH) und Edward Sandström (S) hatten sich von Startplatz 32 innerhalb der ersten fünf Stunden bis auf die siebte Position verbessert. Als Fässler kurz nach 23 Uhr vor der letzten Schikane einen Ferrari links überholen wollte, übersah ihn der Gegner und touchierte den Audi vehement. Der WRT-R8 prallte in die Streckenbegrenzung. Eine gebrochene Hinterradaufhängung bedeutete das vorzeitige Ende.

Es war offensichtlich, dass auch die besten GT- und Sportwagenpiloten von Audi in diesem Jahr in Spa keine realistischen Chancen hatten.
Romelo Liebchen

Nach 270 Runden war auch das Rennen der Startnummer 0 beendet. Matt Halliday (NZ) lag auf Platz 26, als er im Cockpit eine Reifenluftdruck-Warnung erhielt. Der WRT-Audi schlug kurz darauf in der Raidillon-Kurve in einen Reifenstapel ein. Dabei wurden nicht nur Karosserieteile und die Hinterradaufhängung beschädigt, sondern auch das Chassis. Der Neuseeländer und seine Teamkollegen Niki Mayr-Melnhof (A) und Rahel Frey (CH) mussten aufgeben.

Das Team United Autosports trat mit Will Bratt/Glynn Geddie/Alain Li/Mark Patterson (GB/GB/F/USA) in der Pro-Am-Kategorie an. Fahrwerks- und Karosseriereparaturen nach einem unverschuldeten Dreher warfen die Mannschaft schon in der Anfangsphase weit zurück. Ein seltener Defekt am V10-Aggregat, das seit Jahren in Kundenhand regelmäßig 20.000 Rennkilometer absolviert, bedeutete in der sechsten Rennstunde das vorzeitige Ende.

Romolo Liebchen, Leiter Kundensport der quattro GmbH, zog bei diesem Ergebnis eine gemischte Bilanz: "Sehr gerne hätten wir mit dem R8 in diesem Jahr nach dem Klassensieg in Daytona ein weiteres 24-Stunden-Rennen gewonnen. Unsere Kunden waren gut vorbereitet, doch es war offensichtlich, dass auch die besten GT- und Sportwagenpiloten von Audi in diesem Jahr in Spa keine realistischen Chancen hatten. Wir hoffen, dass der Audi R8 LMS ultra mit einigen Titelentscheidungen in der zweiten Jahreshälfte seine wahre Form zeigen kann."


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