Exklusiv

Bikes - Interview - Marvin Fritz

Die berufliche Zukunft geht vor

Marvin Fritz hat der Superstock 600 den Rücken gekehrt und plant nun mit der IDM. So will er Sport und beruflichen Werdegang unter einen Hut bringen.
von

Motorsport-Magazin.com - Marvin, du fehlst seit der Veranstaltung in Brünn in der Startaufstellung der Superstock-600-EM. Was war passiert?
Marvin Fritz: Das Meeting im Motorland Aragon war die letzte Veranstaltung, an der ich als Fahrer teilgenommen habe. In der Folgezeit gab es einige Terminüberschneidungen durch Prüfungen und meinen Ausbildungsplatz. Zu diesem Zeitpunkt habe ich entschieden, für den Rest der Saison nicht mehr zu fahren, da mir meine berufliche Zukunft und die damit verbundene Existenzsicherung in diesem Moment wichtiger waren. Grundsätzlich wäre eine Freistellung und die Anwesenheit zu den Rennen kein Problem gewesen, aber ich habe mir zu diesem Zeitpunkt die Frage nach dem Sinn des Ganzen gestellt.

Es ist also ein unglaublicher finanzieller Kraftakt erforderlich für eine Serie, die kaum Beachtung findet
Marvin Fritz

Was meinst du genau?
Marvin Fritz: Für einen Platz in einem konkurrenzfähigen Team muss man in dieser Klasse mit mindestens 60.000 Euro Mitgift rechnen. Solche Summen lassen sich in Zeiten von vorsichtigen Investoren und lahmender Wirtschaft allerdings nicht auftreiben. Es ist also ein unglaublicher finanzieller Kraftakt erforderlich für eine Serie, die kaum Beachtung findet. Selbst in der Fachpresse wird selten über unsere Rennen berichtet. Der journalistische Umfang beschränkt sich meist nur auf Ergebnistabellen. Ein weiterer wichtiger Grund sind für mich die Reisestrapazen und die damit verbundenen Kosten. Eine Anreise nach Portimao oder Aragon ist immer mit hohem Aufwand verbunden. Leider ließ sich dies alles nicht mehr zu 100 Prozent mit meiner beruflichen Tätigkeit in Einklang bringen.

Bleiben wir beim Thema Sponsoren. Lassen sich solche Summen bei Verhandlungen mit Sponsoren rechtfertigen?
Marvin Fritz: Nein, nicht wirklich. Man muss Sponsoren greifbare Dinge bieten. Wer solche Beträge investiert, verlangt zu Recht gewisse Gegenleistungen, wie zum Beispiel Artikel in der lokalen Presse oder Sponsorenbesuche bei den Rennen. Solche Dinge konnte ich den Leuten zu Zeiten bieten, als ich noch in der IDM unterwegs war. Bei Veranstaltungen wie in Portimao mit über 2 500 Kilometern Anreise sind solche Dinge dann eben nicht mehr möglich.

Wäre eine Rückkehr in die IDM ein logischer Schritt?
Marvin Fritz: Auf jeden Fall. Die IDM passt mit den acht jährlichen Veranstaltungen besser zu meinen privaten Planungen. Das Hauptaugenmerk liegt für die nächsten zwei Jahre erst einmal auf meinem beruflichen Werdegang. Ich spreche schon mit einigen Teams für die Saison 2013, allerdings kann ich noch nichts Genaues sagen. Ich plane auf jeden Fall, nächstes Jahr die komplette Saison in der IDM Supersport zu fahren. Fest steht, dass ich beim Finale in Hockenheim neben Marc Moser beim Team Triple M Racing eine Yamaha pilotieren werde.

Jetzt direkt in die Grand Prix-Szene zu gehen, wäre finanziell undenkbar und die IDM Superbike macht im Augenblick auch keinen richtigen Sinn
Marvin Fritz

Die Supersportklasse war für die Meister der letzten drei Jahre nicht unbedingt ein großes Karrieresprungbrett...
Marvin Fritz: Das stimmt, aber ich denke, diese Klasse ist mit Weitblick auf ein Engagement in der Weltmeisterschaft die beste Alternative und sie passt im erforderlichen Umfang am besten zu meinen derzeitigen Lebensverhältnissen. Jetzt direkt in die Grand Prix-Szene zu gehen, wäre finanziell undenkbar und die IDM Superbike macht im Augenblick auch keinen richtigen Sinn. Die Moto3 wäre sicherlich irgendwo interessant, ist aber für meine körperlichen Maße mittlerweile auch nicht mehr geeignet.

Grand Prix zu fahren, bleibt aber weiterhin ein Fernziel?
Marvin Fritz: Die Weltmeisterschaft zu fahren, ist natürlich immer das Ziel. Aber man muss abwarten, die Szene verändert sich zurzeit in gravierendem Ausmaß. Die wirtschaftlichen Probleme, speziell in Spanien, werden für die kommenden Jahre die Rahmenbedingungen auf dem Fahrermarkt verändern. Die ersten Auswirkungen sind heute schon zu sehen. Ein deutscher Fahrer bei Jorge Martinez 'Aspar' wäre vor ein bis zwei Jahren fast undenkbar gewesen. Ich hoffe, der Einstieg wird dann für uns deutsche Fahrer einfacher und nicht an solche unglaublichen finanziellen Bedingungen geknüpft. Bis dahin versuche ich, in der IDM gute Leistungen zu bringen, gute Voraussetzungen für mein berufliches Leben zu schaffen und vielleicht den Sprung mit einem guten Sponsor zu erreichen.


Weitere Inhalte:

Wir suchen Mitarbeiter