Neues Kapitel 2013: Der Option-Reifen - Auf den Spuren der Formel 1

Kein Geheimnis: Die DTM testet derzeit den Option-Reifen. Konkret ist noch nichts, aber Motorsport-Magazin.com liefert einen ersten Überblick über die neue DTM.

Vordergründig steht die DTM derzeit nicht im besten Licht da. Die Fans äußern aktuell ihren Unmut über die neue Zeitrechnung für die kommende Saison: Der Trainings-Freitag und das Warmup am Sonntag werden ersatzlos gestrichen. Doch hinter den Kulissen schrauben die Verantwortlichen an umwälzenden Änderungen, die die Aufmachung der Serie stark aufwerten sollen. Konkret ist die Rede vom Option-Reifen, einem Reifen, der wesentlich schnellere Rundenzeiten ermöglichen soll als der Standard-Reifen, gleichzeitig aber auch viel stärkeren Verschleiß aufweist. Vorweg sei gesagt: Noch ist nichts in trockenen Tüchern, derzeit arbeiten die Verantwortlichen an der Änderung und Anpassung des Technischen Reglements.

Motorsport-Magazin.com liegen jedoch konkrete Informationen vor und sollen einen ersten Vorgeschmack auf die neue DTM-Saison liefern, die verspricht, um einiges spannender zu werden als in den vergangenen Jahren. Dass der Option-Reifen ein konkretes Thema in der DTM ist, dürfte kein Geheimnis mehr sein. 2012 gab es bereits einige Vor-Tests, um sich mit dem neuen Reifen vertraut zu machen. Die fragile Mischung wurde im Laufe der Zeit weiterentwickelt und zuletzt von allen drei Herstellern bei einem gemeinsamen Test ausprobiert. Hört man sich im Fahrerlager um, freuen sich die Piloten auf die neue Mischung. Einhelliger Tenor: Dank der Option-Mischungen steht der Fahrer wieder verstärkt im Mittelpunkt und hat noch größeren Anteil an Erfolg oder Niederlage.

Zwar waren die Piloten in den vergangenen Jahren für ihre Ergebnisse hauptverantwortlich, doch wegen der neuen Denkweise der DTM - viele Einheitsteile sollen für einen ausgeglichenen Wettbewerb sorgen - hing doch einiges vom Material ab. Die Fahrer stießen nicht selten ans Limit der Autos statt ihrer persönlichen Fähigkeiten. Hier kommt der Option-Reifen ins Spiel: In der Saison 2013 müssen sich Fahrer und Teams erst einmal mit den neuen Mischungen vertraut machen, außerdem besteht nicht die Möglichkeit, den neuen Reifen auf allen Strecken zu testen. Wie sehr ein Reifen von äußeren Umständen - Wetter, Strecke, Asphalt und Setup - abhängig ist, konnte man zuletzt bestens in der Formel 1 beobachten.

Der DTM steht 2013 also ein Blindflug in gewisser Art und Weise bevor. Für zusätzliche Spannung sorgt die Tatsache, dass sich die Teams am Freitag nicht mehr auf die Strecke einstellen und Setupanpassungen vornehmen können. 90 Minuten Training am Samstag müssen ausreichen, schon kurz danach wird es ernst im Qualifying. Hier wird sich schnell zeigen, welches Team und welcher Fahrer sich am schnellsten auf die neuen Reifen einschießen kann und wer das beste Basis-Setup gewählt hat. Sicher ist bislang nur aus Reifensicht, dass die Option-Variante wesentlich schneller abbauen soll als der Standardreifen und Überholmanöver dadurch wesentlich einfacher werden.

Sollten zwei Fahrer im Duell gleichzeitig auf den Options unterwegs sein, halten sich die Überholmöglichkeiten natürlich weiter in Grenzen. Doch hier wird interessant sein zu sehen, wie das neue Reglement konkret aussieht. Der Zeitpunkt ist noch unklar, doch laut Informationen von Motorsport-Magazin.com wird eine Lösung angestrebt, die genügend Vorlauf vor dem Saisonstart lässt. Ein möglicher Termin der offiziellen Bekanntgabe könnten die ITR-Testfahrten im April in Hockenheim sein.

Derzeit macht es nur bedingt Sinn zu spekulieren, wie genau die neuen Regeln aussehen werden. Allein die Inkludierung der Option-Reifen bietet schier unendliche Szenarien: Aufhebung des Boxenstopp-Fensters, wann dürfen die Option-Reifen eingesetzt werden, wie viele Reifen stehen jedem Fahrer zur Verfügung, müssen zu Rennbeginn die gleichen Reifen wie im Qualifying benutzt werden, und so weiter. Wie auch immer das finale Reglement aussehen wird, dürfte eines klar sein: Die oftmals vermissten Überholmanöver in der DTM sollten wieder zunehmen, Prozessionen der Vergangenheit angehören.

Jedoch bringt allein die Hinzunahme der Option-Reifen wohl nur eine bedingte Veränderung der Rennverläufe - wegen der Gleichheit der Autos fehlen die großen Performance-Unterschiede, im krassen Unterschied zur Formel 1. Das Salz in der Suppe werden also die bereits erwähnten äußeren Umstände sein: Wetter, Rennverlauf und Safety-Car-Phasen. Reifenlieferant Hankook muss sich unterdessen keine Sorgen wegen negativer Werbung - sprich: ein Reifen, der sehr schnell abbaut - machen. Ähnliche Ängste herrschten zunächst auch bei Pirelli bei ihrem Engagement in der Formel 1, doch dank guter Kommunikation und Außendarstellung war schnell klar, dass sich das Verhalten der F1-Reifen ausschließlich auf den Rennsport bezieht.

Timo Scheider hatte bereits im Januar auf seiner Facebook-Seite angekündigt, dass 2013 mehr Farbe ins Spiel kommt und neue Technik eingesetzt wird. Mit dem Farb-Hinweis könnte der Audi-Pilot die unterschiedliche Kennzeichnung der Hankook-Reifen meinen, die dem Fan beim Verständnis behilflich sein sollen. In Sachen Technik könnte Scheider den verstellbaren Heckflügel meinen, der gerüchteweise getestet und eventuell 2013 zum Einsatz kommen soll. Doch auch hier gilt: Es wird viel spekuliert, doch konkret wird es erst, wenn das neue Reglement verabschiedet wurde.

Robert Seiwert, 15.02.2013

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