Mercedes beim Test in Jerez: Ausgebremst - 2 Tage - 29 Runden - 128 Kilometer

Schwieriger Auftakt für Mercedes bei den Testfahrten in Jerez: Nach zwei vorzeitigen Ausfällen fehlen dem Silberpfeil die so wichtigen Test-Kilometer.

29. So viele Runden konnte Mercedes an den ersten beiden Tagen der Testfahrten in Jerez drehen. Nico Rosberg fiel zum Auftakt am Dienstag nach 14 Runden mit einem elektronischen Problem vorzeitig aus, ein defekter Kabelstrang sorgte für ein aufsehenerregendes Feuerlodern an den Flanken seines Silberpfeils. Mercedes ließ den W04-Boliden zurück in die Boxengasse transportieren und verzichtete darauf, nochmal auf die Strecke zu gehen. Am Mittwoch wurde es jedoch nicht besser. Lewis Hamilton fuhr gerade auf seiner 15. Runde, als er am Ende der Gegengeraden auf dem Circuit de Jerez plötzlich in die Streckenbegrenzung knallte.

Ein Fahrfehler ist hier auszuschließen, vielmehr hatte Hamilton Probleme mit dem Bremsdruck. Bei einer Geschwindigkeit von mehr als 200 km/h fehlte dem Briten beim Bremsvorgang der volle Bremsdruck an der Hinterachse und so blieb ihm nicht viel anderes übrig, als in die Bande zu knallen und sich dabei seinen Frontflügel und einen Teil der Aufhängung zu zerstören. Mercedes hat zwar genügend Ersatz im Gepäck, um die defekten Teile auszutauschen, doch das Bremsproblem stellt die Mannschaft von Ross Brawn offenbar vor größere Probleme. Wegen der umgestalteten Aufhängung des Silberpfeils muss das Team nun eine Lösung finden, damit die Bremsleitungen nicht mehr am Bremssattel scheuern und rissig werden können.

"Das war ein weiterer, harter Tag für uns", sagte Rosberg am Mittwoch. "Aber morgen werden wir stärker daraus hervorgehen." Kinderkrankheiten sind während der ersten Testfahrten des neuen Jahres an der Tagesordnung - beim einen Team mehr, beim anderen weniger. Doch es muss sich schon eine größere Schwachstelle auftun, wenn der Tag schon so früh beendet werden muss, wie es bei Mercedes nun zweimal der Fall war. Neuzugang Hamilton, der beim Crash völlig unverletzt blieb, sorgte sich zunächst weniger um das Bremsproblem am Auto, trauerte den verlorenen Kilometer jedoch hinterher. Da es nur 12 Tage gibt, um das über den Winter gebaute Auto unter realen Bedingungen zu testen, kann jeder verlorene Kilometer schmerzhaft sein.

"Solche Dinge passieren und sind Teil der Tests", meinte Hamilton. "Natürlich ist es besser, wenn diese solche kleinen Probleme so früh wie möglich abstellen können und die Jungs arbeiten sehr hart daran, sie zu lösen." Wie groß die Probleme am Silberpfeil nun wirklich sind, ist noch nicht abzusehen. Am Donnerstag soll abermals Rosberg im Cockpit Platz nehmen und endlich die wichtigen Kilometer abspulen. Lediglich 128 Kilometer sammelte Mercedes in den beiden vergangenen Tagen. Da sieht es bei der Konkurrenz bedeutend besser aus. Mark Webber brachte es im RB9-Boliden auf bislang 174 Runden (770 km), Romain Grosjean spulte 149 Umläufe (659 km) im Lotus ab und Felipe Massa fuhr an den ersten beiden Tagen 142 Runden (628 km) im neuen Ferrari F138.

Zwei Tage bleiben Mercedes noch Zeit, um zumindest ansatzweise aufzuholen und weiteren Input für die Entwicklungsarbeit zu erhalten. Hamilton meinte, immerhin einen kleinen Eindruck über das Verhalten seines neuen Dienstwagens erhalten zu haben. "Mein Gefühl war positiv", sagte er. "Ich hatte ein gutes Verständnis zur Basis des Autos. An bestimmten Bereichen müssen wir noch arbeiten. Wir brauchen definitiv mehr Aero. Ich spüre den Unterschied zu McLaren."

Robert Seiwert, 06.02.2013

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