Marussias MR02 erstmals mit KERS - Bestmögliche aerodynamische Basis

Marussia fokussierte sich in den vergangenen Jahren auf die Aerodynamik, um nun erstmals mit KERS angreifen zu können.

"Eine umfassende Evolution des MR01, verstärkt durch KERS" umriss Marussia den Boliden für die Saison 2013. Am Dienstagmorgen enthüllte das russisch-britische Team unmittelbar vor den ersten Testfahrten des Jahres das neue Arbeitsgerät für Max Chilton und den noch nicht fixierten zweiten Piloten, bei dem es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um den amtierenden GP2-Vizechampion Luiz Razia handeln wird.

Vom MR02 erhofft sich das Team einen deutlichen Leistungsfortschritt, nachdem es bereits den letztjährigen Boliden als das erfolgreichste Paket der vergangenen drei Entwicklungsjahre bezeichnete. Der MR02 ist nun jedoch das erste Auto, das das Designteam von Marussia mit Hilfe von CFD und Windkanalarbeit entwickelte, wohingegen das Vorgängermodell rein CFD-entwickelt war. Marussia profitierte nun vom Windkanal und Simulator von McLaren Applied Technologies.

Coanda-Auspuff und KERS im Fokus

Vor einer besonderen Herausforderung standen die Designer, da sie das von Williams Advanced Engineering entwickelte KERS integrieren und gleichzeitig das Chassis leichter machen mussten, wobei die Festigkeit nicht vernachlässigt werden durfte, um den Anforderungen der FIA zu entsprechen. Ein sensibles Thema, denn Marussia scheiterte im vergangenen Jahr mehrmals an den Crashtests des internationalen Motorsportverbands und verpasste so alle Testfahrten vor der Saison.

Eine weiterer wichtiger Bereich war die Verbesserung der Kühlungseffizienz und demzufolge auch des Luftflusses über das Heck des Boliden. Dies zeigt sich an einem neuen Seitenkästendesign sowie einem aggressiveren Coanda-Auspuff, der nach Ansicht des Teams einer der Hauptentwicklungsbereiche der neuen Saison sein wird. Die wichtigsten aerodynamischen Elemente sollen allerdings erst bei den letzten Tests vor der Saison ans Auto gebracht und vorher ausführlich im Windkanal getestet werden. Einige Teile des mechanischen Designs des MR01 wurden derweil übernommen, um sich auf andere wichtige Bereiche, wie KERS, zu konzentrieren.

Erst die Basis, dann KERS

"Während wir über den Winter einige Veränderungen erlebt haben, konnten wir in einem Bereich, der für unsere Entwicklung vom jetzigen Zeitpunkt aus am wichtigsten ist, nämlich dem Design des 2013er Boliden, das von unserem Technischen Direktor Pat Symonds geleitet wurde, Stabilität genießen", erklärte Teamchef John Booth.

Seine Hoffnungen ruhen vor allem auf dem Energierückgewinnungssystem, was das Team aus gutem Grund erst ab dieser Saison einsetzt. "Wir haben es 2012 oft gesagt, dass, ungeachtet der beeindruckenden Schritte, die wir in anderen Bereichen unserer Entwicklung genommen haben, KERS - oder vielmehr das Fehlen dessen - der entscheidende Faktor für unsere Position im Vergleich zu unseren unmittelbaren Konkurrenten war." Booth erläuterte, dass das Team jedoch bewusst auf das System verzichtete, um erst die bestmögliche aerodynamische Basis zu schaffen, um KERS dann relativ einfach integrieren zu können.

"Wir befinden uns noch am Anfang unseres Entwicklungsprogramms vor der Saison, aber im Team herrscht großer Optimismus, was die vor uns liegenden Dinge angeht. Mit diesen Gedanken im Hinterkopf freuen wir uns alle darauf, den MR02 später an diesem Morgen bei seinem Streckendebüt zu beobachten", schloss er ab.

Annika Kläsener, 05.02.2013

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