M-Sport rätselt über das Wetter - Fahrer mit unterschiedlichen Informationen

Die M-Sport-Piloten Juho Hänninen, Nasser Al-Attiyah und Thierry Neuville gehen mit unterschiedlichen Emotionen in die Rallye Schweden.

Die größte Unbekannte bei der diesjährigen Ausgabe der Rallye Schweden ist das Wetter. Während Juho Hänninen von derzeit -15 Grad in Schweden spricht, fürchten nicht wenige Akteure, dass es zu Tauwetter kommen und Schotter durch die Schneedecke brechen könnte. Wichtig ist das Wetter auch in Bezug auf die Fahrweise: Bei eisigen Temperaturen können sich die Piloten an den Schneewänden anlehnen, um Zeit gutzumachen. Dennoch ist Vorsicht angesagt: Zu stark angelehnt und man wird in die Wand hineingezogen. Bei Tauwetter können die helfenden Wände ganz verschwinden.

Die Gefühlslage bei Juho Hänninen, Nasser Al-Attiyah und Thierry Neuville ist unterschiedlich: Al-Attiyah ist auf Schnee ganz sicher nicht zu Hause, mag jedoch Schnee-Rallyes, Hänninen kennt Schnee, ist jedoch noch nie in einem World Rallye Car in Schweden gestartet, während Neuville mit dem eisigen Geläuf nur sehr wenig anfangen kann. Al-Attiyah konnte vor kurzem die Katar-Rallye für sich entscheiden und tauscht nun die Sanddünen gegen Schneebänke aus. "Ich bin sehr froh, zurück in der Rallye-WM mit M-Sport zu sein und ich bin mir sicher, dass das eine spannende Rallye wird", so der Katari im Vorfeld der Rallye.

Al-Attiyah: Von Sand auf Schnee

"Ich mag Winter-Rallyes, aber natürlich sind sie schon anders als die Untergründe, auf denen ich mehr Erfahrung habe", so Al-Attiyah weiter. Er schätzt die Bedingungen potenziell schwierig ein: "Das ist dann aber für alle gleich", kommentiert er die Befürchtung, der Schotter könne durch die Schneedecke brechen und die Michelin-Spikereifen ruinieren. "Was auch immer die schwedischen Prüfungen für uns bereit halten, wir müssen alle dieselben Herausforderungen meistern." Den Sieg will er anderen überlassen: "Ich hoffe, einer meiner Teamkollegen gewinnt die Rallye - das wäre das bestmögliche Resultat bei meinem WRC-Comeback!"

Juho Hänninen macht sich ob der Bedingungen keine Sorgen: "Wir testen hier gerade und es hat -15 Grad; ich hoffe, es wird so bleiben. Kalte Temperaturen sind gut für die Straße. Wenn es so bleibt, können wir eine großartige Winterrallye erleben!" Der Finne hofft auf leichtere Aufgaben als bei der Rallye Monte Carlo, als die Bedingungen sich von Prüfung zu Prüfung änderten, und zumindest der Reifenhersteller kommt ihm entgegen: "Es gibt hier keine Auswahl bei den Reifen - das macht die Sache schon wesentlich einfacher!"

Neuville muss Spagat wagen

Doch das bringt einen weiteren Haken mit sich: Da die Bedingungen für alle gleich sind, gilt es, von Anfang an bei der Musik dabei zu sein. Die Charakteristik der Rallye verstärkt diesen Effekt zusätzlich: "Bei diesem Event muss man vom Start weg schnell sein. Die Rallye ist so schnell, dass es sehr schwierig ist, Zeit aufzuholen, wenn man auf den ersten Prüfungen geschlafen hat." Für ihn steht derzeit das Feintuning beim Fiesta WRC im Vordergrund: "Ich bin hier seit 2008 nicht gefahren, aber bin glücklich mit dem Fahrzeug. Wir versuchen, noch ein paar Dinge beim Setup in den Griff zu kriegen und alles sieht gut aus für die kommende Woche."

Weniger optimistisch ist Thierry Neuville: "Schnee ist wohl der Belag, den ich am wenigsten mag", gibt er zu. "Ich bin in Schweden nur einmal gefahren - letztes Jahr. Wir waren sehr vorsichtig unterwegs und waren daher nicht so konkurrenzfähig wie wir gerne gewesen wären. Dieses Jahr wird es schwieriger: Wir müssen ins Ziel kommen, aber gleichzeitig Pace zeigen und ein gutes Resultat für das Team holen. Es wird eine große Herausforderung, aber ich freue mich drauf."

Er selbst habe bereits Schotter durch den Schnee kommen sehen, so der Belgier, der derzeit mit seinen Teamkollegen in Schweden testet, weiter. Deshalb müsse man vorsichtig sein: "Wenn man sich sofort die Spikes abfährt, verliert man nicht nur auf dem Rest der Prüfung Zeit, sondern auch auf allen weiteren Stages des Etappenabschnitts." Auch aufgrund der Sicherheit wünscht er sich kein Tauwetter: "Es ist leichter für die Fahrer, wenn es Schneebänke gibt. Dann kann man das Fahrzeug schön um die Kurve leiten. Aber wenn man zu weit rauskommt und da keine Bänke sind, dann geht es direkt weiter ins Unterholz!"

Heiko Stritzke, 02.02.2013

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