Kent geht realistisch ran - Übung macht den Meister

Danny Kent freut sich auf die Moto2-Testfahrten und seine erste Saison in der mittleren Kategorie, nachdem er 2012 mit ersten Siegen erfolgreich Moto3 fuhr.

2012 schaffte Danny Kent den Durchbruch mit ersten Podestplätzen und Siegen in seiner zweiten kompletten WM-Saison. Gemeinsam mit seinem Teamkollegen Sandro Cortese steigt der britische Youngster nun in die Moto2-Klasse auf. "Ich arbeite wirklich hart, um den Schritt in die Moto2 zu gehen und trainiere viel mit James Toseland. Es wird mit dem doppelten Gewicht und der doppelten Power im Vergleich zu dem, was ich gewohnt bin noch viel härter", erklärt er bei Crash.net zu seinen Vorbereitungen auf die erste Saison im Tech 3 Moto2 Team.

Dabei sei sein Training mit Toseland definitiv hilfreich. "Alle wissen, dass er einer der fittesten Motorradrennfahrer ist und bei der Arbeit mit ihm ist mir aufgefallen, wie hart man trainieren muss", schilderte Kent, der den gleichen Manager wie Toseland hat und daher in Kontakt mit seinem Idol kam. "Meine Fitness ist schon jetzt besser als im letzten Jahr, daher denke ich etwas anders über die Dinge. Mein Geist ist stark und mein Körper ist stark für mein erstes Jahr in der Moto2."

Dabei war Kent schon am Ende der letzten Saison stark unterwegs und gewann zwei der letzten vier Rennen. "In der Vorsaison letztes Jahr war ich der schnellste KTM bzw. Moto3-Fahrer und schneller als Sandro, also sagten viele Leute, dass ich ein Titelanwärter sein kann. Aber ein Rennen zu Fahren ist ganz anders und es war erst mein zweites Jahr in der Weltmeisterschaft. Ich hatte nicht genug Erfahrung und glaubte nicht genug an mich selbst, um darum zu kämpfen." Etwa zur Saisonhälfte änderte sich das allerdings, als der Brite in Assen zum ersten Mal aufs Podest stieg. Plötzlich traute er sich auch Rennsiege zu.

"Wir hatten aber auch ein paar Probleme, weil wir mit KTM immer entwickelt haben und was das Material anging, lagen wir immer ein paar Rennwochenenden hinter Sandro. Als Nummer-Eins-Fahrer im Team bekam er das neue Chassis vor uns", erklärte Kent. Ab der Saisonmitte entwickelte KTM dann weniger, wodurch Kent und Cortese eine ähnliche Maschine hatten. "Deshalb lagen wir dann dichter beieinander und ich fühlte, dass wir ihn schlagen könnten."

Umstrittener erster Sieg

In Japan kam dann der erste hart erkämpfte Sieg. "Um ehrlich zu sein, ich wollte nur dieses Rennen gewinnen. Ich hatte meine erste Pole und es gab keine Teamorder. Außerdem sagte ich im Interview vor dem Rennen schon, dass ich das Rennen gewinnen werde, wenn ich es kann, und wenn das bedeutet, Sandro zu überholen würde ich das tun. Aber gleichzeitig würde ich nichts Dummes machen. Viele Leute denken, dass ich ihm genug Platz gelassen habe. Wenn ich Sandro in dieser Kurve nicht überholt hätte, dann wäre Tonucci an uns beiden vorbeigegangen und wir hätten stürzen können. Wenn man in der Einfahrt zur letzten Kurve im Windschatten ist, bleibst du nicht dahinter, du tust das, was für deine Karriere und dein Team am besten ist."

Einige Mechaniker seien danach wegen der verschobenen WM-Feier enttäuscht gewesen. "Aber meine Mechaniker waren glücklich und zu dieser Zeit hatte ich gerade erst meinen Vertrag für die Moto2 unterschrieben, also musste ich das tun, was das Beste für meine Karriere ist", fuhr Kent fort. Dass Cortese sauer auf seinen Teamkollegen war, konnte man kaum übersehen. "Sandro war nach dem Rennen wirklich wütend, aber als er dann runterkam und das Rennen nochmal ansah, sah er, dass ich überhaupt nicht nah an ihm dran war und dass es sein Problem war, als er Tonucci überholen wollte. Wir haben uns später mit dem Teamchef zusammengesetzt und für das nächste Rennen war wieder alles okay."

So viel wie möglich fahren

Nachdem Bradley Smith mit der Moto2 Maschine des Tech 3 Teams in der letzten Saison arg zu kämpfen hatte, wurde viel über das Chassis hergezogen. "Ehrlich gesagt denke ich nicht, dass das Chassis so schlecht ist, wie es die Leute machen. Als Bradley im ersten Jahr damit fuhr, stand er drei Mal auf dem Podium. Es gibt viele Leute, die mit Suter und Kalex fahren und sie haben eine Menge Feedback, um das Bike zu entwickeln, aber für die Mistral haben sie nur zwei Fahrer, also geht die Entwicklung langsamer voran", schilderte Kent, der 2013 ein brandneues Chassis bekommt.

Zum Testen kam Kent noch nicht lange: Bisher nur zwei Tage lang in 2012. "Aber jedes Mal, wenn ich auf das Bike stieg, habe ich etwas Neues gelernt. Es war ein guter Start und ich bekam ein gutes Gefühl für das Bike. Ich freue mich jetzt auf die offiziellen Testfahrten. Der Hauptunterschied ist, dass das Moto2 Bike viel schneller und schwerer ist, ich muss einfach so viele Runden wie möglich damit fahren."

Privat lebt Kent eher ruhig. Auf der Straße wird er selten von Fans erkannt, sollte ihn aber doch jemand bemerken freut er sich. "Das zeigt, dass die Leute Motorradrennen verfolgen. Es ist gut, dass es sich nicht nur um Fußball dreht und die Leute auch MotoGP gucken. Ich gebe auch gern Interviews, damit kann man seinen Namen etwas heraustragen und das hilft auch dabei, den Fans etwas zu übermitteln." Außerdem ist Kent leidenschaftlicher Zwitscherer (@DannyKent52). "Ich habe viele Fans, die dadurch [Twitter] mit mir reden und ich antworte so viel ich kann. Die Leute wissen oft nicht, was im Fahrerlager so los ist und freuen sich über einen Einblick. Meine Fans sind mir wichtig, ohne sie wäre ich nicht wo ich jetzt bin."

Maria Pohlmann, 29.01.2013

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