Zwei Stunden für sechs Kilometer

Ellen Lohr bloggt live von der Rallye Dakar. Beim Endspurt war Ellen natürlich wieder mittendrin dabei, stand dann aber im Stau...

Heute heißt es noch einmal richtig Kilometer machen. 441 an der Zahl, allerdings mit einer Unterbrechung über Asphalt von rund 60 Kilometern. Das dürfte die letzte Chance gewesen sein, für alle, die noch ihre Position im Gesamtklassement verbessern wollen.

Wir finden auf dem Weg nach La Serena tatsächlich am Wegesrand ein Hotel mit megaschnellem Internet. Das ist selten, gab`s in den vergangenen Tagen nicht wirklich. Wir nutzen das auch für einen Kaffee in der Sonne und lassen es uns gut gehen, soweit das arbeitend möglich ist. Als wir unsere Videos und Fotos hochgeladen haben machen wir uns auf die relativ kurze Strecke ins Biwak, aber wie schon in Arequipa/Peru gibt es auf den letzten Kilometern einen Megastau wegen zu hohem Zuschaueraufkommens. Sechs Kilometer vor unserem Ziel ist Schluss mit Fahren. Genau aus dem Grund sitze ich jetzt gerade auch auf dem Beifahrersitz, denn Arequipa hat uns gelehrt, dass sechs Kilometer schon mal zwei Stunden bedeuten können.

Da aber im Media-Zelt professionellerweise der Strom und die Internetverbindung bereits um neun Uhr abends gekappt werden (besonders schön an so Tagen wie heute, wenn die Teilnehmer erst um acht im Biwak erwartet werden) und der Zeiger bedrohlich Richtung neun Uhr läuft, muss ich einfach mal ins Blaue hinein vermuten. Die ersten sind nämlich bereits bei uns durch.

Demnach läuft es wohl für Peterhansel, denn er sollte vor de Villier ins Ziel gekommen sein. Auch Sousa auf Great Wall ist vorbei gefahren und der beste SMG Buggy von Chabot. Chicherit oder Kahle haben wir noch nicht gesehen, was zum jetzigen Zeitpunkt zwar noch nichts bedeuten mag, uns wäre aber wohler, wenn Matthias schon überholt hätte, denn die besten Mini sind schon seit längerer Zeit im Ziel, das zumindest steht fest.

Ziemlich bedrohlich fährt hier die chilenische Polizei. So sehen wir einen Beinahe-Unfall nur knapp 20 Meter vor uns. Zwar mit Blaulicht unterwegs, aber überholend auf dem Mittelsteifen, stellt sich im Gegenverkehr über eine Kuppe ein Ford mit stehenden Rädern quer und kommt erst Zentimeter vor dem grün- weißen Wagen zum Stehen.

Morgen fahren wir direkt zum Ziel, um möglichst viele Emotionen einzufangen. Erst danach geht es dann nach Santiago de Chile ins Hotel zur ersten warmen Dusche der letzten zwei Wochen.

Noch ein lleines Update eine Stunde und 1,2 Kilometer später. Inzwischen sind auch die ersten beiden Trucks an uns im Stau vorbei gefahren. De Rooy und ein Kamaz. Damit steht wohl relativ fest, dass der Dakarsieger in diesem Jahr ein Kamaz sein wird. De Rooy hat vielleicht den einen oder anderen eingeholt, denn er scheint zumindest zum Drittplatzierten heute einen deutlichen Vorsprung herausgefahren zu haben. Da wir nur noch diesen Text verschicken müssen, haben wir Hoffnung, dass wir irgendjemanden mit Internetzugang im Biwak treffen werden, offiziell macht das Media-Center gerade zu...

Ellen Lohr, 19.01.2013

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