Emotionaler Dakar-Start für Villiers und Zitzewitz - Die 13, Glück und Gefühle

Geheimtipp sagen die einen, Außenseiter sagen die anderen: Giniel de Villiers und Co-Pilot Dirk von Zitzewitz starten mit Rang neun in die Rallye Dakar.

Außenseiter bei den Buchmachern, Liebling abertausender Fans: Der Südafrikaner Giniel de Villiers und sein deutscher Co-Pilot Dirk von Zitzewitz sind vor großer Kulisse solide in die Rallye Dakar 2013 gestartet. Auf der ersten Etappe der legendären Wüstenrallye belegten sie im Toyota Hilux mit der Three-O-One den neunten Tagesrang.

Emotion und Wertung hoch drei und die 13 im Mittelpunkt: Auf dem Teilstück zwischen den beiden peruanischen Städten Lima und Pisco stand eine "nur" 13 Kilometer lange, aber sehenswerte und von zahlreichen Fans gesäumte Wertungsprüfung auf dem Programm, die angesichts viel Sand und erster Dakar-typischer Dünen hohe Wachsamkeit erforderte. Die hier erzielte Zeit ging mit dem Faktor drei in die Gesamtwertung ein.

Der Tag präsentierte sich den Teilnehmern mit zwei Gesichtern: In Lima stand der zeremonielle Start vor tausenden begeisterter Fans auf dem Programm, nach 250 Kilometern Verbindungsetappe entlang des Pazifiks folgte in den Außenbezirken Piscos die Auftakt-Wertungsprüfung - abermals von zahlreichen Zuschauern umjubelt.

Wetten, dass ...? 13:1 auf den Underdog

Geheimtipp sagen die einen, Außenseiter sagen die anderen: Giniel de Villiers und Dirk von Zitzewitz gehen wie im Vorjahr auch bei der Rallye Dakar 2013 als Underdogs in die insgesamt knapp 9.000 Kilometer lange Härteprüfung durch Peru, Argentinien und Chile - mit einem weitreichend vom Einsatzteam Hallspeed für Toyota Südafrika evolutionierten Hilux "made in South Africa". Eine Einschätzung, die auch die Buchmacher bestätigen: Für jeden auf Sieg der Three-O-One gesetzten Betrag erhält man derzeit bei führenden Sportwetten-Anbietern im Falle des unerwarteten Triumphs das 13-fache zurück. Dass andere die haushohen Favoriten sind, spiegelt sich auch hier: Die Seriensieger Stéphane Peterhansel/Jean-Paul Cottret und ihr im Vorjahr erfolgreicher X-raid-Mini werden mit einer Quote von 2:1 gehandelt.

In den Rhythmus einfinden

"Ein emotionaler und schöner Start in die Rallye Dakar. Die Begeisterung der Fans in Südamerika kennt bereits seit Jahren keine Grenzen. Egal, wohin man entlang der Dakar-Route kommt, rund um die Biwaks ist echte Volksfeststimmung angesagt. Der zeremonielle Start ist dabei immer etwas Besonderes", schwärmte de Villiers. "Auch heute sprang der Funke der Begeisterung über. Es hat sehr viel Spaß gemacht, so in die Rallye zu starten. Nachdem heute nur eine kurze Prüfung auf dem Programm stand, beginnt die Dakar erst morgen ernsthaft. Darauf freuen Dirk und ich mich sehr."

"Heute gab es kaum Spielraum für taktische Manöver", überlegte von Zitzewitz. "Üblicherweise sind so kurze Prüfungen wie heute nicht ausschlaggebend für den Erfolg. Entsprechend vorsichtig agieren die Teams. Durch den Faktor drei, der auf die erzielte Zeit angewendet wird, ist das natürlich ein ganz anderer Schnack. Es galt wachsam zu bleiben, keinen Fehler zu riskieren, aber dennoch nah am Limit zu sein. Uns ist es gelungen, eine gute Mischung zu finden. Ich denke, wir haben die Chance genutzt, uns in den Rhythmus der Dakar einzufinden."

Jede Sekunde hellwach sein

Teils Neuland, teils bekanntes Terrain erwartet die Teilnehmer der Rallye Dakar 2013 am zweiten Wettbewerbstag: Viel Sand und Dünen stehen teilweise wie im vergangenen Jahr auf der Agenda - damals bildeten sie den Abschluss der härtesten Wüstenrallye der Welt, 2013 gelten sie als Warm-up für kommende Aufgaben. "Wohl und Wehe liegt in den Dünen stets eng beisammen", so Giniel de Villiers. "Deswegen darf man auch diese Prüfung definitiv nicht unterschätzen und muss jede einzelne Sekunde hellwach sein."

Sein Beifahrer Dirk von Zitzewitz ergänzt angesichts der 243 Kilometer langen Wertungsprüfung, die zwei Dünenketten bereitstellt: "Ich rechne mit einem mittleren Schwierigkeitsgrad sowohl für Fahrer als auch für uns Navigatoren. Dennoch gilt es, seine Sinne beisammen zu haben und zusätzlich für die folgenden Tage zu schärfen. Denn dann wird es ernst."

Three-O-One, Fahrtrichtung links: Giniel de Villiers

Wenn es eine Vielseitigkeitsauszeichnung im Motorsport geben würde, Giniel de Villiers wäre ein heißer Kandidat auf den Sonderpreis für das Lebenswerk. Der sympathische und bodenständige Rennfahrer aus Stellenbosch/Südafrika feierte fünf nationale Meistertitel im Tourenwagen-Sport Südafrikas, besiegte dabei unter anderem seinen späteren Teamchef im Volkswagen-Werksteam Kris Nissen und weitere europäische Top-Stars, bevor er in den Marathon-Rallyesport wechselte.

Giniel de Villiers bezeichnet sich selbst als "outdoorsy person", den es stets an die frische Luft zieht. Egal, ob mit dem Jetski oder dem Mountainbike, Giniel de Villiers ist deshalb immer "in Action". Doch sportlich wie privat ist dabei kluge Besonnenheit ein absolutes Markenzeichen von "Ginny". Seine Vita weist deshalb auch beim zweiten Karriere-Weg abseits befestigter Straßen und permanenter Rennstrecken Herausragendes aus: Gemeinsam mit seiner Beifahrerin Tina Thörner (S) belegte er mit Volkswagen anno 2006 Rang zwei bei der Rallye Dakar - ein Meilenstein, denn nie zuvor hatte ein Duo mit Diesel-angetriebenem Fahrzeug eine bessere Platzierung erreicht.

Ausgerechnet bei der ersten Rallye Dakar außerhalb des Schwarzen Kontinents gelang 2009 der absolute Durchbruch, unterstützt von Co-Pilot Dirk von Zitzewitz: Gemeinsam feierte das Duo einen historischen Erfolg: Den ersten Sieg eines Afrikaners, den ersten eines Diesel-Automobils und den ersten in Südamerika überhaupt.

Three-O-One, Fahrtrichtung rechts: Dirk von Zitzewitz

Er ist nicht nur sprichwörtlich als Navigator geboren. Dirk von Zitzewitz erblickte das Licht der Welt an dem Ort, der ihm seit Jahren ein sportliches Zuhause ist: auf dem Beifahrersitz. Der aus Ostholstein stammende Co-Pilot gilt als einer der Besten seines Fachs. 2009 gewann er als Beifahrer gemeinsam mit Giniel de Villiers die erste jemals in Südamerika ausgetragene Dakar. Neuland? Für Dirk von Zitzewitz abseits befestigter Straßen der ideale Ort, sein instinktives Gespür zu zeigen, stets den richtigen Weg zu finden.

Der Erfolg und sein Renommee in der Szene sind keineswegs Zufall: Schon als Teenager spielte Zitzewitz mit einem Kumpel und einem klapprigen alten Moped "Dakar". Damals war das Event jung und international unbedeutend, zog den Offroad-begeisterten Norddeutschen jedoch bereits magisch an. Dirk von Zitzewitz gewann 15 Mal den Titel des Deutschen Enduro-Meisters, ehe er dreimal die Dakar auf dem Motorrad bestritt. Seit 2002 ist er mit unterschiedlichen Fahrern als Co-Pilot bei der Mutter aller Wüstenrallyes angetreten. 2012 schloss sich für Zitzewitz der Kreis: Zehn Jahre zuvor war er erstmals im Automobil angetreten - ebenfalls mit einem privat eingesetzten Toyota.

2013 geht die Kombination De-Villiers-von-Zitzewitz-Toyota in die nächste Runde. Dazwischen liegt ein großer sportlicher Erfolg: Insgesamt schlagen zehn Podiumsresultate, davon fünf Siege bei 33 Etappensiegen und 31 Führungstagen im Automobil zu Buche. Damit gehört Dirk von Zitzewitz schon heute zu den erfolgreichsten Marathon-Rallye-Beifahrern aller Zeiten.

, 05.01.2013

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