Viel Druck für Senna beim Heimrennen

Bruno Senna könnte am Wochenende sein letztes Rennen für Williams fahren, da das Team gerade in der Umstrukturierung steckt. Wo führt sein Weg hin?

Bruno Senna steht bei seinem Heimrennen unter gewaltigem Druck. Im Fahrerlager pfeifen die Spatzen von den Dächern, dass sich Toto Wolff im internen Williams-Machtkampf durchgesetzt habe und er in der Saison 2013 durch Valteri Bottas ersetzt werde. Das Senna-Management dementiert, er selbst sagt auch, man verhandle weiterhin nach allen Seiten und er hoffe auf ein gutes Auto für 2013. Ziemlich souverän übrigens - bei allem Medien- und Sponsorauftritten, die er hier ja in Massen zu bewältigen hat und wenn es darum geht, eine Stunde vor dem Qualifying Fußball-Idol Ronaldo durch die Williams-Box zu führen.

Allerdings gibt es schon einige deutliche Anzeichen, dass Frank Williams, der bis Abu Dhabi immer noch gegen die Senna-Auswechslung gewesen war, inzwischen wohl resigniert hat. Einer der Ingenieure, der sich nicht sicher ist, ob das alles so ganz der richtige Weg sei, meint, man sei nicht mehr Team Williams, sondern Team Toto. Wobei der Österreicher ja kürzlich selbst in einem englischen Sky-Beitrag ganz deutlich sagte, dass seine Ambitionen genau da liegen: Es sei allmählich an der Zeit, dass die Älteren in der Formel 1 mal den Jungen den Platz frei machten, sagte er da sinngemäß... Auch die Tatsache, dass am Freitag in Brasilien wieder Bottas im ersten Training fuhr, er damit auch die neuen 2013er-Reifen testen konnte und es keine "Sonderregelung" für Sennas Heimrennen gab, sind ein Indiz.

Senna kann 15 Millionen Euro Sponsorgelder mitbringen und auf eine deutliche Leistungssteigerung in der zweiten Saisonhälfte blicken, wie sein Renningenieur Tom McCullough bestätigt: "Wenn er nicht gerade technische Probleme hatte, die es sehr wohl eine Zeitlang gab." Gemeint sind die fünf Rennen von Spa bis Korea, in denen sein Frontflügel absolut nicht wie gewünscht funktionierte, was sich vor allem im Qualifying übel durch Balanceprobleme und ein unberechenbares Auto bemerkbar machte. Sennas Problem für die wohl anstehende Suche: Auch bei seiner zweiten guten Option hat er wohl weniger Chancen als noch vor zwei Wochen gedacht.

Denn seit Force India, wo er bei Teambesitzer Vijay Mallya lange ganz oben auf der Wunschliste stand, in Indien bei Investoren mehr als 60 Millionen Euro aufgetrieben haben will, steht dort der vor allem von Otmar Szafenauer favorisierte Adrian Sutil wieder in der absoluten Pole-Position für den Platz neben Paul di Resta.

Bliebe dann als Notlösung noch Caterham, wenn die Sponsoren diesen "Rückschritt" mitmachen und Senna sich entscheiden würde, dass das immer noch die bessere Alternative dazu ist, zu versuchen, bei einem Top-Team als dritter Fahrer unterzukommen und nebenbei in einer anderen Serie zu starten. Dabei könnte er dann dem zweiten Brasilianer, der noch einen Job sucht, einen Strich durch die Rechnung machen. Luiz Razia kann zwar auch auf acht bis zehn Millionen Mitgift hoffen ("Für ein kleines Team wie Caterham oder Marussia, für Force India etwa hätten wir noch mehr zusammen gebracht"), aber in dem Fall würde Caterham, wo man ja schon öfters Interesse an Senna gezeigt hatte, sicher dem den Vorzug geben.

Karin Sturm, 24.11.2012

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