Vettel: Allgemeine Inkonstanz war hilfreich - Der Weltmeister wird es sich verdient haben

Sebastian Vettel kann nicht leugnen, dass die allgemeine Inkonstanz im Feld der Formel 1 dieses Jahr eine Hilfe für ihn war.

Selbst für Sebastian Vettel ist es schwer vorstellbar, dass er am kommenden Wochenende in Austin seinen 100. Grand Prix fahren wird. "100 Starts, 100 Mal die erste Kurve überstehen. Wenn ich zurückschaue, dann scheint es so lange her, dass ich in die Formel 1 gekommen bin. Das zeigt mir, dass die Zeit förmlich verfliegt, wenn man etwas macht, das man wirklich genießt. Konzentrieren wir uns jetzt also auf die zweiten 100", sagte Vettel der offiziellen Website der Formel 1.

Erreicht hat er in seiner bisherigen Zeit in der Formel 1 bereits einiges: er hat zwei WM-Titel eingefahren, 26 Grands Prix gewonnen, stand 45 Mal auf dem Podest und hatte 35 Mal Pole Position. Und in diesem Jahr hat er durchaus die Chance, seinen dritten Weltmeister-Titel zu feiern, zwei Rennen vor Ende der Saison liegt er in der Fahrerwertung zehn Punkte vor Ferrari-Pilot Fernando Alonso. Dabei lief die Saison für Vettel bisher alles andere als glatt, weswegen er auch der Ansicht ist, dass es ihm half, dass allgemein die Inkonstanz vom Starterfeld Besitz ergriffen hatte.

Nie ein Motivationsproblem

"Das erste Rennen war gut - es brachte mir ein schönes Podest in Australien -, doch danach ging die Achterbahnfahrt los und das einzig Gute war, dass jeder bei dieser Fahrt dabei war", erklärte der Red-Bull-Pilot. Für ihn war es so, dass er manchmal nicht das seiner Meinung nach verdiente Ergebnis holte, andere Male aber doch. "Wir haben aber von Anfang an den Glauben behalten und kamen nie in die Situation, dass wir uns neu dazu motivieren mussten, da rauszugehen und um Siege zu kämpfen." Aufgrund dieser Motivation war er manchmal auch recht unzufrieden, wenn es für ihn nicht nach Wunsch lief und das zeigte er durchaus.

Aus seiner Sicht muss man sich dafür nicht schämen, wobei er auch festhielt, dass sich nach einem Rennen ohnehin nichts mehr ändern lässt. "Manchmal ist man wegen einer bestimmten Situation sehr verärgert über sich selbst, aber man kann die Zeit nicht zurückspulen und es ein zweites Mal probieren, also muss man es akzeptieren und weitermachen - sich auf Dinge konzentrieren, die man in Zukunft ändern kann und keine Zeit und Energie auf Dinge verwenden, die in der Vergangenheit liegen."

Mehr Verdächtige

Potential für frustreiche Rückschauen gab es aber durchaus, immerhin erlebte Vettel Rennen, in denen er ein gutes Auto hatte, aber nicht auf das Podest kam, im nächsten Rennen war das Auto ähnlich, aber der Sieg drin. "Oder derjenige, der vor zwei Wochen gewann, wird nicht besser als Fünfter oder Sechster. Das ist sehr anders als in den vergangenen Jahren, wenn man wusste, dass man mit einem guten Auto und einer guten Pace immer noch auf das Podest kommt, auch wenn jemand schneller ist, da immer nur eine Handvoll Leute es unter sich ausmachten. Dieses Jahr kann zwar nicht jeder gewinnen, aber der Kreis der Verdächtigen hat sich vergrößert."

Vettels größter Gegner war und ist aber Alonso, der sehr lange sehr konstant war, zuletzt aber nicht immer Glück hatte, als er unverschuldet aus Rennen geworfen wurde. Im Gegenzug erlebte der Deutsche einen Aufwärtstrend. "Wenn man sich die ganze Saison mit 20 Rennen ansieht, dann gibt es Zwischenfälle, die man nicht haben will, es gibt auch Ausfälle aufgrund von technischen Problemen. Solche hatten wir und hoffentlich liegt das hinter uns. Es ist sehr schwierig, so viele Rennen ohne Zwischenfälle zu fahren. Das ist nicht Teil der Kalkulation, aber man muss darauf vorbereitet sein, wenn es einen trifft, damit man nicht nur mit aufgerissenen Augen dasteht."

Früher konnte man sich sicherer sein

Vettel ist der Meinung, dass seine Ausfälle und jene von Alonso sich die Waage halten und der Fahrer Weltmeister werden wird, der es am meisten verdient - wobei er natürlich hofft, dass er es sein wird. Spannend wird es in jedem Fall, wobei der Red-Bull-Pilot es durchaus vorgezogen hätte, wenn es generell etwas langweiliger für ihn gewesen wäre. "Wenn man ein paar Jahre zurückdenkt: war man da zehn Runden vor Schluss in Führung, dann konnte man sich des Sieges ziemlich sicher sein. Heute kann bis zur Zielflagge alles passieren. Die Reifen halten das Ergebnis bis zu den letzten Metern offen. Wenn man auf der Jagd ist, kann man noch etwas ausrichten - und wenn man in Führung liegt, kann man noch verlieren", sagte Vettel.

Falko Schoklitsch, 12.11.2012

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