Olympiastadion spaltete Gemüter - Kein regulärer Wertungslauf möglich

Nach nur zwei Jahren sagt die DTM "Servus" zum Showevent in München. Die Fahrer hatten schon in der Vergangenheit eine gespaltene Meinung zum Event.

Das Aus für das Showevent im Münchener Olympiastadion ist besiegelt. Am Dienstag veröffentlichte die ITR den Kalender für die DTM-Saison 2013, in dem München nicht mehr vorgesehen ist. In einem Statement von ITR-Präsident Hans Werner Aufrecht heißt es, dass ein fairer Wettkampf unter den Bedingungen nicht möglich sei, und somit auch kein regulärer Wertungslauf stattfinden könne, was aber eine Voraussetzung für zukünftige Events gewesen wäre.

Schon lange vor der offiziellen Bekanntgabe gab es durchaus gespaltene Meinungen über das Event. Joey Hand zeigte sich zum Beispiel begeistert von der Idee: "Das Event im Olympiastadion ist schon ziemlich speziell. Solche Duelle, eins gegen eins auf einer Rennstrecke, habe ich in dieser Form noch nie erlebt. Mir hat es unheimlich viel Spaß gemacht." Doch nicht nur für die Fahrer selbst, auch für die Fans, so Hand, sei es eine einmalige Gelegenheit, so nahe am Motorsport zu sein.

Das Event aus der Zuschauerposition erlebte unfreiwillig Susie Wolff in diesem Jahr, weshalb sie ihre Eindrücke von außen schildern kann: "Leider war der Einzelwettbewerb für mich schon nach der ersten Runde vorbei. Aus Zuschauersicht war es für mich aber eine gelungene Veranstaltung." Für Martin Tomczyk war München ein doppeltes Heimspiel - seine Heimat Rosenheim liegt unweit der bayerischen Landeshauptstadt und BMW hat seinen Firmensitz gegenüber dem Stadion. "Die Stimmung war gestern und heute richtig klasse, und wir hatten hier eine Menge Spaß", schwärmte er vom Event.

Schön für die Fans, unberechenbar für die Piloten

Doch nicht jeder konnte der guten Show so viel abgewinnen. "Während es für die Zuschauer eine tolle Veranstaltung war, war es für uns Fahrer eine Lotterie. Es wäre ein großes Risiko, das zu einem Meisterschaftslauf zu machen", kritisierte BMW-Pilot Andy Priaulx das damalige Vorhaben. "Für gleiche Chancen muss man auf nur einer Strecke fahren", fügte er hinzu. Hintergrund ist, dass die Piloten die beiden verschiedenen Bahnen in stark unterschiedlichen Verhältnissen vorfanden.

"Das Stadiondach hat dafür gesorgt, dass auf einer Bahn zwei Kurven noch feucht waren, während die restliche Strecke komplett trocken war", erklärte der Brite, wie es zu solch unterschiedlichen Bedingungen kam. Er war bei weitem nicht der einzige, der den äußeren Umständen zum Opfer fiel. Das häufigste Statement nach einem verlorenen Lauf lautete durch die Bank: "Ich war auf der feuchten Seite, keine Chance."

"Ich bin nicht nur auf der schlechten Bahn gestartet, ich hatte auch keine neuen Reifen mehr. Da kam einfach alles zusammen und es hat nicht geklappt", schimpfte Dirk Werner. Die Reifenproblematik war der Tatsache geschuldet, dass nur ein bestimmtes Kontingent an Reifensätzen pro Fahrer zur Verfügung stand, und er damit das ganze Wochenende wirtschaften musste.

So richtig traurig werden die meisten Fahrer über den Verlust des Showevents nicht sein. Vor allem die Titelkandidaten fuhren oft nur mit gezogener Handbremse, um ihre Autos nicht zu beschädigen, damit ihre Meisterschaftsambitionen nicht unnötige Rückschläge erhielten: "Ich werde bloß versuchen, das Fahrzeug nicht zu beschädigen. Aber das sollte eigentlich kein Problem sein, schließlich reise ich nicht dorthin, um irgendetwas zu beweisen", sagte Gary Paffet vor dem diesjährigen Event.

Christian Menath, 23.10.2012

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