Spengler: Jetzt können wir nur noch feiern - Ein megageiler Tag für mich

Bruno Spengler hielt in Hockenheim trotz größtmöglichem Druck Gary Paffett stand und krönte sich zum Meister 2012 - danach kannte der Jubel keine Grenzen mehr.

Es war der erhofft große Knaller zum Abschluss: In einem an Spannung kaum noch zu überbietenden Titel-Thriller sicherte sich Bruno Spengler knapp vor Gary Paffett die DTM-Meisterschaft 2012. Die Zuschauer kamen dabei auf ihre Kosten, kämpfen die beiden großen Rivalen den Titel doch mehr als ein halbes Rennen lang im direkten Duell auf der Strecke aus. Am Ende war Spengler der glückliche Gewinner. Mit seinem ersten DTM-Championat, das er ausgerechnet in seiner ersten Saison mit BMW und der ersten des Herstellers in der neuen DTM überhaupt holte, streifte der Kanadier am Sonntag endgültig das Image des ewigen Zweiten ab, das nach mehreren gescheiterten Titelversuchen in den Vorjahren so langsam an ihm hängen zu bleiben schien. Nach der Zieldurchfahrt in Hockenheim kannten sowohl die Erleichterung als auch der Jubel beim 29-Jährigen keine Grenzen mehr.

"Es war ein sensationeller Tag und eine sensationelle Saison", konnte der neue Meister sein Glück noch gar nicht fassen, wohl wissend, bei wem er sich zu bedanken hatte. "Ich hatte so tolle Unterstützung vom Team. Sie haben das Jahr über alles getan, damit wir immer näher rankommen." Einen besonderen Dank richtete Spengler an Teamchef Charly Lamm und Motorsportdirektor Jens Marquardt. "Sie haben immer an mich geglaubt." Im Finale zahlte sich das aus. "Heute herrschte wirklich maximale Anspannung. Aber wir hatten dann gleich einen super Start und das war der Schüssel." Nach seiner Durchfahrtsstrafe für einen Frühstart in Valencia, habe er noch überlegt, es dementsprechend etwas vorsichtiger angehen zu lassen. "Aber ich war trotzdem noch aggressiv genug und das hat sich ausgezahlt. Der Start war einer der besten dieser Saison."

Dank an Rivale Paffett

Anschließend habe er sich sofort etwas von den Verfolgern absetzen können. "Ich hatte ein super Auto im Rennen, auch da hat das Team tolle Arbeit geleistet und den Wagen ideal präpariert. Ein Riesendank an alle, die geholfen haben", lobte Spengler. "Ich hatte im ersten Stint, aber auch zu Rennmitte eine starke Pace. Ich konnte pushen wie ich wollte und die Kurven angehen wie ich wollte. Alle im Team haben viel Druck gehabt und hart angegriffen, deswegen verdienen sie es auch alle, jetzt diesen Erfolg zu feiern", sagte der Hockenheim-Sieger, der jedoch betonte, dass es kein einfaches Rennen gewesen sei. Trotz der guten Anfangsphase hätte er Paffett schnell wieder formatfüllend im Rückspiegel gehabt. "Gary war aggressiv und schnell unterwegs, gerade am Anfang und auch noch einmal im letzten Stint."

"Mein Ingenieur hat mir am Funk gesagt, ich solle mehr pushen - und ich sagte ihm nur, dass ich schon am absoluten Limit bin. Da kam Gary näher und näher...", rief sich Spengler die Zitterpartie in Hockenheim noch einmal vor Augen. Am Ende hätten nur Nuancen den Unterschied ausgemacht. "Klar ist: An viel hat es heute nicht gelegen. Ein kleiner Fehler von mir und Gary wäre sofort dagewesen", war sich der Schnitzer-Pilot sicher, der das Duell an der Spitze als heiß und hart einordnete. "Aber ich will mich auch bei Gary bedanken. Es war die Saison über immer ein fairer Kampf und wir haben den Titel eigentlich beide verdient", zollte er seinem ehemaligen HWA-Teamkollegen Respekt.

Vier Siege im ersten Jahr

Doch im Sport sei es nun einmal so: "Es gibt am Ende nur einen Sieger. Es ist wie beim Tennis in einem Grand-Slam-Finale. Da sind auch die beiden drin, die den besten Job gemacht haben und heute hat es für mich gereicht." Glauben konnte der BMW-Star seinen Triumph noch nicht so richtig. "Ich muss dem Team einen Riesendank aussprechen: Vier Siege und eine grandiose Saison - das ist megageil für mich, es ist ein geiler Tag", jubelte Spengler und fügte hinzu: "Jetzt können wir nur noch feiern. Ich bin noch gar nicht wieder aufgewacht vom Verlauf dieser ganzen Saison. Das war dermaßen sensationelle Arbeit, die BMW geleistet hat und ich habe mit ihnen gleich in meinem ersten Jahr den Titel gewonnen." Nun sei er einfach nur glücklich, dass es für ihn und das Team gereicht habe.

Auch die allgemeine Teamleistung abseits des alles überschattenden Titelduells wollte Spengler würdigen. "Das war heute wirklich toll - wir haben fünf Autos in den Top-8, wirklich ein verrückter Tag." Dass es am Ende wirklich reichen würde, sei ihm aber keineswegs das ganze Rennen über so sicher erschienen. "Es war komisch: Ich war am Anfang viel schneller, auch im Mittelstint... aber im letzten Stint hatte ich so meine Mühe", meinte er abermals mit Blick auf Verfolger Paffett. "Erst ganz am Ende wurde es wieder besser und ich hatte wieder mehr Grip und das hat gereicht." Unter diesem ganzen Druck immer die Nerven zu behalten, sei mit die größte Herausforderung gewesen. "Ich war zwischendurch schon ein bisschen nervös, habe aber einfach nach vorne geschaut und mich konzentriert", räumte der Kanadier ein.

Nicht aus der Ruhe bringen lassen

Dass er nun ausgerechnet im ersten Jahr nach seinem Weggang von Mercedes den Titel gegen die alten Kollegen gewinnen würde, wollte Spengler nicht überbewerten - von Schadenfreude keine Spur. "Ich habe früher im Meisterschaftskampf einfach immer technische Defekte gehabt, sonst hätte es wohl auch schon bei Mercedes einmal zum Titel gereicht", glaubte der 29-Jährige. Als Paffett ihn auch in diesem Jahr im Finale am Ende vehement unter Druck setzte, habe er einfach kühlen Kopf bewahrt. "Wenn er näher gewesen wäre, wäre es schwer geworden, ihn hinten zu halten."

"Aber ich wusste, dass ich mich davon nicht rausbringen lassen darf - und selbst wenn er dran gewesen wäre oder es einmal einen leichten Kontakt gegeben hätte, ist es nicht so einfach, hier zu überholen - ich wusste das und habe mich deshalb irgendwann nur noch nach vorne orientiert", verriet der Neo-Champ sein Erfolgsgeheimnis. Erschwert habe die Sache aber seine Reifensituation. "Ich hatte im letzten Stint gebrauchten Reifen drauf. Gary war schneller, keine Ahnung was er drauf hatte - aber auch die Strecke hat sich dann ein bisschen verändert, was schlechter für uns war." Zusätzliche Sicherheit hätten ihm dann aber wieder seine Rundenzeiten in den letzten Umläufen gegeben.

"Am Ende konnte ich noch einmal zulegen und schneller fahren, wodurch ich ein bisschen weggezogen bin." Das eigentlich Entscheidende seien jedoch die makellosen BMW-Stopps gewesen - Spenglers zweiter Stopp dauerte gar nur 2,9 Sekunden, während bei Paffett etwas klemmte. "Unsere Stopps heute waren super - ich weiß, wie viel Druck für die Jungs das ist, keine Fehler machen zu dürfen." Sein glückliches Gesamtfazit lautete: "Dem Team Schnitzer und BMW jetzt den Sieg und den Titel heimbringen zu können - das ist überragend."

Frederik Hackbarth, 21.10.2012

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