Blog - Striktere Strafen gegen Rowdys - Wer nicht hören will...

Romain Grosjean und Pastor Maldonado fabrizierten 2012 fast mehr Kollisionen als andere Fahrer in den vergangenen Jahren zusammen. Damit muss Schluss sein.

"Schon wieder Grosjean!" Kaum war der erste Schreck nach der massiven Startkollision in Spa verflogen, gab es im Pressezentrum an der Strecke als auch in der Redaktion zuhause nur eine Reaktion: "Er hat es wieder getan!"

Die ersten sicherlich deftigen Worte fing sich Grosjean bereits an der Unfallstelle von Lewis Hamilton ein - hinterher wollte keiner der Beiden darüber sprechen, was gesagt wurde. Die neuesten Twitter-Geschichten waren es sicherlich nicht.

Für Grosjean war es nicht das erste Mal, dass er in diesem Jahr in eine Kollision verwickelt war oder diese auslöste - bereits sieben Mal krachte es mit seiner Beteiligung in Australien, Malaysia, Spanien, Monaco, Großbritannien, Deutschland und nun Belgien. Dabei hätte Grosjean nur auf sich selbst hören müssen. Am Samstagnachmittag sagte er noch: "Es gibt keinen Grund, in der ersten Kurve alles zu riskieren." Sein Kurzzeitgedächtnis reichte am Sonntag gerade mal 265 Meter.

Crash-Kids Maldonado und Grosjean

Der Schweizer mit französischer Lizenz war in diesem Jahr aber nicht der einzige Fahrer, der durch wilde Aktionen auffiel. Auch Pastor Maldonado zog mehr als nur ein Mal den Zorn der Kollegen und die Strafen der Rennkommissare auf sich. Neben der hohen Ersatzteilrechnung haben Grosjean und Maldonado noch eins gemeinsam: Beide stiegen jüngst aus der GP2 in die Königsklasse auf. Aus einer Nachwuchsserie, in der harte Manöver, verrückte Aktionen und jede Menge Karbonschrott seit einiger Zeit zum weniger guten Ton zu gehören scheinen.

Fernando Alonso hat davon nach seiner unschönen Erfahrung in Spa genug: "Das nimmt schon Ausmaße wie in den Junior-Klassen an. Manche Fahrer sollten einfach weniger Risiken eingehen", klagte der Spanier an. "An diesem Wochenende haben wir viele Unfälle in der GP2 und GP3 gesehen und danach auch in der F1. Es liegt an uns Fahrern, gesunden Menschenverstand und Respekt gegenüber den anderen Fahrern walten zu lassen."

Auch Teamchef Stefano Domenicali regte Veränderungen in den Nachwuchsserien an. "Man sieht in anderen Rennserien oftmals zu aggressive Fahrer, die alles versuchen, um Positionen zu gewinnen", sagte er. "Es ist wichtig, in diesen Fällen strikter vorzugehen. Dann wissen sie Bescheid, wenn sie in die Formel 1 aufsteigen."

Der Jugend ein Vorbild

Tatsächlich kommt es in der GP2 und vergleichbaren Serien immer wieder zu unnötigen Kollisionen und heftigen Unfällen, die auf mangelnde Erfahrung, aber auch zu harte Fahrweise der Piloten zurückzuführen sind. Sir Stirling Moss kritisierte vor einiger Zeit abermals, dass der Motorsport heute zu sicher geworden sei.

Zu sicher kann es gewiss nie geben, aber die Fahrer riskieren heutzutage sicherlich Manöver, die früher vielleicht zum Schlimmsten geführt hätten. Diese Angst fehlt vielen jungen Piloten, die selbst nach den heftigsten Abflügen und Überschlägen unbeschadet aussteigen und beim nächsten Rennen genauso hart zu Werke gehen. Unvergessen ist, wie Ricardo Risatti einst Timo Glock in Spa auf dem Weg in die GP2-Startaufstellung ins Auto fuhr!

Klar, auch Lewis Hamilton hatte in der vergangenen Saison eine unglückliche Phase mit vielen Kollisionen, fragen Sie mal bei Felipe Massa nach, und selbst ein Rekordweltmeister wie Michael Schumacher sorgt hin und wieder mit Aktionen wie gegen Rubens Barrichello in Ungarn für einen berechtigten Aufschrei. Der Großteil der hanebüchenen Unfälle geht jedoch auf das Konto der Jungspunde, denen der eine oder andere Klaps auf die Finger in den unteren Rennserien wohl nicht schaden würde.

Stephan Heublein, 03.09.2012

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