Jarvis warnt vor Kurzschlusshandlungen - Der Tanz mit dem Sparteufel

Das Zerren um Regeländerungen in der MotoGP für Kostensenkung hat gerade erst begonnen. Lin Jarvis meint, genaues Überlegen ist gefragt, keine Hauruck-Aktion.

Die MotoGP ist im Wandel – oder zumindest ist dies das angestrebte Ziel von Carmelo Ezpeleta. Um seine Sparpläne in der Königsklasse aber durchsetzen zu können, braucht er die Mitarbeit der Werke Honda, Ducati und Yamaha. Treffen sollen helfen, eine gemeinsame Basis zu finden, doch bislang scheinen die von der Obrigkeit gewünschten Regeländerungen für Einsparungen auf wenig Gegenliebe zu stoßen. Eine kritische Phase und Probe für die Beteiligten der Motorradweltmeisterschaft.

Zweifelnde Stimmen kamen bislang vor allem von Werksfahrern oder auch Crew Chiefs wie Jeremy Burgess – und auch Yamaha Leiter Lin Jarvis ist Vorsichtig, wenn es um die Pläne der Dorna geht. Nur in einem sind sich alle einig, dass etwas geändert werden muss, nur das 'Wie' ist umstritten. "Wir müssen offen für verschiedene Wege sein und über den Tellerrand hinaus blicken", gab Lin Jarvis auf MCN zu bedenken. "Wir müssen uns intelligente Lösungen einfallen lassen, Hauruck-Aktionen wären dumm. Alles muss genau durchdacht werden, für eine gute Zukunft."

Neben den Einsparungen will die MotoGP vor allem auch ein größeres Starterfeld, um die Show zu verbessern, einer der wichtigsten Punkte für Jarvis, wenn es zu den nächsten Besprechungen geht. Daneben geht es den Werken aber vor allem auch darum, durch die neuen Regeln nicht zu extrem eingeschränkt zu werden.

"Wenn man die technische Weiterentwicklung wegnimmt, dann nimmt man auch einen der Hauptgründe, warum die Hersteller eigentlich hier sind. In der MotoGP werden Ingenieure ausgebildet, sie werden an neue Grenzen gepusht, neue Ideen werden kreiert, die später in Serie übernommen werden. Wenn man ihnen die Gelegenheit wegnimmt zu entwickeln und zu lernen, dann nimmt man den Grund für die Teilnahme – und das ist gefährlich."

Es sei nicht die Frage ob man Limits einführt, sondern an welcher Stelle man diese ansetze. Eine Drehzahlbegrenzung sei zum Beispiel in Ordnung, denn diese ließe immer noch kreativen Freiraum auf anderen Sektoren. Eine einheitliche und kontrollierte Elektronik hingegen, bedeute Stillstand in diesem Bereich – etwas das zum Beispiel Yamaha nicht gern sähe, denn die Elektronik spielt mittlerweile auch in Serie eine tragende Rolle.

"Wir müssen also einen Weg finden, wie wir den Freiraum für Kreativität bewahren und gleichzeitig den Kosten ein Limit setzen."

Jule Krause, 17.12.2011

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