ADAC Rallye Masters - 3-Städte-Rallye als Hort der Kuriositäten

Zeitkontrollen mit Küchenuhren

Die kuriosesten Ereignisse der Traditionsrallye (24.10. - 25.10.08): Veranstalter lassen zur 45. "Mü-Wi-Bu" den Werdegang Revue passieren.

Motorsport-Magazin.com - Die "Mü-Wi-Bu", wie die Internationale München-Wien-Budapest liebevoll genannt wurde, sowie die spätere "3-Städte" als Kompaktrallye schrieben Geschichte im Driftsport. Aber auch außerhalb der Siegerlisten ist in den vergangenen 45 Jahren der Traditionsrallye, die am 24. und 25. Oktober wieder stattfinden wird, viel geschehen.

Hier eine kleine Auswahl der kuriosesten Ereignisse:

Mit dem "Wiener Schmäh" ist es das so eine Sache: Der eine mag ihn, der andere nicht. O.K. Klemenz zählte zu letzterem. Bei der Neuauflage der Mü-Wi-Bu 1969 pilotierte der Vorsitzende des AC Bavaria einen Opel Ascona. Am Vorstart der 18 Kilometer langen Sonderprüfung Balatonfüred in Ungarn schlenderte der Wiener "Quick Vic" Dietmayer auf das Auto des Bayern zu und empfahl: "Gell Opa, wenn Du uns nach zehn Kilometer anfliegen siehst, dann parkst Dich ein, aber hurtig." Angestachelt von der "Freundlichkeit" des Wieners legte der über 50-jährige Klemenz einen Husarenritt durch die ungarischen Wälder hin - mit dem vorzeitigen Einparken wurde nichts.

Die Sollzeiten bei der München-Wien-Budapest waren nicht wirklich großzügig bemessen, Ausnahmen waren die zeitlichen Vorgaben für Bayern auf dem Weg zur österreichischen Grenze. Beispiel 1967: Bei einer Zeitkontrolle im niederbayerischen Deggendorf war Ernst Suttrop eine Stunde zu früh. Der Altöttinger machte aus der Not eine Tugend und ging in einem Waldstück Pilze sammeln. Wie gut, dass es damals noch keine Gewichtskontrolle für das Fahrzeug gab: Mit fast 50 Kilogramm Schwammerl im Kofferraum fuhr Suttrop die Rallye bis Budapest und wieder zurück.

Die Fahrt an sich nach Budapest war für jeden Teilnehmer in den Anfangsjahren ein Abenteuer. Da stand die Zeitnahme in Ungarn dem in nichts nach. Mangels Stoppuhren verwendeten die Funktionäre für die Zeitkontrollen normale Küchenuhren zum Aufziehen. Bei Rundkursen mit mehreren Umrundungen mussten Zigaretten als Zähler her halten. Zwischenergebnisse erfuhren die Teilnehmer nicht. Der Schlusswagen der Rallye nahm jeweils die Kontrolllisten und Sonderprüfungszeiten mit, die allerdings erst in Budapest ausgewertet wurden.

Wer ist Lucky? So erging es auch den Verantwortlichen, als bei der letzten Mü-Wi-Bu-Ausgabe 1979 ein völlig Unbekannter auf dem Siegerpodest stand. Der selbst gewählte Name Lucky verrät es schon: Der "Glückliche" entschied mit seinem Fiat 131 Abarth auch noch den Mitropa Cup für sich. Mehr war dem Sieger nicht zu entlocken, außer, dass der Italiener von Beruf Sohn sei und seine Eltern dessen Rallye-Leidenschaft nicht erfahren dürften.

Nach der 3-Städte-Rallye 1983 stand Walter Smolej als neuer Deutscher Meister fest. Es wurde ausgiebig gefeiert, zwei Tage später war die Meisterschaft weg. Aufgrund der Berichterstattung in den Medien wurde ein schwäbischer Staatsanwalt an den Rallye-Piloten erinnert. Der Strafverfolger besaß zu dem Zeitpunkt etwas, das vier Monate vorher noch Smolej gehörte: dessen Führerschein, den er bei einer Polizeikontrolle dank 1,3 Promille Alkohol im Blut abgeben durfte. Smolej verschwieg seinen Führerscheinentzug und trat bei den Veranstaltungen mit einem österreichischen "Lappen" an. Das ließ sich auch der Verband nicht bieten und schloss den Verkehrssünder aus allen Rallyes aus, die er nach seiner Promillefahrt bestritten hatte. Neuer Deutscher Meister wurde Erwin Weber - mit Führerschein.




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