ADAC Opel Rallye Cup - Interview - Markus Fahrner

Die härteste Meisterschaft, die ich je gefahren bin

In einem hochdramatischen Saisonfinale sicherte sich Markus Fahrner gemeinsam mit seinem Beifahrer Michael Wenzel den ersten Gesamtsieg im ADAC Opel Rallye Cup

Motorsport-Magazin.com - ADAC Opel Rallye Cupsieger 2013 - wie hört und fühlt sich das an?
Einfach fantastisch. Ich bin jetzt erst mal froh, dass alles vorbei ist, und erleichtert über dieses Ergebnis. Es hätte ja auch alles ganz anders laufen können.

Nach den zwei Siegen zum Saisonauftakt fürchteten manche schon eine Zwei-Mann-Show von Michael und dir. Aber du hast früh geahnt, was euch noch blühen wird.
Genau. Die äußeren Bedingungen und die Prüfungs-Charakteristika haben uns bei den ersten zwei Rallyes in die Karten gespielt. Beim Auftakt im Erzgebirge waren es Schnee und Eis, beim zweiten Lauf in Sulingen die selektive Prüfung auf dem IVG-Gelände. Aber wir wussten, bei den folgenden Rallyes in Stemwede und Niedersachsen wird´s härter. Wie stark das Feld im ADAC Opel Rallye Cup ist, war uns zu diesem Zeitpunkt schon klar.

Ich bin jetzt erst mal froh, dass alles vorbei ist, und erleichtert über dieses Ergebnis
Markus Fahrner

Es wurde immer enger vorne. Wer siegen wollte, musste jederzeit voll attackieren.
Du durftest nicht eine Sekunde lockerlassen. In Stemwede sind wir in der ersten Prüfung gleich mal rausgerutscht. Die 10 Sekunden Rückstand, die wir uns da eingefangen haben, waren bis zum Abend nicht mehr wettzumachen. Und dazu kommt man oft an eine Ecke, in der es wenig zu gewinnen, aber viel zu verlieren gibt. Da sind Michael und ich ab und zu eben nicht mit 100 Prozent Einsatz durch. Die Jungen halten da in der Regel einfach voll drauf. Und wenn das klappt, ist es eben auch richtig schnell.

Je schwieriger die Bedingungen, desto besser der Fahrner. Das hast du beim WM-Gastspiel des Cups im Rahmen der ADAC Rallye Deutschland oder auch deinem verregneten Heimspiel rund um Heidenheim gezeigt. In beiden Fällen habt ihr euren Mitbewerbern klar die Grenzen aufgezeigt.
Dabei dachten wir eigentlich, wir würden uns bei der Deutschland-Rallye gegen Marijan Griebel schwerer tun, weil er die Rallye in den zwei Vorjahren gefahren war und wir seit sieben Jahren nicht mehr dort gestartet waren. Keine einzige Prüfung war mit denen von damals identisch. Aber Marijan hat natürlich immer in erster Linie auf die Juniorwertung geschaut und vielleicht nicht alles riskiert. Wir allerdings auch nicht, denn das war so eine Rallye, in der ein kleiner Fehler alles ruinieren konnte. Es hätte ja ein einziger unter den vielen Hinkelsteinen auf der Panzerplatte genügt. Das richtige Maß zwischen Vorsicht und Angriff zu finden, war da besonders schwierig. Aber ganz ehrlich: Im Nachhinein wüsste ich gar nicht, was wir bei der Deutschland-Rallye anders gemacht haben als sonst. Aber sie war natürlich ein gefundenes Fressen für uns, ganz klar.

Andererseits sind auch Routiniers nicht gegen Patzer gefeit. Die ADAC Ostsee-Rallye habt ihr in WP2 in einem Graben beendet.
Das gehört dazu. Fehler machen die Jungen wie die Alten. Wir sind alle Menschen. Aber nach dem großen Erfolg bei der Rallye Deutschland hat uns dieser Abflug ganz schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurück geholt.

Der ADAC Opel Rallye Cup war eine der stärksten Meisterschaften, die ich je gefahren bin, wahrscheinlich sogar die stärkste.
Markus Fahrner

Uns Zuschauern und Fans hat er dafür ein Saisonfinale beschert, das an Dramatik nicht zu überbieten war. Ihr habt den ganzen Tag mit Christian Allkofer und Marijan Griebel um die Führung gekämpft und schient im Titelkampf alles im Griff zu haben - bis zur achten Wertungsprüfung.
Wir hatten uns selber recht sicher gefühlt. Eine WP haben wir ein bissl verbummelt, aber wir wussten, wir können notfalls zulegen. Und dann taucht am Beginn der zweiten Runde von WP8 ein schnelleres Kit-Car im Rückspiegel auf. Ich lasse es vorbei - und im selben Moment verhält sich das Auto ganz komisch. Mir war sofort klar, dass wir ein Problem im Antriebsstrang haben. Irgendwie haben wir es bis ins Prüfungsziel geschafft. Dort haben wir sogar kurz überlegt, ob wir das Auto stehen lassen, um nicht noch mehr kaputt zu machen. Doch dann haben wir uns gesagt: Versuchen wir uns mit nur einer Antriebswelle in den Service zu schleppen und hoffen, dass die Differenzialsperre das aushält.

Damit spielte die gesamte bisherige Saison eigentlich keine Rolle mehr. Dass Griebel die 3-Städte-Rallye gewinnen würde, war klar. Ihr hattet nur noch eine Chance - in beiden abschließenden Prüfungen Bestzeit fahren, um die fünf Bonuspunkte mitzunehmen. Sekt oder Selters, alles oder nichts ...
Ganz genau. Also mussten wir noch mal volles Rohr über die Sprungkuppe, von der uns schon nach dem letzten Mal der Rücken weh getan hatte ... Und um ein Haar hätte uns Christian Allkofer schon in WP9 einen Strich durch die Rechnung gemacht. Es hat uns wirklich nur hauchdünn zur Bestzeit gereicht. Damit waren wir noch im Spiel und haben in der letzten Wertungsprüfung wieder alles riskiert. Es hat zum Glück geklappt - um eine einzige Sekunde vor Griebel, der wie wir alles riskieren musste. Es war eine große Genugtuung zu sehen, dass wir auch auf solch einer Wertungsprüfung, in der es im Wesentlichen nur aufs Gasgeben ankommt, noch was draufpacken können, wenn es nötig ist. Für solche Situationen betreiben wir diesen Sport, und dafür lieben wir ihn.

Du hast in deiner Karriere einiges gesehen. Also darfst du dir auch ein ehrliches Urteil über den ADAC Opel Rallye Cup erlauben. Bitte sehr ...
Der ADAC Opel Rallye Cup war eine der stärksten Meisterschaften, die ich je gefahren bin, wahrscheinlich sogar die stärkste. Der Konkurrenzkampf war unglaublich, es gab nicht nur ein oder zwei schnelle Gegner, sondern mindestens zehn. Der Cup-ADAM ist ein tolles Rallyeauto, macht einen Riesenspaß und ist richtig schnell. Mit unseren nur 140 PS sind wir mehrmals in die Top-10 der ADAC-Rallye-Masters-Gesamtwertung gefahren, gegen teilweise dreimal so starke Fahrzeuge. Das sagt eigentlich alles. Und auch abseits der Wertungsprüfungen hat der ADAC Opel Rallye Cup ein Riesen-Niveau an den Tag gelegt. Wenn ich mir die Bilder des Opel-Serviceplatzes und unseres schicken Hospitality-Zeltes anschaue, werde ich jetzt schon ganz wehmütig. Was der ADAC und Opel da aufgezogen haben, ist einfach toll. Es gibt für junge Talente nichts Besseres. Denn in diesem Cup weißt du sofort, was Sache ist und wie gut du wirklich bist.


Weitere Inhalte:

Facebook
Wir suchen Mitarbeiter
x