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ADAC GT Masters - Patric Niederhauser und sein Huracán GT3

Der Stier unter den GT3-Boliden

Lamborghini gebührt ein eigenes Kapitel in Italiens langer Motorsportgeschichte. Lamborghini-Junior Patric Niederhauser über seinen Dienstwagen.
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Motorsport-Magazin.com - Hübsche Frauen, Gangster, Sonne, Palmen und vor allem eins: geile Autos. Die älteren Semester unter unseren Lesern werden sich an Hauptdarsteller Don Johnson erinnern, der in der US-Krimireihe Miami Vice im weißen Lamborghini Countach auf Verbrecherjagd ging. Ein Traum eines jeden Jungen, einmal selbst hinter dem Steuer eines "Lambo" zu sitzen. Diesen hat sich der Schweizer Motorsportler Patric Niederhauser erfüllt, als er 2015 zum Lamborghini GT3-Junior ernannt wurde. Im Huracán GT3 fuhr er 2016 in der Blancpain GT Series und im ADAC GT Masters um die Punkte und erklärt Motorsport-Magazin.com sein Auto.

Das Grundprinzip des Huracán GT3 basiert auf einer ausgefeilten Aerodynamik "Der Lamborghini Huracán GT3 ist technisch extrem weit entwickelt. Die besondere Stärke des Autos ist die Aerodynamik", erklärt Niederhauser."Allerdings reagiert das Fahrzeug sehr sensibel auf Veränderungen der Fahrzeughöhe, weil sich dadurch der Frontsplitter und die Front-Aerodynamik stark verändern. Das wirkt sich auf das gesamte Fahrverhalten aus. Das Design des Lamborghini spiegelt sich auf der Strecke wider. Weil wir relativ wenig Drag, also Luftwiderstand, haben, hat der Huracán einen ziemlich guten Topspeed im Vergleich zur Leistung, die uns zur Verfügung steht."

Extravagantes Design und bullige 500 PS unter der Haube

Für uns Fahrer fühlt es sich nämlich an wie ein Ritt auf dem Bullen, der einen versucht, abzuwerfen. Wenn du es aber schaffst, macht es unheimlich Spaß und du bist pfeilschnell.
Patric Niederhauser

Niederhausers Team Attempto Racing setzte 2016 auf Extravaganz in der Optik. "Wir haben bei einigen Rennen ein Raubtiergebiss vorne auf dem Kühler aufgemalt", erklärt der Schweizer. "Die Zähne signalisieren die Charakteristik des Autos ziemlich gut. Es ist bissig, zeigt Zähne und ist aggressiv. Und entsprechend schwierig ist es, das Biest zu bändigen. Ich fahre ständig am Limit, bin damit aber auch verdammt schnell." Angelehnt an den Stier im Wappen des Traditionsrennstalls hat Niederhauser einen interessanten Vergleich parat: "Ich würde den Huracán GT3 am ehesten mit einem Stier vergleichen. Für uns Fahrer fühlt es sich nämlich an wie ein Ritt auf dem Bullen, der einen versucht, abzuwerfen. Wenn du es aber schaffst, macht es unheimlich Spaß und du bist pfeilschnell."

Bulle mit Biss: Der Huracán GT3 - Foto: ADAC GT Masters

Ein 5,2-Liter V10-Motor ist das Herz des Lamborghini Huracán und erzeugt im Heck eine Leistung von etwa 500 PS. "Wir fahren einen Saugmotor ohne Turbo. Das kommt uns auf der Strecke zugute", so Niederhauser. "Gegenüber den Turbomotoren fehlt uns zwar ein wenig Drehmoment. Dafür haben wir aber oben heraus etwas mehr Leistung zur Verfügung in den höheren Drehzahlen. Und der Sound des Lambos ist brachial - ein Traum."

Ass im Ärmel: Die Aerodynamik

Durch das aggressive Design von Niederhausers Dienstauto bedarf es aerodynamischer Kniffe, um die volle Leistungsfähigkeit zu entfalten. "Hier liegt der Teufel im Detail. Wir haben einen sehr effizienten Unterboden, der auch viel Abtrieb produziert", erklärt der Schweizer. "Auch weitere Kleinigkeiten am Huracán sind sehr gut verarbeitet und designt, damit wir trotz des hohen Abtrieblevels möglichst wenig Luftwiderstand haben. Zu diesen Details gehört beispielsweise der Aufbau der Seitenspiegel. Viele Einzelheiten, die im gesamten zur aerodynamischen Effizienz beitragen."

Das Fahrverhalten des Bullen hängt stark vom gewählten Setup ab, wie Niederhauser erklärt: "Wegen der ausgeklügelten Aerodynamik ist der Huracán schwierig abzustimmen und reagiert sehr empfindlich auf Setup-Änderungen. Der Lambo hat die Tendenz, dass er Mitte der Kurve untersteuert, am Kurvenein- und -ausgang aber eher übersteuert. Bei Höchstgeschwindigkeit ist er etwas nervös. Die Motorposition im Heck fällt ins Gewicht, wenn es um Reifenabbau geht. Der Hinterreifen wird extrem beansprucht." Vor allem im letzten Abschnitt eines Stints mache sich der Abbau der Hinterreifen bemerkbar. "Dadurch neigt das Auto mehr zum Übersteuern", so Niederhauser. "Das kenne ich aber aus der GP2 und passe meinen Fahrstil entsprechend an."

Der Huracán GT3: Aggressives Design - Foto: ADAC GT Masters

An den Hörnern gepackt: Das Lenkrad

"Bei einem GT-Fahrzeug ist die Kupplung nicht in der Pedal-Box, sondern am Lenkrad. Ähnlich wie in der Formel 1 haben wir zwei Kupplungswippen, die wir zum Anfahren und zum Stoppen benötigen", klärt Niederhauser auf. Neben allen Extras hat auch der Huracán GT3 die Schaltwippen am Lenkrad angebracht. "Ansonsten hat das Lenkrad des Huracán eine Armada an Knöpfen. Dazu gehören Speed Limiter, Funk und Lichthupe. Uns bietet sich desweiterem die Möglichkeit, per Knopfdruck die Traktionskontrolle und das ABS zu verstellen. Beide Fahrhilfen können wir über acht Stufen feinjustieren. Ein großes Display auf dem Lenkrad, über das wir mehrere Seiten abrufen können, liefert uns sämtliche Informationen der ganzen Sensoren, die am Auto angebracht sind. Die Bremsbalance können wir elektronisch über die Mittelkonsole ändern."

Technische Daten

Motor:V10-Saugmotor
Leistung:Ca. 550 PS
Hubraum:5.200 ccm
Getriebe: Sechs Gänge, sequenziell
Gewicht: 1.225 kg

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