Exklusiv

24 h Nürburgring - Interview - Scheider offen: Deshalb habe ich Audi abgesagt

Ziel: Teamkollegen in den Arsch treten!

Timo Scheider exklusiv bei Motorsport-Magazin.com: Warum er Audis Angebot ablehnte und zu BMW ging, seine Sorge vor Fan-Ärger und den Faktor Geld.
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Motorsport-Magazin.com - Timo, du startest dieses Jahr für BMW beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?
Timo Scheider: Audi hatte mir im Nachgang von dem, was alles im vergangenen Jahr passiert war, ein Angebot gemacht. Wir haben uns zusammengesetzt, aber das Angebot war für mich einfach nicht interessant genug. Parallel dazu habe ich mich umgeschaut: Wer interessiert sich für mich? Wie hoch ist mein Marktwert? Mit wem würde ich gern zusammenarbeiten? Da war natürlich BMW als Gesprächspartner weit oben auf der Liste. Nachdem ich das Angebot von Audi abgelehnt hatte, habe ich geschaut, was am meisten Sinn macht.

Da kam BMW ins Spiel...
Timo Scheider: BMW hat mir eine tolle Perspektive geboten. Wenn man den globalen Markt betrachtet, gibt es nicht so viele Premiumhersteller, die auf einem Top-Level agieren. BMW gehört für mich zur absoluten Spitze und die Gespräche verliefen sehr gut. Über die kompletten Vertragsdetails möchte ich aber nicht sprechen.

Dabei hatte Audi Ende letzten Jahres doch angedeutet, weiter mit dir arbeiten zu wollen. Wieso kam es nicht dazu?
Timo Scheider: Speziell der Vorstand von Audi war sehr daran interessiert, weiter mit mir zu arbeiten. Es war ein schönes Gefühl zu sehen, dass meine elf Jahre dort geschätzt wurden. Für die Chancen und Möglichkeiten bei Audi war und bin ich heute noch sehr dankbar.

Das, was man mir jetzt angeboten hatte, stand in keinem Verhältnis.
Timo Scheider

Aber das, was man mir jetzt angeboten hatte, stand in keinem Verhältnis. Deshalb habe ich meine Entscheidung getroffen - speziell nach der großen Enttäuschung, wie es letztes Jahr lief. Auch aus menschlicher Sicht war die Entscheidung dann relativ einfach für mich, um künftig nicht mehr das Geschehene im Hinterkopf zu haben. Jetzt erwarten mich neue Herausforderungen und ich finde es toll, im Herbst meiner Karriere noch mal eine richtig schöne Perspektive geboten zu bekommen.

Danke, Timo! Scheiders beste DTM-Momente: (05:17 Min.)

Die Reaktionen deiner Fans auf den BMW-Deal fielen sehr positiv aus. Hat dich das überrascht?
Timo Scheider: Ja, das hat mich sogar sehr überrascht. Und ich möchte mich bei allen Fans sehr für die Unterstützung bedanken! Ich hatte damit gerechnet, dass einige Audi-Fans sagen könnten: 'Du Idiot, wieso fährst du jetzt für BMW?' Aber das war überhaupt nicht der Fall. Es macht mich wirklich stolz, dass so viele Menschen meine Geschichte kennen und jetzt zu mir stehen. Einige BMW-Fans haben mich auch schon herzlich willkommen geheißen.

Ich hatte damit gerechnet, dass einige Audi-Fans sagen könnten: 'Du Idiot, wieso fährst du jetzt für BMW?'
Timo Scheider

Wie wird es für dich sein, mit den BMW-Fahrern jetzt zusammen statt gegeneinander zu fahren?
Timo Scheider: Wie das letztendlich ausgeht, werden wir dann sehen. Ich kenne jeden der Jungs aus der DTM sehr gut. Zwar mehr als Konkurrenten statt als Teamkollegen. Aber wir haben alle das gleiche Ziel: So schnell wie möglich im Kreis zu fahren - und auch den Teamkollegen in den Arsch zu treten! Als Rennfahrer fährst du schließlich für dich selbst. Bei Langstrecken-Rennen ist das aber natürlich noch mal eine andere Geschichte. Da brauchst du ein homogenes Team mit einer guten Chemie.

Timo Scheider im Moment seiner Bekanntgabe über das DTM-Aus - Foto: Audi

Welche Rennen wirst du noch für BMW fahren?
Timo Scheider: Zur Vorbereitung auf das 24-Stunden-Rennen werde ich bei ausgewählten VLN-Rennen mit BMW an den Start gehen. Beim 24h-Qualifikationsrennen kommt es zu einer Überschneidung mit einem Rennen in der Rallycross-WM. Da müssen wir schauen, wie es sich am besten ausgeht.

Ich muss mit meinen Job auch Geld verdienen, ich bin schließlich Profi-Rennfahrer.
Timo Scheider

War es schwierig für dich, in der Rallycross-Serie ein Team zu finden?
Timo Scheider: Während meiner Gaststarts im vergangenen Jahr habe ich mir einige Kontakte in der Szene aufgebaut - und mit meiner guten Performance beim Finale in Argentinien für Furore gesorgt. Dadurch sind einige Teams auf mich aufmerksam geworden. Es gab Interesse von einigen Top-Teams, aber sagen wir mal so: Letztendlich liefen die Dinge in einigen Bereichen anders als geplant. Und da ich für mein Engagement in der WRX ein Gehalt verlange anstatt Geld oder Sponsoren mitzubringen, wurde die Luft dünner. Ich muss mit meinen Job auch Geld verdienen, ich bin schließlich Profi-Rennfahrer. Deshalb war ich nicht überall die erste Wahl, denn Fahrer mit Budget spielen auch in der WRX eine wichtige Rolle.

Timo Scheider startet dieses Jahr erstmals für BMW - Foto: BMW

Dann kam das Angebot von MJP Racing Team Austria...
Timo Scheider: Ja, mit den Jungs hatte ich letztes Jahr bereits Kontakt. Das Team hat Sponsoren, die einen Fahrer mit bekanntem Namen wollten, der auch Leistung bringt. Wir kamen schnell ins Gespräch und innerhalb weniger Tage war der Deal eingetütet. Jetzt bin ich Profi-Rallycross-Fahrer! Ich freue mich sehr darauf, nachdem die Serie schon so viele Emotionen in mir ausgelöst hat. Das möchte ich jetzt gern fortführen mit meinem neuen Team. Und ich kann verraten, dass es in Sachen Rallycross noch eine dicke Überraschung geben wird. Mehr Infos kann ich bald bekanntgeben.

Ich kann verraten, dass es in Sachen Rallycross noch eine dicke Überraschung geben wird.
Timo Scheider

Hast du nach all den DTM-Jahren nicht mal über eine Auszeit vom Motorsport nachgedacht?
Timo Scheider: Ja, natürlich. Die private Seite ist mir auch extrem wichtig, vor allem, weil ich letztes Jahr noch einmal Vater geworden bin. Aber nachdem alles so aus dem Ruder gelaufen ist, habe ich gemerkt, dass ich meine Zukunft als Rennfahrer aussortieren muss - und zwar mit Vollgas. Deshalb ist es gut so, wie es ist. Ich habe derzeit keinen Verlust, weil gerade so viele geile Dinge passieren. Ich bin top motiviert und habe überhaupt nicht das Gefühl, dass nach meiner DTM-Zeit jetzt eine Leere herrscht.


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