Tipp

24 h Nürburgring - Die neun Antworten zum Rennen

Favoritensterben, Unfälle und ein neuer Rekord

Das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring produzierte eine Reihe von Fragen. Motorsport-Magazin.com hat die Antworten auf die wichtigsten von ihnen.
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1. Wie konnte Phoenix Racing gewinnen?

Die Antwort klingt simpel: Mit hohem Speed und wenigen Problemen. Durch die hohe Pace starben wie erwartet die Favoriten wie die Fliegen in der ersten Rennhälfte weg. Christopher Haase, Chris Mamerow, Rene Rast und Markus Winkelhock waren von Anfang an ganz vorne dabei, hielten sich jedoch aus den Scharmützeln heraus. Mit der nötigen Mischung aus Glück und Können kamen sie ohne einen einzigen technischen Defekt und ohne Strafen über die Runden. Das gelang in der Spitzengruppe nur einem einzigen weiteren Fahrzeug, nämlich dem Black-Falcon-Mercedes mit der Startnummer 1. Dieser war aber nicht mit allen Fahrern in der Lage, der ausgeglichen schnellen Audi-Fahrerpaarung Paroli zu bieten.

2. Was passierte mit den Polesettern?

Starke Anfangsphase des Dörr-McLaren - Foto: Patrick Funk

Der Dörr-McLaren von Kevin Estre, Peter Kox, Tim Mullen und Sascha Bert diktierte das Geschehen zu Beginn des Rennens. Insbesondere Kevin Estres Marktwert dürfte nach der Pole und dem irren Auftaktstint deutlich gestiegen sein. Doch das Schicksal meinte es wieder nicht gut mit McLaren: Ein mutmaßlicher Wasserverlust in den frühen Abendstunden entpuppte sich als falscher Alarm; elf Minuten wurden vergeudet. Damit war eine realistische Siegchance bereits dahin, doch das Podium wäre allemal noch möglich gewesen.

Aber es sollte komplett schiefgehen: Ein Unfall mit dem RJN-Nissan um 1 Uhr riss den McLaren aus dem Rennen heraus. Bereits zuvor hatte es weitere technische Probleme gegeben. Der McLaren zeigte wie erwartet eine hervorragende Pace, aber auch wie erwartet nicht die nötige Zuverlässigkeit, um das Rennen zu gewinnen. Der Unfall war indes Pech, doch da war die Dörr-Truppe bereits jeglicher Siegchancen beraubt. 2015 wird man wieder versuchen, die Siegesserie der deutschen Hersteller zu unterbrechen.

3. Warum sah keiner der Marc-VDS-BMW die Zielflagge?

Sie waren im Vorfeld zu den absoluten Top-Favoriten gezählt worden, am Ende geht das Marc-VDS-Team ohne Resultat zurück in die belgische Heimat. Bereits in den ersten Minuten gab es die erste Schrecksekunde, als Maxime Martin seinen Moment in der NGK-Schikane hatte. Drei Minuten waren beim Teufel, doch noch war nichts verloren, denn der Z4 von Martin, Jörg Müller, Uwe Alzen und Marco Wittmann war das durchschnittlich schnellste Auto im Feld. Doch in der zehnten Stunde kam das Aus, als Wittmann mit einem Lexus im Stefan-Bellof-S kollidierte. "Ich habe einen Schlag hinten rechts bekommen und dadurch wurde ich in die Leitplanke umgedreht. Beim Einschlag wurde das Auto so schwer beschädigt, dass wir das Rennen aufgeben mussten", so Wittmann.

Gut gekämpft, aber am Ende leere Hände für Marc VDS - Foto: Patrick Funk

Das andere Fahrzeug hatte zwischenzeitlich das Rennen sogar angeführt, doch Bas Leinders, Markus Palttala, Nick Catsburg und Dirk Adorf fehlte es nicht zum ersten Mal am nötigen Glück: Probleme mit der Drosselklappe, die in der Elektronik begründet lagen, hatten den BMW Z4 GT3 um Mitternacht bereits aussichtslos zurückgeworfen, nur wenige Minuten nach Aus der Startnummer 25 verunfallte auch dieses Fahrzeug im Schwalbenschwanz. Leinders erklärte: "Ich hatte den Unfall, als ich versucht habe, einem Auto auszuweichen, das selbst zwei langsamen Autos ausweichen musste. Man weiß, dass dies auf der Nordschleife passieren kann, denn sie ist sehr eng, man selbst ist schnell unterwegs, und es gibt große Geschwindigkeitsunterschiede zwischen den Autos."

4. Wie verlor Schubert den möglichen Sieg?

Ich versuchte, einem Auto auszuweichen, das selbst zwei langsamen Autos ausweichen musste.
Bas Leinders zu seinem Unfall

Wieder einmal blieb Schubert Motorsport der heiß ersehnte erste Gesamtsieg beim 24h-Rennen verwehrt. Nachdem der Z4 mit der Startnummer 19 bereits vor Einbruch der Dunkelheit die Segel durch eine beschädigte Ölpumpe, die von einer auf einem Kerb zerbröselnden Aufhängung zerstört worden war, streichen musste, war das Fahrzeug von Jens Klingmann, Dominik Baumann, Claudia Hürtgen und Martin Tomczyk lange Zeit Sieganwärter und machten bis Sonntagmittag heftig Durck auf de siegreichen Audi.

Doch ab der Mittagszeit brach die Hölle über den BMW mit der Startnummer 20 herein: Zunächst gab es eine Strafe von 92 Sekunden für ein böses Foul von Martin Tomczyk. Das Podium war immer noch möglich, doch ein Dreher von Claudia Hürtgen bei Höchstgeschwindigkeit im Bereich Tiergarten beschädigte eine Spurstange. Der Wechsel kostete zwei Runden und das Podium. Hürtgen sagte: "Mir tut es unwahrscheinlich leid für das gesamte Team, das einmal mehr sensationell gearbeitet hat. Die Autos waren super vorbereitet, aber man braucht dann eben auch das nötige Quäntchen Glück im Rennen. Und das hatten wir einfach nicht."

5. Wie verabschiedeten sich die weiteren Audis aus dem Siegkampf?

Wenn am Ende einer durchkommt und gewinnt, wird alles andere überdeckt. Doch die Audi-Marketingabteilung wird in Ingolstadt ordentlich gezittert haben, war der Phoenix-Audi mit der Startnummer 4 schließlich das letzte Eisen im Feuer. Die Teamkollegen Marc Basseng, Marcel Fässler, Laurens Vanthoor und Frank Stippler waren nämlich ebenfalls bereits in der zweiten Stunde draußen: In der Hohenrain-Schikane brach unmittelbar das Heck aus und Basseng flog heftig ab.

Jenseits des siegreichen Audis herrschte größtenteils Tristesse für die vier Ringe - Foto: Patrick Funk

Nach einem routinemäßigen Check im Medical Center war zwar klar, dass Basseng keine Verletzungen davongetragen hat doch die Ursache ist unklar. Ein gebrochenes Teil wird vom Team ausgeschlossen. Die Möglichkeit Fahrfehler würde es auch nur unzureichend klären. Möglich ist, dass das ABS nicht richtig geregelt hat und dadurch die Hinterachse blockierte. Eine Flüssigkeit war auf der Fahrbahn nicht zu sehen.

Das in G-Drive Racing umgebrandete WRT-Team verlor in der Nacht viel Zeit durch einen Getriebewechsel. Überhaupt war diese die Schwachstelle am R8 LMS ultra: Beide Fahrzeuge vom Team Prosperia C. Abt Racing wurden ebenfalls von Getriebeproblemen heimgesucht. Allerdings waren sie zu dem Zeitpunkt schon aus der Entscheidung raus: Bei Nicki Thiim, Marco Seefried, Richard Westbrook und Alex Müller sorgte eine Kollision für einen Reifenschaden bei Mitternacht. Christopher Mies, Christer Jöns, Niclas Kentenich und Dominik Schwager hatten ebenfalls einen Reifenschaden, dazu einen Unfall, eine Strafe und einen Antriebswellenschaden. Am Ende kam man auf Rang 34.

Die beiden Audi R8 LMS ultra der Audi race experience keine Gesamtsiegkandidaten, aber am Ende war der R8 von Felix Baumgartner, Frank Biela, Marco Werner und Pierre Kaffer zweitbester Audi auf Gesamtplatz neun. Das Schwesterfahrzeug mit der Startnummer 18 hatten eine ganze Reihe von Unfällen und landete schließlich auf Platz 23.

Der Car-Collection-Mercedes wurde noch in der ersten Stunde eliminiert - Foto: Patrick Funk

6. Was geschah in der ersten Stunde in der NGK-Schikane?

Es gab einige nicht unerhebliche Aufreger zu Beginn des Rennens: In der NGK-Schikane drehte sich nach wenigen Minuten zunächst der zweitplatzierte BMW weg, danach gab es eine heftige Kollision zwischen dem Mercedes SLS von Car Collection und dem Manthey-Porsche mit der Startnummer 12. Grund für die Vorfälle war ein Ölfleck, den das zuvor in der Anbremszone zum Links-Rechts-Knick gestrandete Hyundai Genesis Coupe hinterlassen hatte. Motorsport-Magazin.com verfolgte das Geschehen aus erster Hand - es war unverständlich, dass der Hyundai-Fahrer nicht von sich aus in die Rettungsstraße, in die er später gezogen wurde, abgebogen ist.

Zunächst erwischte es Maxime Martin, der als einziger in den Eröffnungsminuten das Tempo von Kevin Estre im Dörr-McLaren halbwegs mitgehen konnte. "Plötzlich habe ich das Heck verloren. Zum Glück konnte ich das Fahrzeug abfangen", so der belgische DTM-Pilot. Er drehte sich quer durch die Schikane und kam an deren Ende zum Stehen. Danach wurde es heftig: Während mehrere Fahrzeuge Schwierigkeiten hatten, die Schikane zu bekommen, aber dabei lediglich geradeaus untersteuerten, legte der Car-Collection-SLS eine Einlage ein, die sämtlichen Zuschauern das Blut in den Adern gefrieren ließ.

Wenn Öl auf der Strecke ist, hast du keine Chance mehr.
Peter Schmidt

Peter Schmidt verlor ähnlich wie Martin zuvor die Kontrolle über seinen SLS, anders als Martin drehte er sich jedoch nicht, sondern schoss fast ungebremst quer durch die Schikane durch und knallte heftigst in den Manthey-Porsche. "Wenn Öl auf der Strecke ist, hast du keine Chance mehr", sagte Schmidt, der glücklicherweise unverletzt blieb. Das Problem war, dass keine entsprechenden Flaggensignale gegeben wurden.

7. Was war zu Beginn am Flugplatz los?

Fast zeitgleich zu den Ereignissen in der NGK-Schikane gab es einen weiteren Konfliktherd auf der Nordschleife: Am Flugplatz gab es eine Kollision mit mehreren involvierten Fahrzeugen. Ausgangspunkt war ein Überrundungsmanöver des Dörr-McLaren mit der Startnummer 69 von Rudi Adams, Sebastian Asch, Alvaro Parente und Arno Klasen. Dieser drängte, um die Doppelrechts besser zu erwischen, den Eifelblitz von der Strecke, der sich daraufhin in die Wand verabschiedete, aber weiterfuhr.

Der Rowe-SLS mit Thomas Jäger am Steuer (weitere Piloten: Richard Göransson, Klaus Graf, Jan Seyffarth) bremste sofort sicherheitshalber ab. Ein dahinter fahrender BMW M235i Racing sah das zu spät und hatte zudem einen längeren Bremsweg, was dafür sorgte, dass er dem SLS hinten drauf knallte. Teamchef Hans-Peter Naundorf erklärte: Der Unfall nach 20 Minuten hat unser Auto mit der Nummer 23 praktisch aus dem Rennen genommen. Das ist umso bitterer, da Thomas keinerlei Schuld an der Kollision hat: Wegen eines Unfalls vor ihm musste er bremsen und wurde dann von einem unachtsamen Piloten von hinten getroffen."

Rowe Racing richtete die Nummer 23 zwar wieder her, fiel aber letztlich doch aus - Foto: Patrick Funk

8. Warum wurde die Viper vom Rennen ausgeschlossen?

Ein weiterer furchterregender Unfall fand statt: Mitten in einer Gelbzone räumte die Dodge Viper von Titus Dittmann mit Reinhard Schall am Steuer den Besaplast-Mini ab, der ordnungsgemäß 60 km/h fuhr. Aufgrund der Schwere des Vergehens - es war scheinbar seit Beginn des Streckenabschnitts Flugplatz gelb - wurde das Team von den Sportkommissaren vom Rennen ausgeschlossen. Das machte ohnehin keinen Unterschied mehr, da die Viper nicht mehr reparabel war. Viel schlimmer jedoch: Der Vorfall wird dem DMSB-Gericht gemeldet. Das kann einen Lizenzentzug nach sich ziehen.

Die Titus-Viper sorgte für eine kontroversen Unfall - Foto: Patrick Funk

Ein Shitstorm brach über die Facebook-Präsenz von Titus Dittmann herein, obwohl er selbst zu dem Zeitpunkt nicht am Steuer saß. Er bezog am Morgen Stellung: Man stehe zu der Strafe und akzeptiere sie. Am Steuer habe "der Nordschleifen-erfahrenste Pilot des Teams" gesessen. Der Fall wird vor einem DMSB-Sportgericht verhandelt.

9. Was macht den Distanzrekord so speziell?

Mit dem Sieg haben Christopher Haase, Chris Mamerow, Rene Rast und Markus Winkelhock nicht nur den alten Rekord aus dem Jahre 2011 um drei Runden, sondern fuhren auch erstmals in der Geschichte des Langstreckenklassikers mehr als 4.000 Kilometer. "Das zeigt ganz klar die Leistungsdichte, die es in diesem Jahr hatte", sagte Markus Winkelhock. Die Gesamtdistanz des siegreichen Audi R8 LMS ultra betrug insgesamt 4.035,102 Kilometer.


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