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24 h Nürburgring - Michelin-Übermacht: Vor- oder Nachteil?

Fahrer geteilter Meinung

Reifentechnisch herrscht 2014 nahezu Einheitsbrei. Nicht alle Fahrer sind davon angetan. Dabei führt ein anderer Hersteller nach dem Qualifying.
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Motorsport-Magazin.com - Ja, es war schon einmal wesentlich bunter an der Reifenfront bei den 24 Stunden am Nürburgring. Wegen der Schließung eines Werkes in England und der daraus resultierenden Lieferschwierigkeiten musste Dunlop seinen Support an die Teams einstellen - zumindest für 2014, nächstes Jahr soll die Rückkehr erfolgen. Für die meisten Teams kam lediglich eine Alternative in Frage: Der französische Hersteller Michelin, der damit seinen 15. Gesamtsieg nahezu sicher hat. Noch gibt es aber wenigstens etwas Konkurrenz: Dörr Motorsport und Nissan starten auf Pirelli, Prosperia C. Abt Racing auf Hankook, bei Falken Motorsport erübrigt sich die Frage. Motorsport-Magazin.com befragte mehrere Fahrer zu der Situation - und erhielt ganz unterschiedliche Antworten.

Konkurrenz belebt das Geschäft, und letztlich profitiert der Kunde, der die Straßenreifen kauft, am meisten davon.
Uwe Alzen

"Michelin hat jetzt ein ziemliches Monopol hier oben", sagt Sabine Schmitz, die in dem auf den Namen "schnellste Frikadelle der Welt" getauften Porsche 911 GT3 R bereit ist, in die Bresche zu springen, sollte bei den anderen Teams etwas schiefgehen. Allerdings sieht sie das als Folge der Logik des Marktes: "Das liegt eben an der Qualität. Bei Yokohama haben sie gesagt, dass sie ein Riesenproblem hätten und uns nicht mehr beliefern können." Frikadelli war 2013 von den japanischen auf die französischen Pneus umgestiegen.

BMW-Werksfahrer Uwe Alzen würde sich durchaus mehr Wettbewerb wünschen: "Je breiter das Feld dort aufgestellt ist, desto schöner ist es. Denn dann führen die Reifenhersteller einen Kampf untereinander und bemühen sich noch mehr. Konkurrenz belebt das Geschäft, und letztlich profitiert der Kunde, der die Straßenreifen kauft, am meisten davon. Denn meistens stammt die Entwicklung aus dem Rennsport." Allerdings ist er sich auch sicher, dass der Wettbewerb bald wieder angeheizt wird: "Nächstes Jahr wird sich das sicher ändern." Und er merkt an, dass es für alle Teams denselben Reifen gibt und niemand Extraentwicklungen bekommt.

Vor dem Top-30-Qualifying kam die Bestzeit durch den Pirelli-bereiften Dörr-McLaren - Foto: Patrick Funk

Andere Hersteller mischen vorne mit

Trotz der Michelin-Dominanz und der Einführung des aus Le Mans bekannten Hybrid-Reifens mischen die verbliebenen anderen Hersteller aber fleißig mit: Nach den Qualifying-Sessions steht mit Dörr Motorsport ein Pirelli-bereiftes Team ganz vorne, auch Nissan ist auf den italienischen Pneus gut dabei. "Die scheinen wirklich einen guten Job zu machen", zollt Sabine Schmitz Respekt. Auch Hankook scheint nicht weit weg zu sein, schließlich führte der Audi von Christopher Mies das Qualifikationsrennen bis zum Ausfall mit Getriebeschaden an.

Ich denke, dass es ein Vorteil ist, wenn sich ein Reifenhersteller auf einzelne Team konzentrieren kann.
Nick Heidfeld

Ist es also ein Vorteil, wenn sich ein Hersteller nur um wenige Teams kümmern muss, während Michelin verschiedene Hersteller mit gleichem Material beliefert? Hier gibt es unterschiedliche Meinungen: "Für die Reifenhersteller ist es besser, wenn man für die Entwicklung mehr Daten sammeln kann", sagt Dörr-Pilot Sebastian Asch, der durchaus offen für mehr Michelin-Teams wäre. "Ich denke, dass es ein Vorteil ist, wenn sich ein Reifenhersteller auf einzelne Team konzentrieren kann", entgegnet Nissan-Werkspilot Nick Heidfeld, schränkt aber ein "Ich bin noch zu neu hier am Nürburgring, um genau zu sagen, wie sich das hier oben auswirkt."

Einig hingegen sind sich die Fahrer in einem Punkt: Die Reifen sind sich sehr ähnlich. Uwe Alzen war schon auf allen erdenklichen Walzen unterwegs und erläutert: "Alle Hersteller sind auf einem Toplevel, das sind nur Nuancen, um die wir reden: Der eine geht bei kaltem Wetter besser, der andere wenn es warm ist." Phoenix-Pilot Markus Winkelhock stößt ins selbe Horn: "Jeder Reifen funktioniert bei seinen Verhältnissen und hat irgendwo einen Vor- und Nachteil zu seinen Konkurrenten. Aber es sind Kleinigkeiten."

Die Hankook-Pneus arbeiten auf dem Abt-Audi vorzüglich - Foto: Patrick Funk

Keine markeninternen Vergleiche

Eines der letzten verbliebenen Teams auf Dunlop-Reifen ist unterdessen Walkenhorst. "Das Gute ist, dass wir hier auf Reifen fahren, in denen jede Menge Entwicklungsarbeit drinsteckt", erklärt Christopher Brück, der sich seinen BMW Z4 GT3 mit Ferdinand Stuck, Max Sandritter und Dennis Rosteck teilt. Viel geändert hat sich laut seinen Angaben trotz des Wegfalls der Werksteams bei seinem Hersteller nichts. "Ich sehe da kein Problem. Wir kommen gut zurecht."

Audi hat als einziger Hersteller den Luxus, zwei Werksteams auf unterschiedlichen Reifen zu haben. Doch Vergleiche werden nicht gezogen, sagt Winkelhock: "Wir sind zwar im Endeffekt derselbe Hersteller [wie Prosperia C. Abt Racing], aber auf der Strecke sind wir Konkurrenten, egal ob es ein Audi oder ein anderes Fabrikat ist. Wir haben keine Ahnung, wo die Vor- und Nachteile bei den anderen [Audi-]Teams liegen; es gibt absolut keinen Datenaustausch zwischen den Teams." Im BMW-Lager gibt es dasselbe Bild: "Nein, es gibt keine Vergleiche zu den anderen Teams", so Brück.


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